2008-01-09 00:23:23
Simone de Beauvoir, eine Galionsfigur des Feminismus, wäre am neunten Jänner 100 Jahre alt geworden. Ein Grund auf das Schaffen der Philosophin zurückzublicken
Wer hätte gedacht, dass Das andere Geschlecht fast 20 Jahre nach der ersten Erscheinung in seiner deutschen Übersetzung wie eine Bombe einschlagen würde. "On ne naît pas femme, on le devient" (Man wird nicht zur Frau geboren, man wird zu ihr gemacht) wurde zum Leitsatz der zweiten Frauenbewegung in Europa.
Tochter aus gutem Hause
Am neunten Jänner 1908 wurde Simone Lucie Ernestine Marie Bertrand de Beauvoir in Paris geboren. Aufgewachsen in einer katholischen Familie, genoss sie in jungen Jahren wenige Freiheiten. Vielleicht war es dieser Konformismus, der sie zur Rebellion gegen das Bürgertum antrieb.
Als sie 1929 ihr Philosophiestudium an der Pariser Sorbonne abschloss, war de Beauvoir Jahrgangszweite, vor ihr lag ein Mann, der nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre philosophische Einstellung teilte, Jean-Paul Sartre. Sie war eine der ersten Philosophieprofessorinnen Frankreichs.
In den besten Jahren
Als Simone de Beauvoir 1943 aufhörte Philosophie zu unterrichten und sich dem Schreiben widmete, konnte sie schnell Erfolge erzielen. Mit dem existenzialistischen Werk Sie kam und blieb wurde nicht nur die französische Leserschaft auf die Autorin aufmerksam. Das Buch arbeitet eine Dreiecksbeziehung auf, welche dem Leben der Schriftstellerin nicht unbekannt war. Die offene Beziehung die sie mit Sartre pflegte, führte dazu, dass sie ihn mehrmals mit anderen Frauen teilen musste. Dennoch ließ die Beziehung den beiden genügend Freiraum zur individuellen und intellektuellen Entfaltung.
Im Pariser Viertel Montparnasse lebten Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre zwar nahe beieinander, jedoch stets in eigenen Wohnungen und Hotelzimmern.
Der Lauf der Dinge
In den 1950er Jahren gehörten de Beauvoir und Sartre zu der intellektuellen Elite Frankreichs. Sie unternahmen viele Reisen durch Europa, die USA, nach China und die damalige Sowjetunion. Die Erfahrung, die sie während der Reisen sammelte, schrieb die Autorin in mehreren Werken nieder. Auch der Kampf gegen den Algerienkrieg und den Krieg in Vietnam zählten zu den Anliegen des Paares. De Beauvoir war Mitbegründerin und Redakteurin in der während der Nachkriegszeit von Sartre gegründeten linken Zeitschrift Les Temps Moderenes.
Am bekanntesten wurde Simone de Beauvoirs durch ihr Engagement im Feminismus. Das andere Geschlecht galt lange Zeit als Bibel der Generation rund um Alice Schwarzer. Obwohl das Werk bereits 1949 erschien, erfolgte die deutschsprachige Rezeption erst in den 1970er Jahren. Genau zu dieser Zeit begann sich de Beauvoir stark für den Feminismus einzusetzen. Zu ihrem Engagement zählte auch die Unterzeichnung eines Manifests für die Straffreiheit von Abtreibung.
Alles in allem
Trotz des eigenen intellektuellen Erfolgs fiel es de Beauvoir schwer aus dem Schatten Sartres zu treten. Besser gesagt, fiel es den Medien schwer, sie als eigenständig denkende Philosophin und Schriftstellerin anzusehen. Ein Prix Goncourt ist viel Wert in der französischen Literaturszene, dennoch konnte sich de Beauvoir auch nach Erhalt dieses Preises von den Äußerungen gegen das èléve sartreuse schützen.
Nach Sartres Tod veröffentlichte sie 1981 Die Zeremonie des Abschieds. Das Werk beschreibt die letzten Jahre im Leben de Beauvoirs und Sartres. Die wichtigste Frau der zweiten Frauenbewegung starb am 14. April 1986.
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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