2007-04-02 00:11:33
Zwei Alkbottle-Fans der ersten Stunde interviewten die "Bottle Buam" anlässlich ihres Stelldichein in der Arena. Keine Kinderjausn!
Alkbottle haben es Mitte der 90er mit Musik zwischen AC/DC, Iron Maiden, Wolfgang Ambros und originell-witzigen Meidlinger Prolotexten geschaft, die heimische Musikszene ordentlich aufzumischen. Nach Auflösung der Band 1997 hat man einige Jahre nicht mehr viel gehört, außer 2 Singles und einigen Konzerten aus der Versenkung. Der Fan-Support blieb trotzdem verhältnismäßig riesengroß - viele lechzten nach dem Proloschmäh und den brachialen Sounds á la "Bottle Buam". Nun war es endlich wieder so weit: Am 6.6. gaben sich Alkbottle anlässlich des 30 Jahre Arena Jubiläums ein Stelldichein und feierten am 6. Tag des 6. Monats des 6. Jahres nach 6 Bier die Wiedergeburt des "Alkochristen".
Das Konzert war trotz des Dienstag-Termins gut besucht und die Band um Sänger Roman Gregory, der wieder einmal echte "Rampensau - Qualitäten" zeigte, schaffte es den versammelten "Tranklern" richtig einzuheizen. Die Menge suhlte sich im Bier und zeigte frenetische Mitarbeit beim Klassiker "Geh scheissn!" Wenn es die Band schafft, dieses Jahr in einigen konspirativen "Tschechereien" bisher gesammeltes aufzuarbeiten und auch einige neue Nummern auf die Beine zu stellen, ist 2007 mit einem neuen Album zu rechnen - Meidling und diejenigen, die es im Herzen und der Leber tragen warten schon darauf!
Nach dem Soundcheck fand sich die Band backstage ein, um ein Interview zu geben:
Sänger & Bandleader: Roman Gregory
Bassist: Marco Billiani
Gitarre: Chris Zitta
Gitarre: Didi Baumgartner
Schlagzeug: Peter Wagner
FM5: Man hat von Alkbottle länger nichts mehr gehört. Ihr tretet jetzt mit einem neuen Gitarristen (Didi Baumgartner statt Chris Breier) auf, was habt ihr dazwischen gemacht?
RG: 2002 und 2003 hatten wir zahlreiche Auftritte. 2004 haben wir gar nichts gemacht, außer einer Abtenau - Skihüttentour und dem Herausbringen von "6Bier".
FM5: Habt ihr regelmäßig geprobt?
RG: Die Auflösung 1998 war schon ernst gemeint, da haben wir 3 Jahre überhaupt nichts mehr Richtung Alkbottle gemacht, dann hatten wir die Idee mit Rapid Wien eine Hymne aufzunehmen.
FM5: Wie schwer ist es, das Alkbottle-Klischee zu leben?
MB: Es ist wie in der Politik, es wird viel mehr geredet als getan. Ehrlich gesagt.
RG: Mittlerweile predigen wir Wasser und trinken Wein. Wir hatten schon einige Partyjahre, aber würden wir so trinken wie wir singen, gäbe es uns bereits nicht mehr. Wir haben darüber gesungen, weil wir das kennen, wir sind aber nicht so. Es gibt jetzt immer noch Party, aber wir feiern jetzt zielorientierter und sind effizienter. Außer Peter Wagner (Schlagzeug), der kübelt alles was wir ihm hinstellen. Unsere Gage besteht ja nach wie vor nur aus Getränken, und während wir uns brav an Eistee halten, trinkt er alles zusammen.
Unser Konzept war immer ein gewisses Augenzwinkern, wer dass bis dato nicht kapiert hat, der ist eh nicht mehr zu retten.
FM5: Könnt ihr euren Stil so ohne weiteres ändern?
RG: Wir ändern unseren Stil ja keinen Strich, wir denken gar nicht daran. Wir haben uns von allem Anfang an zwischen die Stühle gesetzt, weil dort ist am meisten Platz. Wir passen uns keiner Musikrichtung an, ob Rock, Pop, oder Alternative - das schon gar nicht, außer: "wir san de anzige Alternative". Wir haben nie versucht uns in eine Nische zu zwängen, weil wir gern dort wären. Das Bandkonzept ist so weit offen, dass wir machen können, was uns in den Sinn kommt. Wir spekulieren nicht damit, im Radio gespielt zu werden - in welchem auch immer.
FM5: Ihr habt auch in Deutschland einige Gigs gespielt, wie haben die Leute reagiert?
RG: Höflich, höflich. Sie haben freundlich geklatscht und sind kopfschüttelnd von dannen gezogen. Wir haben dort weder Schäden noch kreischende Teenies hinterlassen. Sie haben im Prinzip verstanden, worum's geht, aber die Feinheiten in den Texten waren ihnen nicht zugänglich. Insofern war´s nicht mehr als ein netter Ausflug.
FM5: Euch wurde angeboten Texte auf hochdeutsch einzuspielen. Habt ihr das wenigstens gaudihalber gemacht?
RG: Na, des is a ka Gaudi.
MB: Wir hätten da die Hosen bis zu den Knöcheln heruntergelassen.
RG: Damit hätten wir alle unsere Fans in Österreich verloren. Prinzipiell ist es keine blöde Überlegung - rein wirtschaftlich. Aber wir schleimen uns da nirgends ein - a bissl an Stolz hamma.
FM5: Ist Österreich zu klein für ein Konzept wie Alkbottle?
RG: Zu klein um davon leben zu können. Wenn du in Österreich davon leben möchtest, ist das mit enormem Stress verbunden, und du durchschaust irgendwann die Situation nicht mehr. Man muss jedes Jahr ein Album aufnehmen und permanent auf Tour sein. Die Gefahr eines Burn-outs ist relativ hoch.
MB: Verglichen mit Deutschland ist der Österreichische Markt zehnmal kleiner, sprich man muss hier einen zehnmal größeren Aufwand betreiben.
RG: Wir haben uns das aber trotzdem ausgesucht und haben auch nie damit gehadert. Im Gegenteil, das hat uns stark gemacht.
FM5: Habt ihr einen Manager?
RG: Wir hatten einen, aber mittlerweile brauchen wir keinen mehr. Wir sind lange genug im Geschäft (16 Jahre), um die Leute zu kennen. Unsere Platten verkaufen wir über die Homepage und steigen gerade bei I-Tunes ein.
FM5: Habt ihr jemals auf einer Hochzeit gespielt (Coverheft: Die Bottle Buam gibt's auch für Tanzabende, Hochzeiten und Kinderjausen)?
RG: Na, es waren nur Abrüsterfestln und sozusagen geistige Beerdigungen. Würstlstandleinweihungen vielleicht noch. Einmal haben wir auf einem Polterabend gespielt.
FM5: Habt ihr das Gefühl mit Singles wie: "6 Bier" euer Motto: "Liaba diaf, ois seicht." verletzt zu haben?
RG: Es gibt bei uns ausgesuchte Partynummern, wo wir uns denken: "Bist du deppert - probier ma's?". Mit solchen Nummern inszenieren wir uns selbst, sie sind ironisch. Es fällt unter massive Selbstverarschung.
Wenn unten 1000 Fans stehen und kreischen wie bei Robbie Williams, stehen wir nicht auf der Bühne und fühlen uns wie Rockstars - wir finden das lustig, aber anders lustig als die Fans: wir sehen uns 15 Jahre zurückversetzt und denken uns: "Bittegoascho, des hätt si jo vor 15 Jahren kana docht: wir stehen do und singen den gonzn Schas, der uns eingfoin is." Das schmälert aber die Fans keineswegs: sie haben den Faden voll aufgenommen. Das sind nicht irgendwelche Kummertrinker, sondern oft durchaus muntere, nüchterne und oft auch g´scheite Menschen, die uns lustig finden.
FM5: Wie erklärt ihr euch euren - nach wie vor großen - Support?
RG: Wir waren nie eine Band, die versucht hat so zu klingen, wie irgendwer. Wir haben immer Musik gemacht, die wir selbst gern hören würden. Natürlich gibt´s dabei auch immer wieder Schnitzer, aber Bauchflecke müssen erlaubt sein.
Wir werden sicher damit weitermachen und sind guter Dinge, dass das nächstes Jahr zu einem neuen Album führen wird! Wir haben einiges an Material gesammelt, das wir aufarbeiten werden. Wir kommen immer dann, wenn keiner mehr mit uns rechnet.
FM5: Wie seid ihr zu euren Gitarrensounds gekommen?
CZ: Wir haben uns immer sehr intensiv damit beschäftigt. Ich bin voll aus dem Metallager gekommen. Meine Helden waren Priest, Maiden und Motörhead, auch AC/DC - das rockt einfach.
FM5: Ihr seid v.a. mit der Trivialkbottle vom Metal weggekommen.
CZ: Wie gesagt wollten wir uns musikalisch auf einen Stil nie festlegen. Das manifestiert sich in Nummern wie "Batterie", dem Metallica-Cover, das wir mit dem Text ad Absurdum geführt haben. Metal - klar, aber wir haben das nie so tierisch ernst genommen und wollten nicht - so wie Maiden - 20 Jahre im gleichen Stil spielen.
FM5: Habt ihr euch aufgeteilt, wer Lead-Gitarre und wer Rhythmus spielt?
CZ: Eigentlich nicht. Viele Teile spielen wir zweistimmig. Sonst spielt der das Solo, der es geschrieben hat.
FM5: Didi, wie bist du zu Alkbottle gekommen?
DB: Ich bin ausgebildeter Konzertgitarrist, habe aber schon vorher E-Gitarre gespielt. Man kannte sich, ich habe mit Roman ein paar mal mit meiner Band, Rudl, gespielt. Ich spiele momentan bei beiden Projekten, das kommt sich eigentlich nicht in die Quere. Wenn man in Österreich von Musik leben will, muss man auf vielen Kirtagen gleichzeitig sein.
FM5: Euer Höhepunkt war Mitte der 90er, habt ihr euch damals als Rockstars gefühlt?
CZ: Nein eigentlich nicht. Außerhalb eines Konzerts hat mich nur einmal ein 10 Jähriger als Alkbottle erkannt, aber da bin ich eigentlich auch froh. Roman wird sicher öfter erkannt.