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musik

Me – Lovebox

2007-04-02 00:11:27

„Popstar und Mädchenschwarm auf Abwegen“ – mal hören, wie’s klingt...

„Popstar und Mädchenschwarm auf Abwegen“  – mal hören, wie’s klingt...

...und es klingt überraschend gut.
Oder vielleicht ist „überraschend“ das falsche Wort dafür. Wir kennen den Herrn Kamm ja alle als Frontmann und hervorragende Stimme der Augsburger Popformation Nova International. Daher war nicht allzu viel Vorstellungskraft nötig, um sich durchwegs gute Musik von ihm zu erwarten. Und man hatte gerade noch genug Fantasie, um anzunehmen, dass sich eine Soloplatte wahrscheinlich in eine etwas andere Richtung bewegen würde.

Nun, der Weg führt durchaus noch immer nach Rom. Aber Michael Kamm nimmt nicht die Hauptverkehrsroute, sondern entscheidet sich stattdessen für die gemütlichere, impressionsreichere Variante durch die kleinen, hübschen Städtchen und Dörfer. Und das ganze zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Soll konkret heißen: die Richtung ist annähernd dieselbe, aber eine andere Interpretation dessen, was musikalisch bisher zu Buche steht.
Stellenweise steckt auf jeden Fall der Pop in diesem Album. Songs wie „Breathing“ oder „It’s Over I Guess“, die in einem kurzen Aufblitzen an ruhige Nummern von Nova International denken lassen. Dann nimmt er wieder ein wenig zurück, setzt das Schlagzeug nur sehr minimalistisch ein, aber alles liebevoll arrangiert, begonnen bei den Streichern bis hin zum kleinsten Geräusch, das den Song für den Bruchteil einer Sekunde zerreißt. Und das Auffälligste und vielleicht auch auf eine ganz spezielle Art das Schönste: die Stimme Michael Kamms, die ganz im Gegensatz zu dem, was man von ihm gewohnt ist, geradezu unvollkommen wirkt, und dadurch überwältigend ehrlich.

Es scheint ja im Augenblick der Trend da zu sein zum Singer-Songwritertum. Und auch im musikalisch eher kleinen Land Österreich gibt es nennenswerte Vertreter dieser Zunft. Man denke an Ben Martin oder – und das mit allem Nachdruck – an Landscape Izuma.
Was Me und das Album „Lovebox“ betrifft, war man durchaus geneigt, sich an Monta zu erinnern, der uns allen als Kopf der – leider der Geschichte angehörenden – deutschen Band Miles ein Begriff sein sollte, und der vor etwas mehr als einem Jahr mit einem ganz ausgezeichneten Exemplar eines Soloalbums („Where Circles Begin“) aufgewartet hat. Und wenn man sich die Mühe macht, die Dimension dessen zu erfassen, wo darin die Parallelen zu Miles und wo die Unterschiede und neuen Ansätze liegen, all das dann auf Nova International und Michael Kamm ummünzt, kann man eine ungefähre, aber auch wirklich nur ganz vage Ahnung davon bekommen, was einen auf „Lovebox“ erwartet.

Wer Michael Kamm liebt (und das werden zu einem Großteil Frauen sein), dem wird mit dieser Platte die Möglichkeit eröffnet, einen anderen Michael Kamm kennenzulernen. Es ist und bleibt eine Frage des Geschmacks und des eigenen Anspruchs. Wenn man es erträgt, es mit einen Michi K. zu tun zu haben, der nicht ein blondes Bond-Girl besingt und Mädels vor dem Bildschirm zum Dahinschmelzen bringt, indem er durch die Stadt schlendert und mit kleinen Hunden spielt, sondern mit einem, der nachdenklich ist, tiefgründig und einem ehrlich das Herz auszuschütten scheint, dann ist man mit „Lovebox“ von Me sehr gut beraten. Und man wird Michael Kamm danach vielleicht noch mehr lieben, aber mit Sicherheit irgendwie anders. And that’s the fuckin’ truth.

Text: Andreas Stückler

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AutorInnen

Marco Weise

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