Das Leben in einer Wohngemeinschaft: Tomatensauce auf Klotür, Geschirrspülerticks, Haare in der Dusche, Bauernschneuzer, Putzpläne und Klopapierschwund. Und warum es doch auch nett sein kann.
Sonntagnachmittag in meiner Studenten-WG: Nach und nach klingelt es an der Tür, Freunde von mir und meinen Mitbewohnern kommen unerwartet vorbei. Gemütlich sitzen alle am Küchentisch, trinken Kaffee, rauchen Zigaretten, erzählen Geschichten. Irgendwann entscheiden wir uns spontan, dass wir doch gemeinsam kochen könnten, was dann auch gemacht wird. Aus diversen Lebensmitteln, die noch in der Küche herum schwirren, wird ein leckeres Gericht gezaubert und alle sind glücklich. So idyllisch kann WG-Leben ausschauen. Tut es auch. Manchmal. Ganz anders aber der normale Alltag.
Die Putzplanproblematik
Putzen in einer WG ist immer ein kritischer Punkt. Die meisten Menschen haben nämlich unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit. So war es zum Beispiel meiner ehemaligen Mitbewohnerin egal, dass sich am Kühlschrankboden die Blutsuppe ihrer toten Gans gesammelt hat, während sich bei mir Würgereiz breit machte. Besonders witzig war, dass es ihr nach meiner Rückkehr aus einem zweiwöchigem Urlaub anscheinend immer noch egal war. Das Blut war nämlich noch da. Eingetrocknet, aber da. Selbe Mitbewohnerin war es auch, die sich in der Dusche gern ihres Nasenschleims entledigte. Was gibt’s schöneres als Bauernschneutzer? Ganz einfach: Den Rotz dann auch noch dort lassen, wo er gelandet ist. Von solchen Problemen gequält entscheidet man sich irgendwann für einen Putzplan – widerwillig, denn eigentlich versteht man nicht, dass man nicht erwachsen genug sein kann, zu putzen, wenn es notwenig ist, und nicht, wenn es der Putzplan befiehlt. Aber was solls, wenn es nicht anders geht, muss man eben in den sauren Apfel beißen. Der Plan wird erstellt, zentral aufgehängt und erklärt. Schon in der ersten Woche wird er nicht eingehalten. In der zweiten noch weniger und an die dritte Woche mag ich gar nicht denken.
Die Einkaufsproblematik
Da Platz zum Problem werden kann und es anders auch unpraktisch wäre, gibt es in einer WG Dinge, die man sich teilt. Mehl, Salz, Zucker, Geschirrspültabs und Klopapier beispielsweise. Folgendes Szenario: Ich verlasse die WG für einen zweiwöchigen Aufenthalt im schönen Oberösterreich, in der Wohnung befindet sich noch eine Rolle Klopapier. Nach zwei (!) Wochen komme ich mit vier Menschen im Anhang in die Wohnung zurück – es ist Samstag Abend. Kein Klopapier da. Als ob das nicht genug wäre – meine persönlichen „secret stash“ Taschentücher sind auch weg. Jetzt meine Überlegung: Was hat mein Mitbewohner in den zwei Wochen gemacht mit einer (!) Rolle Klopapier? Das Problem ist – haha – zum Arsch auswischen. Ganz allgemein fühlt sich in meiner WG anscheinend keiner verantwortlich, Dinge, die ausgehen, (rechtzeitig) nachzukaufen.
Monksches-Verhalten
Dann gibt es noch das Probelm mit Eigenheiten. Davon hab ich zugegeben ein paar. Ich zucke zum Beispiel aus, wenn eine Gabel auch nur in die Nähe meiner teflonbeschichteten Pfanne oder Spezialtöpfe kommt und dann kann es schon passieren, dass ich den Übeltäter – nicht die Gabel, sondern den Menschen der an der Gabel hängt – lautstark beschimpfe. Wenn mir beim Geschirrspülereinräumen jemand in mein lang geprüftes und erprobtes Sortier-System pfuscht, kann ich es kaum ertragen und schlichte alles wieder um. Schon alleine die Vorstellung, von Tellern im Gläserkorb und Gläsern bei den Tellern beschert mir eine Gänsehaut. Danke Mama, diesen Tick habe ich von dir.
Und ja, vielleicht bin ich kleinkariert und pedantisch, aber ich steh eben drauf, wenn nach dem Kochen die Arbeitsfläche gleich abgewischt wird, und nicht drei Tage später die Tomatensauce noch immer überall in der Küche oder auf der Klotür pickt. Ich mag es, wenn das Geschirr nach dem Essen weggeräumt wird und vor allem liebe ich es, wenn jeder nach dem Duschen seine Haare aus dem Abflusssieb nimmt.
Alles in allem ist das WG-Leben nicht immer einfach, und so manches Mal wünsche ich mir, doch alleine Herrin der Wohnung zu sein, doch es gibt auch gute Dinge. Jemandem erzählen können, wie der Tag so war. Gemeinsam kochen. Gemeinsam lachen. Gemeinsam Kaffee trinken. Eine Zigarette teilen.
...Ich wollte immer eine Prinzessin sein, leider war nur mehr der Part der bösen Hexe frei....
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scheeeen....
....net nur da artikel, sondern a, dass du genauso a vertickter freak bist wie i ;-)
gfällt ma sehr guat, die marmeladenschuhenkolumne!
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