2010-05-31 13:06:52
Diese Ausgabe von Marmelade im Schuh beschäftigt sich mit den Städtern und ihrem möchtegern grünen Daumen. Philosophische Fragen der höchsten Stufe. Doch nicht zu früh freuen, sie liefert nur Vermutungen. Keine Antworten.
Ich schwöre: noch vor drei Jahren habe ich große Reden geschwungen, dass ich nicht nachvollziehen kann, was die Städter alle mit ihrem Verlangen nach einem Garten haben. Selbst in einem Haus mit Garten aufgewachsen, war es für mich nichts Besonderes eben so einen zu besitzen. Ganz im Gegenteil, meine zeitweiligen Pflichten am Abend Gemüsebeet und Blumen gießen zu müssen, machten mich zu einem Hasser. Pah, auf Himbeeren frisch von der Staude wollte ich leicht verzichten können, Salat aus dem Garten - ebenso. Paprika? Gibt's doch eh im Supermarkt. Warum sich also Jahr für Jahr aufs neue kasteien - denn Gartenarbeit abseits vom Bewässern kann sehr anstrengend sein - wenn's das Zeug sowieso so billig zu kaufen gibt? Den Sinn frischer Kräuter konnte ich nachvollziehen. Aber drinnen, nicht draußen. Wer will schon jedes mal beim Kochen raus in den Garten laufen müssen?
Und nun sitze ich hier, in meiner Wiener Altbauwohnung ohne Garten, ohne Balkon und freu mich riesig. Nicht weil ich keinen Garten hab, sondern weil die erste Blüte meiner Paprikapflanze aufgegangen ist. Sehr wohl, ich ziehe mir Paprika auf dem Fensterbrett. Und Cocktailtomaten. In einem anderen Topf hab ich auch noch Schnittlauch, Rosmarin und Monatserdbeeren. Basilikum war auch mal drinnen, aber dann hatte ich die Plage mit den Weißen Fliegen. Genauso mühsam wie Blattläuse, kann ich verraten. Billig ist das ganze überhaupt nicht, aber irgendwie macht es Spaß.
Ja, so schnell wendet sich das Blatt und aus meiner Freude nie wieder den elterlichen Garten spritzen zu müssen, wünsche ich mir auf einmal nichts mehr, als mein eigenes Gemüse anpflanzen zu können. Habe ich mich jahrelang verweigert mich auch nur irgendwelcher Blumenstöcke anzunehmen, erwische ich mich selber immer wieder Pflanzenforen nach neuen Tips zu durchsuchen.
Die Frage nach dem Warum kann ich immer noch nicht wirklich beantworten. Weil man immer das haben möchte, was man nicht kriegen kann? Oder vielleicht ist es einfach schön zu sehen, wie sich etwas Lebendes entwickelt und wächst. Vielleicht schmeckt das Essen besser wenn man weiß, wieviel Mühe man in die Aufzucht gesteckt hat. Vielleicht ist es einfach nur ein Ersatz um die biologisch tickende Uhr zu befriedigen. Vermutungen. Aber keine Antwort.
...Ich wollte immer eine Prinzessin sein, leider war nur mehr der Part der bösen Hexe frei....
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