2007-04-02 00:10:16
Manymusics ist eine neue Downloadplattform, die von Austrian Music Export umgesetzt wird. Wir haben Ulrike Kuner, Managing Director des österreichischen Musikexport- Büros und Peter Balon, Projektbetreuer der Downloadplattform, zum Gespräch über die Hintergründe von Manymusics gebeten.
FM5: Wie versucht ihr euch mit Manymusics am Markt zu positionieren?
Die Positionierung am Markt ist natürlich ein großes Thema, für uns aber im Moment nicht von primärer Relevanz, solange Manymusics in der Testphase ist, also als Beta-Version läuft. Bis 2006 werden die Grundkonzepte und Strategien umgesetzt sein, deren Ausarbeitung eine gewisse Vorlaufzeit benötigt. Das Kerngeschäft von Manymusics zielt jetzt nicht vorwiegend auf den Endkonsumenten ab, sondern die Strategie geht in Richtung Shop-in-Shop System, welche eine Strukturförderung für die österreichische Musikwirtschaft darstellen soll und kann. Daher ist die Positionierung am Markt hier eine andere Frage als bei Downloadplattformen à la I-Tunes.
FM5: Setzt ihr bewusst Werbeakzente? Welche werbemedialen Strategien verfolgt ihr?
Große Werbekampagnen machen wir natürlich noch nicht. Es geht derzeit darum, ein System anbieten zu können, das "hieb und stichfest" ist und ohne Fehler funktioniert.
FM5: Es gibt ja, wie bereits angesprochen, auch andere Plattformen. My CokeMusic oder I-Tunes. Seht ihr diese Plattformen als Konkurrenz oder gibt es wechselseitige Kooperationen?
Wir sehen sie überhaupt nicht als Konkurrenz, da hier eine grundlegende andere Ausrichtung besteht. Kooperationen sind nicht angedacht, da unsere Rolle am Markt nicht darauf abzielt, als Digital Distributor oder dergleichen aufzutreten und Content in Kooperation an diese Plattformen zu verkaufen. Unsere Plattform ist auch aus ganz anderen Gründen gemacht worden. Wir zielen nicht primär darauf ab, mit Manymusics einen Turnover zu schaffen, weil dieses Unterfangen nicht zu schaffen ist, vor allem nicht mit dem angebotenen Content. Manymusics ist ein Infrastrukturangebot für Labels - um diese auch zu entlasten.
FM5: Wieviele downloads hat Manymusics bisher erreicht?
Seit Jänner waren es ca. 2.500.
FM5: Im Internet gab es auch bereits vor Manymusics verschiedenste Musikplattformen. Was macht Manymusics einzigartig?
Manymusics ist von einer Organisation entwickelt worden, die nicht profitorientiert ist, die sich um die Leute auch kümmert. Das zeichnet die Plattform primär einmal aus. Wir sind für die Leute auch da, wenn sie z.B. ihre Musik am digitalen Markt anbieten wollen und dabei Hilfe brauchen. Unser Shop-in-Shop System ist natürlich nicht vollkommen neu. Das macht Finetunes in Deutschland beispielsweise auch. Generell ist jedes System der Vernetzung primär positiv zu bewerten. Die Möglichkeit, dass man sein Produkt über mehr Systeme verkaufen kann, ist ein wichtiger positiver Synergieeffekt und hilft letztendlich jedem.
FM5: Wie ist es zum Projekt Manymusics eigentlich gekommen?
Das Mica, unsere Mutterorganisation, war seit 2001 in einem europäischen Projekt namens "European Music Navigator" als Projektleiter tätig. Da ging es darum, eine Suchmaschine zu entwickeln, die spezielle Musikdatenbanken indiziert. Das wird auch im Moment fertig gestellt. Parallel zu dieser Arbeit wurde festgestellt, dass es in Norwegen, ebenfalls vom dortigen Musikinformationszentrum betrieben, eine nationale Downloadplattform gibt. Das war zu dieser Zeit einzigartig und weltweit natürlich völlig neu. Im Rahmenprogramm des Projekts "Culture 2000" wurde hier eine ähnliche Plattform geschaffen. Damit wurden die technischen Voraussetzungen geschaffen, dass österreichische independent labels aus allen Genres die Möglichkeit bekommen, hier einen online Vertriebs- und Promotionskanal zu öffnen.
FM5: Zukunftspläne? Was darf man sich im nächsten halben Jahr noch erwarten?
Wir haben im Betrieb grundlegende Fehler in der Konzeption entdeckt. Diese wollen wir im Moment ausbessern. Obwohl Fehler vielleicht das falsche Wort dafür ist. Vor drei Jahren hat man im Netz einfach noch anders gedacht, als man jetzt denkt. Daraus ergeben sich natürlich Probleme. Gerade im Business to Business Sektor ist das wichtig. Wir sind ja doch eher "wirtschaftsfördernd" ausgelegt. In diesem Sinne werden wir im Bereich Business to Business noch Applikationen ausbauen und entwickeln. Im Jahr 2006 sollen dann auch noch mehr paymentoptions möglich sind.
FM5: Inwiefern hängt Manymusics nun genau mit dem Mica und dem Musikexport zusammen?
Austrian Music Export gibt es seit Anfang des Jahres. Das Projekt Manymusics wurde uns vom Mica übergeben. Manymusics ist derzeit eines der Hauptprojekte beim Musikexport.
FM5: Wenn ich aus persönlichem Interesse noch ein wenig abschweifen darf? Da wir bereits über den Musikexport reden: Was ist der von euch betriebene "European Tour Support"?
Der European Tour Support ist eines der Projekte des zweijährigen Projekts European Music Platform. Das ist in dem Sinne keine Kultur- sondern eine Wirtschaftsförderung. Hierbei gilt es Wirtschaftscluster zu bilden. Der Tourmanager und das Label müssen sich zusammentun. Mit dem Künstler und der Künstlerin wollen wir ins Ausland gehen. So erhalten sie bis zu 25 Prozent Unterstützung, die für eine Promo- und Konzerttournee anfallen. Die Tour muss dann in mindestens 4 Länder in mindestens 4 Monaten führen. Insgesamt müssen mindestens 8 Konzerte gespielt werden. Alle Beteiligten müssen ihre Leistungen darstellen. Es muss ein Marketingplan erstellt werden und alles was dazugehört. Es geht wirklich darum, einen wirtschaftlichen Erfolg, zunächst mal auf dem Papier, aber dann natürlich auch hinterher, nachweisen zu können.
FM5: Hinter Manymusics steckt eine Firma. Wie lukrativ ist es Österreichs Musik zu exportieren?
Was heißt lukrativ in diesem Zusammenhang? Es ist zunächst einmal extrem interessant und stößt auf viele positive Reaktionen. Wir sind beispielsweise auf der Expo mit Volksmusik vertreten, die live jeden Tag im Pavillon gespielt wird. Wir machen in Berlin ein Festival mit lauter Newcomern aus Österreich, mit 23 Künstlern und Künstlerinnen aus fünf verschiedenen Genres. Auch hier erfahren wir wirklich ein ganz großes Interesse. Wir hatten gerade drei DJs in Ohio bei der "Langen Nacht der Musik". Auch der Uwe Walkner hat gesagt, dass diese Musik drüben noch gar nicht gehört wurde. Musik aus Österreich wird als extrem interessant empfunden.
Mein persönlicher Eindruck ist, wie Ulrike schon sagte, dass es leichter ist Musik zu "exportieren", die aus einem Markt kommt, der noch nicht übersättigt ist. Es gibt bestimmte Bands, die es auch in einem anderen Land 3.000 Mal gibt. Aber bei Bands wie Gustav oder Attwenger, die etwas ganz Eigenständiges haben, ist es viel leichter. Da ist das Interesse viel größer. Nicht internationaler Mainstream, sondern die kleine erfolgreiche Nische kommt an.
Generell haben es Österreicher nicht so leicht etwas zu erreichen. Gerade am deutschen Markt ist es irrsinnig schwierig. In Österreich selber sind gewisse Voraussetzungen und Rahmenbedingungen einfach nicht so gegeben und genau da versuchen wir anzusetzen und der österreichischen Musikwirtschaft Tools
anzubieten, mit denen sie arbeiten können.
FM5 dankt für das Gespräch!
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
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