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musik

Manson, Beverly Hills und die Schweden

2007-04-02 00:12:00

Am zweiten Festivaltag wagen sich abermals 1000e Rockpilger ins Burgenland, um diesmal dem Brunftschrei Marilyn Manson´s zu folgen.

Am zweiten Festivaltag wagen sich abermals 1000e Rockpilger ins Burgenland, um diesmal dem Brunftschrei Marilyn Manson´s zu folgen.
 
7000 Euro Stroh
Die Schlammschlacht des von Regen und Kälte gepeinigten Eröffnungstages hat dank eines milde gestimmten Petrus und 7000 Euro schweren Strohladungen, die als Dämpfer zwischen Schuhwerk und Gatschboden dienen, ein Ende gefunden. 
Bereits bei unserem nachmittäglichen Eintreffen schwanken uns vermeintlich hart gesottene, von Schlechtwetter und Alkohol gezeichnete Camper entgegen, während sich auf der Bühne die ersten Bands um Aufmerksamkeit mühen.  
 
Die Schweden kommen
Das großteils sehr junge Publikum findet sich erst beginnend mit der schwedischen Delegation, verkörpert von The (International) Noise Conspiracy und Mando Diao vor der Bühne ein.
 
The (International) Noise Conspiracy-Frontman Dennis Lyxzén
 
The (International) Noise Conspiracy verkünden ihre politischen Botschaften im Punkrock-Gewand und heizen kräftig ein. Sänger Dennis Lyxzén fegt energetisch über die Bühne, erklimmt Verstärkertürme, wirft sich ins Publikum und nutzt die Bühnen dieser Welt gerne als Forum für seine kapitalismuskritischen Parolen  a la „Capitalism Stole My Virginity“.
 
Björn Dixgård (Mando Diao)
 
Ihre schwedischen Landsmannen von Mando Diao tun es ihnen musikalisch gleich und treiben die Stimmung trotz noch vorhandenem (wenn auch wolkengedämpftem) Tageslicht ordentlich voran. Die Band liefert eine perfekte Rockshow, die in erster Linie vom euphorischen Gesangs- und Gitarrenduell der beiden Frontmen Gustaf Norén und Björn Dixgård lebt. Mit im Gepäck sind natürlich Klassesongs wie „Down In The Past“, „Mr. Moon“ oder „God Knows“, Mando Diao hätten sich eine längere und später angesetzte Spielzeit durchaus verdient.
 
"Beverly Hills, That's Where I Want To Be"
Rivers Cuomo mit Anorak und Hornbrille
 
Nach und nach strömen die Massen in Richtung Bühne, denn wegen ihnen haben viele den Weg in die Pannonische Tiefebene gewagt: Weezer, die allseits beliebten Alternative-Rocker aus Kalifornien. Ein Zufall, dass sich gerade bei ihrem Auftritt die Sonne aus ihrem Wolkenversteck herauswagt? Mit scheuem Blick, den er stets hinter seiner schwarzen Hornbrille versteckt, betritt Frontman Rivers Cuomo mit seinen Mannen die Bühne und stimmt beinahe lethargisch den ersten Song an. Mit diesem Auftreten verstärkt er noch sein musterschülerhaftes Aussehen, umso effektvoller kommen die druckvollen und stromgitarren-getriebenen Refrains zur Geltung. Von den älteren Werken „Buddy Holly“, „Island In The Sun“ und „Hash Pipe“ bis zu neuen Schöpfungen wie „Beverly Hills“ gibt es fast keine Weezer-Nummer, die nicht mitsingbar wäre. Ein Fakt, der sich im bestens gelaunten Publikum widerspiegelt.
 
Von Musterschüler Cuomo zu Alptraumschwiegersohn Marylin Manson
 
 
Als endlich die Dunkelheit hereingebrochen ist und Kunstnebelschwaden von der Bühne wehen, ist die Zeit reif für ein wenig Manson´sche Horrorshow. Um es gleich vorweg zu nehmen, den Horror hat Manson weitgehend daheim gelassen und beschränkt sich auf grimmige Grimassen, etwas Wassergespucke und ein auf einem Holzgalgen positioniertes Keyboard. Mit seinem grellen Make-Up, langem schwarzen Rock und darunter hervorragendem Bäuchlein wirkt Herr Manson mehr wie eine Schwangere auf Speed, denn kinderfressender Fürst der Finsternis.
 
 
 Mister Manson schreit sich die Seele aus dem Leib
 
Auch wenn die herbe Musikmischung aus Metal, Gothik und Glamrock präzise rüberkommt, lebt die Show zum Großteil von reichlich Lichteffekten und Kostümen, was das Ganze zu einer Art Rocktheater werden lässt. Von Manson´s Make-Up über die opulent kostümierten Musiker bis zur riesenhaften Videowall, auf derer Texte, Bilder und matrixartiger Lichtregen flimmern, ist alles perfekt durchgestylt. Das Songrepertoire streckt sich von Manson-Klassikern wie „The Dope Show“, „The Beautiful People“ zu den genial-bizarren Coverversionen des Eurythmics-Klassikers „Sweet Dreams“ und der Depeche Mode-Hymne „Personal Jesus“. Etwas schade war, dass es bedingt durch das dichte Programm keine Zeit für Zugaben gab und das Konzert  sehr abrupt beendet wurde. 
 
Wie die Faust auf´s Auge darf nach vollbrachter Mansonshow die selbstdefinierte „beste Band der Welt“ Die Ärzte den mannigfaltigen zweiten Nova Rock-Tag bis tief in die Nacht hinein finalisieren.
 
All images/photos: copyright by Stephan Brueckler

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