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musik

Mando Diao im Interview

2007-04-02 00:13:44

Samstag, 26.2.2005, sieben Stunden vor dem Konzert im Wiener „Flex“, findet sich FM5 im Hotel de France wieder, um die Jungs von Mando Diao ein wenig über ihren seelischen Zustand so kurz vor dem Gig „auszufratscheln“.

„A piece of Heaven“ – a GLIMT

Als wir die „Suite“ betraten, war die Luft vernebelt. Es roch nach Rauch und Kaffee und am Tisch lagen angebissene Sandwiches. Es war recht ruhig im Raum- kein Wunder, da Mando Diao, bestehend aus Björn (Singer-Songwriter, guitars), Gustaf (Singer-Songwriter, guitars), Carl-Johan (bass), Samuel (drums) und Mats Björke (keyboarder), erst um 5 Uhr morgens von München nach Wien gefahren sind. Bei einem so harten Tourleben braucht man natürlich Kaffee en masse, den die Skandinavier meist aus Schweden mitnehmen, weil es dort angeblich den „besten Kaffee“ gibt. Mit dem österreichischen Kaffee hingegen waren sie, bei Gott, nicht zufrieden („It tastes like a rag!“). Trotzdem freuten sich schon alle sehr auf das Konzert am Abend, auf dem von ihrer Nachnittags-Müdigkeit dann auch nichts mehr zu spüren war.

Jeder Gig ist ein Spiel 

Obwohl „Mando Diao“ die Lieder der neuen CD „Hurricane Bar“ bevorzugen, weil sie einfach „fresh“ und aktuell sind, spielten sie am Konzert fast doppelt so viele alte Stücke wie neue, da die Menge bei altbekannten Songs erst so richtig abging und die Mando Diaos ja „die beste Live-Band der Welt sein“ wollen - nein, am liebsten überhaupt die beste Band. Das erwähnten sie aber so nebenbei, dass keine Spur von Arroganz den Luftraum zwischen uns und ihnen auch nur ansatzweise durchzog. Ihre Texte handeln vom täglichen Leben, um, wie sie sagen, dem Hörer ein wenig aus dem Herz sprechen zu können. Wie es denn möglich sei, so von weltlichen, täglichen Dingen, von Liebe und Hass zu schreiben, wenn man wie die Jungs every day auf Tour ist? „Natürlich können wir Liebe und Hass spüren, am intensivsten fühlen wir es auf der Bühne, wenn wir die Menschen mit unserer Musik berühren- sei es jetzt in positiver oder negativer Hinsicht, das tut nichts zur Sache. Das ist unsere Aufgabe als Live-Band, die Menschen zum Mitspringen und -singen zu bewegen, Distanzen abzubauen. Und wenn man vom Publikum nur einen halben Meter entfernt ist, verschmilzt man fast mit ihm. Wir sehen unsere Gigs fast wie ein Spiel- wir heizen dem Publikum ein und schauen, wie es reagiert. Ohne Publikum wären wir nichts, wir können nur wirklich aus uns herausgehen, wenn wir ein gutes Feedback bekommen. Wenn die Zuschauer motiviert sind, wachsen wir über uns hinaus und spielen so gut, wie wir ohne sie gar nicht spielen könnten. Die Hörer geben uns so viel Energie. Unsere Live-Shows sind das, worauf wir unsere Karriere aufgebaut haben, wir sind ehrliche Menschen und wenn wir einen Song nur im Studio spielen könnten, dann wäre das eine ziemliche Katastrophe für uns!“

„Wir leben von und für Musik!“ 

Natürlich gibt es auch Momente, in denen die Skandinavier einfach nur heimfahren möchten - heim zu ihren Freundinnen und Freunden, heim zum leckeren Kaffee und zur Familie - oder wenn das Spielen auf den Instrumenten wieder einmal schmerzhafte Spuren hinterlässt (Samuel zeigte uns seine Hände, die voller aufgeplatzter Blasen sind). Aber es gibt auch Momente „die sich wie ein Stückchen vom Himmel anfühlen, wenn man in der Musik versinkt und einfach glücklich ist. Wenn man in so einem Augenblick jemanden aus der Band ansieht und weiß – yeah, der Mensch denkt genau das Selbe, dann spürt man dieses feste Band- die Verbundenheit und Nähe, man weiß, dass die Augen des anderen auch glitzern und ist sich in dem speziellen Moment bewusst, was man alles erreicht hat.“ Um dieses Ziel zu erreichen, musste die Band sehr hart arbeiten. Mando Diao wäre es viel zu kostbar wegen irgendeinem Streit alles hinzuschmeißen, sie nehmen ihre Sache sehr ernst und sind sich bewusst, dass ohne harte Arbeit, ohne Rücksichtnahme und ohne Ehrgeiz ein Bandleben, so wie sie es leben, nicht möglich wäre. Zu Streits kommt es selten, da die Jungs ein sehr intensives Verhältnis zueinander haben und wissen, wann sie den anderen in Ruhe lassen müssen. „3 Stunden intensives Musizieren ist das Gleiche wie drei Tage und Nächte mit einer Person zusammen zu sein- du lernst dich verdammt gut kennen.“

Es ist logisch, dass sie sich bei keinem Bandmitglied melden, wenn sie einmal wieder in Borlänge sind - einfach um Abstand zu gewinnen. „Eine Band ist ein 24 Stunden Job, du denkst die ganze Zeit über sie nach und grübelst nach über neue Ideen, auch wenn du nicht gerade mit den anderen zusammen bist.“ - doch spätestens nach ein paar Tagen treibt sie die Sehnsucht zurück zur Musik und es muss wieder ein Gig gespielt werden, denn einen Proberaum haben die Burschen nicht, ihre Proben sind ihre Live-Auftritte und wenn sie wirklich etwas Neues einstudieren wollen, dann machen sie das beim Soundcheck. „Es ist sehr leicht zusammen zu spielen, da wir uns so gut kennen. Wir haben den gleichen Musikgeschmack und musikalischen Hintergrund, das einzige was wir wollen, ist Musik machen – dafür leben wir, und das war auch schon vor der Band so.“

Der Erfolg ist den Mittzwanzigern noch nicht über den Kopf gewachsen. „Erfolg ist eigentlich nichts über das wir nachdenken. Wir spielen jeden Tag unsere Gigs und haben Freude daran, unsere Berühmtheit fällt uns nur dann auf, wenn wieder einmal unsere Freunde sagen, wie toll es sei, dass wir mit dem, was wir so gerne machen, so erfolgreich sind. Und dann hältst du auch einmal kurz inne und denkst dir: Ja, stimmt, eigentlich ist das alles eine verdammt coole Sache!“

 

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AutorInnen

Manuela Posch

Manuela Posch

Steirerin, 25 Jahre, seit nunmehr 6 Jahren in Wien, studiere Publizistik und schreibe bei FM5 für Musik. Zu finden bin ich bei kleinen und großen netten Konzerten und anderen alternativen Locations.

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