2008-06-30 13:47:24
Brutale Kunst, schöne Filme; das Werk von Derek Jarman ist umfangreich. Mit der Ausstellung "Derek Jarman. Brutal Beauty" in der Kunsthalle wien wird dem Künstler eine Hommage gesetzt.
Derek Jarman zählt zu den wichtigsten Vertretern des britischen Independentfilms. Mit Experimentalfilmen wie Caravaggio, Blue und Edward II machte sich der Künstler im öffentlichen Raum einen Namen. Doch zu seinen Arbeiten zählen nicht nur Filme, er experimentierte in der Malerei und schrieb eigene Texte. Jarman arbeitete genreübergreifend, der autobiografische Einfluss ist nicht zu übersehen.
Brutale Schönheit
Die Ausstellung Derek Jarman. Brutal Beauty kuratiert von Isaac Julien gibt einen kleinen Einblick in das Werk Jarmans. Film und bildende Kunst werden miteinander verbunden und zu einem exemplarischen Beispiel für postmoderne Kunst verwandelt. Die Grenze zwischen Brutalität und Schönheit verschwindet, in Jarmans Arbeiten wird der Ästhetik eine neue Dimension zugeordnet.
Gleich zu Beginn des Rundgangs um Jarmans Werk wird das Leben des Künstlers in Isaac Juliens Film Derek portraitiert. Das filmische Portrait liegt einem Interview zugrunde, das vier Jahre vor seinem Tod mit Derek Jarman geführt wurde. Tilda Swinton, die in einem Großteil von Jarmans Filmen wie Caravaggio oder The Last Of England mitgewirkt hat, hat in dieser Dokumentation die Funktion der Erzählerin inne. Die Schauspielerin war einst Jarmans Muse. "Derek Jarman war eine Gegenkraft, aber von innen, aus dem Herz der Kultur heraus." (Tilda Swinton) Die enge Beziehung zwischen den beiden wird durch jenen Brief verdeutlicht, den Swinton dem Künstler nach seinem Tod schrieb. Auszugsweise erfährt man in Derek die Gedanken der Schauspielerin zu dem Phänomen Jarman und seinem allmählichen in Vergessenheit Geraten.
Die folgenden Teile von Derek Jarman. Brutal Beauty zeigen des eigentliche Werk des Künstlers. Auch wenn nicht alles direkt aus Jarmans Hand stammt, so hat Kurator Julien eine gute Auswahl getroffen. Das Environment It Happend by Chance Redux zeigt auf zehn Bildschirmen verschiedene Super-8-Filme, die Jarman zwischen 1970 bis 1983 drehte. Hier ist die Bildsprache vorrangig, tonlos werden die Filme gemalt. Die eigene Geschichte und Alltägliches wurden von dem Künstler als Anstoß genommen und durch verschiedene filmtechnische Mittel miteinander verbunden.
Treibholz, Strandgut und Blumen auf Collagen mit Teer und schwarzer Farbe überzogen, zeigen, dass dem irdischen Dasein irgendwann ein Ende gesetzt wird. Den Black Paintings hängen die Bed Paintings
gegenüber. Durchgelegene Matratzen sind mit Stacheldraht und vergilbten Büchern geschmückt. In diesen Collagen verdichten sich Utopien zum gesellschaftlichen Umgang mit Homosexuellen und die Realität. Besonders dominant ist die Farbe schwarz.
"The black paint is like the universe. Black is the colour that binds the universe: it is all infinity: the void that binds everything." (Derek Jarman)
I’m blue
Als Derek Jarman 1986 von seiner Infektion mit dem HIV-Virus erfuhr, änderte sich auch sein Werk. Mit den Themen HIV und AIDS wurde der Künstler in seinem Freundeskreis schon vor der eigenen Erkrankung konfrontiert. Die Diagnose brachte ein großes Engagement Jarmans in der Homosexuellenbewegung mit sich. Das Thema Aids bekam in seinen Arbeiten einen unmittelbaren Stellenwert.
Der Film Blue, der ein Jahr vor seinem Tod entstand, wird zu einem persönlichen Manifest. Der Künstler stand kurz vor dem Erblinden, zeigte eigene Erfahrungen aus seiner Sicht. Die Bildebene besteht aus blau eingefärbtem Filmmaterial, dem IKB (Internationales Klein Blau). Somit wird der Film zu einer Hommage an den französischen Maler Yves Klein. Das Bild bleibt unverändert, ab und zu wandert ein heller Kegel über die Fläche. Mit der Tonspur wird ein poetischer Erfahrungsbericht Jarmans über seine Erlebnisse mit der Erkrankung verarbeitet.
Derek Jarman. Brutal Beauty gibt Einsicht in das stark autobiografische Werk des Künstlers Derek Jarman, der der breiten Masse wahrscheinlich nur als Filmemacher bekannt ist. Ein Schritt um das kollektive Gedächtnis aufzuwecken und Derek Jarmans Werk vor dem Vergessen zu bewahren.
Die Ausstellung Derek Jarman. Brutal Beauty ist noch bis zum 5. Oktober 2008 in der KUNSTHALLE wien zu sehen.
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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