2007-04-02 00:13:29
Der Ursprung des Films liegt auf den Brettern, die den Zirkus bedeuteten. Die Schnittstelle zwischen Zauberei und Film, inspirierte die Filmschaffenden immer wieder… und in naher Zukunft mehr denn je.
Als in der vor wenigen Wochen in Österreich gestarteten Filmbiografie „Klimt“, der Filmemacher Georges Méliès als Schlüsselfigur auftrat, war seine Funktion eher die eines Illusionisten, der die Grenze zwischen Schein und Sein aufhebt. Der echte Méliès war, bevor er mit Werken wie „Le Voyage dans la lune“ zum Filmpionier wurde, ein Zauberer und Artist. Es erscheint wie eine Vorsehung, dass einer der ersten großen Künstler des Films, seine eigentliche Heimat in der Magie hatte.
Wenn die Magie zurückkehrt
Immer wieder wird von der Magie der Leinwand gesprochen, dem Zauber eines Filmes. Im Grunde wird dabei immer wieder die Möglichkeit der Versetzung in eine andere fremde Welt angesprochen. Natürlich war der Film nicht das erste Medium, das solcherlei zuwege brachte. Ob Passionsspiele im Mittelalter oder masques beziehungsweise Mysterienspiele vom 16. bis ins 18. Jahrhundert hinein, alle wussten sie ihr Publikum durch Farbenpracht und riesigen Aufwand zu begeistern.
Im Film scheint der Nachfolger gefunden. Wo Mozarts „Zauberflöte“ zum Höhepunkt des doppelbödigen Spiels mit Intelligenz und Staunen wurde, so schien Méliès mit seiner „Reise zum Mond“ dergleichen auch für die Filmzuseher der Welt geschaffen zu haben. Doch eine Kunst, die sich in seinen Anfangstagen befindet, ist noch nicht in der Lage, zu solch ausgereiften Werken, wie einst die „Zauberflöte“. Ein derartiges Werk in den Anfangstagen des Mysterienspiels oder der Oper? Undenkbar. Nach diesem Muster funktionieren auch die immer wieder auftauchenden Fantasy-Spektakel. Von „King Kong“ zu „Der Herr der Ringe“, es ist der Glaube an eine phantastische Welt, in der alles möglich ist, die den Menschen ihre Zerstreuung verleiht.
Kino als Jahrmarktattraktion
Dieser Schluss ist nicht neu und hat seit den Kindheitstagen des Kinos – siehe Méliès – seine Gültigkeit. Doch wird dabei auf einen Faktor vergessen: Die Abkehr vom „Handwerk“ des Magiers. Eine Tendenz, an die sich die Filmemacher in den USA wieder zu erinnern scheinen. Schließlich wurde bislang erst ein einziges Mal das Leben eines wahren Zauberers porträtiert.
1953 spielte Tony Curtis in einer sehr freien Bearbeitung den Entfesselungskünstler Harry Houdini in dem gleichnamigen Film. Solange aber noch Magier wie David Copperfield ihre ausverkauften Shows in der ganzen Welt präsentieren, solange gibt es auch die Möglichkeit, deren Wirken in der Welt darzustellen.
Wie eine eigenwillige Welle rollt deshalb der „Magier-Film“ auf die Kinos zu. Wobei eines klar ersichtlich wird: Die Darstellung der Zauberei, wird in einen zeitlichen Rahmen gelegt, der mit großen Umwälzungen verbunden und vor allem chronologisch sehr weit von der Gegenwart entfernt ist.
Willkommen in der Aufklärung
Allesamt im 19. Jahrhundert angesiedelt, spielen drei Filme. Sie befinden sich in Produktion und tragen – prominent besetzt – allesamt zur Desillusionierung der Methoden des Berufsstandes bei.
So darf Edward Norton („25 Stunden“) in „The Illusionist“ – basierend auf der Kurzgeschichte „Eisenheim the Illusionist“ von Steven Millhauser – einen Magier spielen, der sich in die Wirren des Wiener Hoflebens verirrt und dort mit seinen Tricks unter anderem den Kronprinzen Leopold verärgert. Der von Norton dargestellte Eisenheim – unter der Regie von Independent-Regisseur Neil Burger („Interview with the Assassin“) – soll von dem Chefermittler Uhl (Paul Giamatti – „Sideways“) seiner Tricks überführt werden. „The Illusionist“, könnte somit ein Film über die Macht der Magie und die Möglichkeit die Menschen zu faszinieren sein.
Auf einer ganz anderen Ebene wird Christopher Nolans „The Prestige“ arbeiten. Basierend auf dem Roman von Christopher Priest, ist das im viktorianischen England angesiedelte Drama eine Erzählung rund um den Kampf zweier Rivalen. Die beiden Bühnenzauberer Alfred Bordan (Christian Bale – „Batman Begins“) und Rupert Angier (Hugh Jackman – „X-Men“), kämpfen um den Erhalt einiger Tricks, die ihr Geschäft lukrativer gestalten könnten. Mittendrin wird auch noch der serbische Erfinder Nikola Tesla – gespielt von David Bowie – einen Auftritt haben und somit ebenfalls eine Ahnung von der damaligen Ära vermitteln, die vom Enthusiasmus der Aufklärung erfüllt war.
Houdini darf nicht fehlen
In solch einem Projektestrudel, darf natürlich eine neue Houdini-Biografie nicht fehlen und tatsächlich wird wohl Guy Pearce („Memento“) noch in diesem Jahr vor die Kamera treten und in „Death Defying Acts“, das mysteriöse Ableben des Entfesselungskünstlers zu Beginn des 20. Jahrhunderts porträtieren.
Diese Biografie erscheint dabei allerdings nur noch wie eine – den Produktionsprozessen Hollywoods entsprechende – Abrundung eines kleinen feinen „Trends“. Eine Vertiefung des „Magier-Films“ in den nächsten Jahren wird wohl kaum zu erwarten sein, lenkt aber den Fokus wieder auf die grundlegenden verbindenden Elemente von Film und Zauberei.
Verzaubertes Publikum
Wie schon gesagt, war der Film nicht die erste Stätte der Verzauberung, doch bietet sie sich im Augenblick als dankbarer Ort der Eigenreflexion an. Wo sonst, wenn nicht im Kino – mit seinem Streben nach immer größerem Spektakel und Staunen – wäre es akkurat, die Geschichte des Zaubererstandes aus historischer Sicht zu erzählen?
Im Jahre 1983 geboren in der Steiermark, führte mich mein Weg über einen Zwischenstopp in Graz zum Studium nach Wien. Die meiste Zeit verbringe ich dennoch im Kino und ich würde lügen würde ich die Freude an dieser Beschäftigung bestreiten.
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