2008-02-07 18:33:57
Hype aus der Alpenrepublik. Nein, nicht (schon wieder) Falco. Madita, die neue alte Indie-Pop Hoffnung aus Wien mit serbischen Wurzeln, versucht mit ihrem frischen Longplayer 'Too' erneut die Herzen der eher skeptischen Österreicher zu gewinnen.
Obwohl ihr selbsternanntes Debütalbum aus dem Jahr 2005 von den heimischen Kritikern gelobt wurde, blieb der große Erfolg aus.
In Österreich wohlgemerkt, wo es heimische Künstler immer etwas schwerer haben als anderswo.
Zu wenig Werbung? Viel zu scheu für die bunten Klatschblätter?
Keine Skandale, um die mediale Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, oder doch mangelndes musikalisches Talent?
Letztes kann man ihr wirklich nicht absprechen, denn das was sie macht, macht sie absolut hervorragend. Mittels digitaler Revolution, beziehungsweise legalen Online-Downloadstores, schafften es die Songs trotzdem von einer großen Zuhörerschafft gehört zu werden. Sie gingen über den großen Teich, wurden unentwegt populärer und kletterten die Charts brav hinauf. In der heutigen Zeit muss es ja nicht immer der normale 0815-Siegeszug sein.
High Society? Bitte draußen bleiben
Madita ist nicht auf den Kopf gefallen.
Sie weiß was sie will und wohin es gehen soll. Die heimische Yellow Press lässt sie bewusst aus, ihre Musik soll sich dadurch nicht verwässern.
Der erste Eindruck stimmt soweit. Süffisant prickelnder Pop, wie ihn auch Feist zelebriert, leichte Elektronik, mit der Kylie ihre Songs aufpeppt und anschließend in die Charts schießt, oder anspruchsvolle, jazzige Arrangements, wie auch Rebekka Bakken sie zu benutzen weiß. Eine angenehme Stimme und ein großes Maß an Homogenität ziehen sich durch die insgesamt dreizehn Songs. Alle haben was gemein: Sie drängen sich nicht auf. Ganz ohne Plattitüden und Oberflächlichkeiten versprühen sie jede Menge Anziehungskraft.
Der funky Opener Better Brother kann ein Lied davon singen, ebenso der nachfolgende, mit weiblichem Liebreiz angereicherte Song Deep Down, eine glamourös funkelnde Charme-Bombe. Anders Love Is... mit seinen zarten Keyboardtupfern, das sich schüchtern und verletzt gibt.
Das spartanisch betitelte, im sanften Zigarettenrauch aufsteigende You röhrt mit Nu-Jazz Extravaganza, und lässt Madita als Diva glänzen. Inklusive Big Band im Rücken, Showtreppchen, sexy Paillettenkleid und hohen Absätzen. Obwohl diese Rolle für sie zu groß erscheint, sitzt und passt dennoch alles wie angegossen, nichts kratzt oder kneift. Karma weiß mittels klassischen Streichern und einer gekonnten Steigerung zum dramatischen Höhepunkt zu gelangen. Because, der Hit mit der markanten Pianoschleife, gerät bei näherer Betrachtung noch stärker.
Sense ist süssliches Soufflé, das die Hitdichte aufrecht erhält.
Set yourself on fire
Madita präsentiert handfestes, anspruchsvolles Songwriting, wie es selten aus Österreich zu hören ist. Manchmal erinnern die dunklen, melancholischen Augenblicke ihrer Songs an die ehemaligen Britpopper von Suede. Anderswo stampft der Elektrobeat auf distinguierter Tanzfläche zu lasziver Stimme wie im angesagtesten Szeneclub, etwa in 5, einem leichten Elektro-Dance-Ruck mit Reminiszenz an Georg Hoats’ Hit I Wear My Sunglasses At Night. Auch für das kuschelige Zuhause ist Too sehr zu empfehlen, das mit Shiver oder dem Album-Abschluss Supertight wohlige Wärme in dein Nest zaubern kann. Ausfälle gibt es so gut wie keine, hier und da tummeln sich wenngleich mittelprächtige Songs wie September oder Fragile.
Organische Instrumente gehen mit dezenter Synthetik eine wundervoll verführerische Liaison ein. Stil + Coolness werden mit einem großen Löffel gegessen. Die stille Anerkennung für Madita kann also getrost verabschiedet werden.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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