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MORD ist ihr Hobby

2008-01-24 20:50:48

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  • live Gregor mord
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  • live mord chelsea
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Meine Damen und Herren, setzen Sie sich bequem hin, denn der folgende Text wird ausführlich. Aber wir haben Vertrauen in Sie; zeigen Sie uns, dass sie von der allgemein praktizierten Kurzatmigkeit des Internetzes noch nicht verdorben worden sind.

Mord, auch mord, MORD oder, auf last.fm, Mord*, das kann man vielerorts lesen, sind eine Linzer Band. Andere wiederum schreiben: Eine Wiener Band. Stimmt beides nicht so ganz, wie ein Auszug aus dem Interview vor dem Konzert am 17. Jänner im Chelsea zeigt:
 
Mitterklaus: Das sollte man vielleicht einmal klären. Wenn, dann sind es oberösterreichische Wurzeln. Es war eigentlich nie eine Linzer Band, obwohl wir versehentlich so niedergeschrieben worden sind…
Tischberger Gregor: Wir proben manchmal in Linz.
Mitter: Eigentlich waren wir sehr bald zwischen Oberösterreich und Wien, und jetzt ist es de facto Wien. Das war nie so wirklich ein Thema, weil die Szenen in Wien sind ja quasi inexistent, oder nicht so hart, und die Linzer Szene, die als Gefüge schon existiert, war auch nie ein Thema, weil wir da auch nicht drin waren, und den Kontakt auch nicht gesucht haben. Die einen schreiben halt „Linzer Band“, und da hast du automatisch dieses Szene-Ding und alles, was bei den Linzern halt so mitschwingt.
Bob: Mit Linz haben wir eigentlich nie was zu tun gehabt.
 
Es folgt Uneinigkeit innerhalb der Band, wie gut oder böse Linz ist. Ich werfe ihnen noch schnell vor, dass die Wahl ihres Bandnamens nicht sehr global gedacht gewesen sei, schließlich gäbe es schon vier andere Bands, die sich nach Homizid benannt hätten.

Die Zahl wird kollektiv bezweifelt, man fügt aber hinzu, dass es sich um die Initialen zweier Gründungsmitglieder handle. Ja, richtig. So gesehen eigentlich eh offensichtlich. Wobei man, folge man dieser Überlegung konsequent weiter, angesichts des jüngsten Mitgliedes eigentlich noch ein G oder T anhängen müsste. Mordt, auch nicht schlecht, hat was.
Von wegen wachsender Besetzung, da muss ausgeholt werden, und zwar bis zum Anfang. Ist eigentlich ohnehin die gängigere Art, etwas zu erzählen.
 
Bob: Angefangen hat’s mit Martin, Ralph und mir, bei einem Fest in einem Swimmingpool haben wir da gespielt… und nach eineinhalb Jahren ist der Klaus eingestiegen – hat beim Konzert ganz spontan mitgespielt – und nach einem weiteren circa halben Jahr ist dann der Gregor eingestiegen und ist seitdem auch fix dabei. Das ist jetzt alles Jahre her natürlich…
Walkobinger Ralph: Der Gregor war ja ursprünglich ein Fan.
Mitter: Dass wir das vielleicht für alle Leser so sagen, dass man’s als Fan auch weit bringen kann! Das ist keine Sackgasse, das kann man überwinden.
Tischberger: Ich hab tatsächlich mein erstes Mord-Konzert im Tüwi gesehen und war vollkommen begeistert von dieser argen Musik.

FM5: Könnts ihr mir eine Jahreszahl auch geben?


Tischberger
: Das war vor mittlerweile fünf bis sechs Jahren. Ich glaub das war Winter 2002.
Walkobinger: Du hast auch ein Interview gemacht!
Tischberger: Nein.
Walkobinger: Oder was geschrieben.
Tischberger: Ja, später dann. Da haben wir zwei Konzerte mit My Friend Dave, meiner alten Band, gespielt, und dann bin ich adoptiert worden. Vom Martin, für Mord.
Walkobinger: Wir haben ihn gekauft.

FM5: Für wieviel?


Walkobinger
: Ist relativ günstig hergegangen.
Mitter: Er muss heute noch Bobs Bus waschen!

FM5: Spielt’s ihr Fußball auch?


Mitter
: Ganz und gar nicht.
Tischberger: Wir raufen manchmal.
 
Das bandinterne Raufen ist ja allerspätestens seit den Libertines salonfähig geworden. Auf der Bühne wird ganz schön gerempelt, aber keine Sorge, auch Zärtlichkeiten werden ausgetauscht. A propos Bühne. Da gibt es zwei Schlagzeuge. Also auch zwei Schlagzeuger.
 
Walkobinger. Das ist eigentlich aus einer Verlegenheit passiert. Da ist sind damals zwei Sets auf der Bühne gestanden – (in Richtung Offenhuber) da habt’s ihr mit den Gelée [Royale] gespielt –und die wurden einfach verwendet. Und das war eigentlich das beste Konzert bis dorthin.
Mitter: Bis jetzt eigentlich kannst sagen. (Amüsement) Das zeigt eigentlich nach außen hin, dass wir vom Mobilen her eine potente Band sind, weil zwei Schlagzeuge musst du erst einmal in so ein Auto hineinbringen… Und wenn du dann vorfährst und das ausräumst, schauen sie gleich alle. Die Vorband bringt dann meistens gar nix mehr zusammen weil sie sich einfach schon so fürchten. (lachen)
Bob (verschwörerisch): Kurz gesagt, eigentlich sind wir komplett wahnsinnig.
Mitter: Und wenn wir dann im nächsten Jahr am fm5-Fest spielen… (grinst)

FM5: Ich hab eh am Fest zu wem anderen gesagt, also nächstes Jahr wär’s doch nett, die Mord, oder die Kreisky,…

Walkobinger: Wie kommst du jetzt auf den Kreisky? (Gelächter)

Am Anfang, das nimmt man gemeinhin an, stehen bei einer Band die ersten Stunden im Proberaum, das Finden eines gemeinsamen Nenners. Nicht so in diesem Fall.

Offenhuber Martin: Das ist eigentlich das Grundkonzept der Band. Dass ursprünglich Musik und Texte auf der Bühne entstanden sind, weil wir uns einfach auf die Bühne gestellt haben und angefangen haben zu spielen. Nach ein paar Konzerten hat sich dass dann so eingependelt, dass immer wieder neue Sachen entstanden sind, und ein paar haben wir dann eben wieder aufgegriffen. Bis zur ersten Plattenaufnahme ist es dann immer konkreter geworden. Also aus einer zehn-Minuten-Nummer ist dann eine drei-Minuten-Nummer geworden, weil’s immer knapper arrangiert worden ist. Mittlerweile ist es auch so, dass wir hin und wieder proben… (man grinst) …und dass ein normaler Probe-Liedschreibprozess auch passiert. Aber die grundsätzliche Arbeitsweise ist eben jene, dass man schaut, was passiert.
Walkobinger: Es war auch irgendwann einmal die Diskussion auch bei uns, ob und wie wir vorgehen werden, und es hat dann auch von allen fünf geheißen, wir werden auf jeden Fall die Impro-Geschichte auf der Bühne beibehalten. Es wird auch heute wieder so sein, dass zwei, sagen wir zwei bis drei Nummern Impros sind…
Mitter: Vier bis fünf.
Walkobinger: Vier bis fünf, offiziell…

FM5: Je nach Definition, was eine Nummer ist, quasi.


Mitter
: Wenn ich mich verspiel, dann war’s eine Impro-Nummer!
Walkobinger: Und das geht teilweise sehr gut auf. Es kann auch total schief gehen, aber es wird nie unangenehm beim Schiefgehen, das ist das Positive, also wenn das Schiff anfangt zu wanken, dann wackelt’s ordentlich, aber es ist nie unangenehm.
Bob: Aber es sinkt selten.
Walkobinger: Sinken tut’s selten.
Bob: Es schaffen zumindest immer ein paar Schiffbrüchige an Land.
Tischberger: Die Impro-Sachen werden dann mitgeschnitten, oder es erinnert sich beim nächsten Mal wer daran, was gespielt worden ist, und es wird dann bei der Probe weiter... verwurschtelt.
Walkobinger: Also ich würde schon sagen, wenn wir Stärken haben, dann ist das ganz sicher eine davon.

FM5: Dass das Schiff nie sinkt.


Walkobinger
: Dass wir uns auf der Bühne improvisationsmäßig was zutrauen dürfen.

FM5: Ihr wart also vor eurem ersten Konzert gar nicht gemeinsam in einem Proberaum.


Alle
: Nein.
Offenhuber: Das erste Mal Mord war ein Livekonzert. Das zweite und das dritte Mal auch, und ich weiß nicht, wann wir dann das erste Mal eine Probe gehabt haben, ich glaube nach dem fünften? (Gelächter)
Bob: Nach dem fünften haben wir dann eine Aufnahmesession für ein Demo gemacht… Bis wir dann einmal geprobt haben, das war nach drei Jahren.
Mitter: Diese Nummern waren dann ein sehr ungewöhnlicher Working Progress, weil das ganz oft offene Skizzen waren… weil man dieses Impro, das wir betreiben, ja nicht mit einem Jazz-Impro vergleichen darf, wo’s um andere Sachen geht, um Abrufen von teilweise schon gelernten Musiken, sondern… wir wollen uns jetzt nicht kleiner machen, aber wir sind halt jetzt keine so großartigen Muckers, die sich da selbst befriedigen auf der Bühne, sondern man lässt das generell einmal laufen und schaut, was da heraus kommt. Und dieser Working Progress hat dazu geführt, dass sich immer mehr lose Ideen immer mehr doch in verwertbare Songformate haben gießen lassen. Es ist immer mehr verknappt worden. Das hat dann oft Jahre gedauert, weil man spielt ja doch nicht jede Woche ein Konzert, vor allem damals haben wir nicht so oft gespielt. Wobei wir sicher oft Einiges am Weg verloren haben, was wir damals als hervorragend erachtet haben: Wenn wir’s nicht mitgeschnitten haben, dann war’s halt verloren.
Walkobinger: Und man muss noch sagen, im Herbst waren noch die zwei Konzerte mit dem Suzuki, was natürlich ganz, ganz super war.
Mitter: Damo Suzuki, wie man noch hinzufügen muss.
Walkobinger: Der natürlich da auf die Improschiene ganz stark aufspringt. Und der ganz liebe Wolfgang Almer von popfakes hat eine Improband gesucht und gottseidank an uns gedacht. Und da geht’s natürlich nur um das, da gibt’s gar keine Probe, da wird nur improvisiert.
Tischberger: Zwei Mal dicke, dicke Mucke, die auch die Improlust in der Band wieder geweckt hat. Weil eben wirklich zwei Konzerte lang nur improvisiert und nix abgesprochen wurde. Wir hatten vorher durch die CD quasi schon ein fixes Programm.
Mitter: Da ging es dann vielleicht zu stark ums Reproduzieren der Platte, und bei allem Aufwand, der da hineingeflossen ist, bringen wir das dann auch wieder so nicht hin, bzw. taugts uns auch nicht so, das genau gleich aufzuführen.
Tischberger: Das hat ein bisschen die Konzentration, die wir aufs Improvisieren hin gehabt haben, genommen, und nach diesen zwei Konzerten ist diese Lust massiv zurückgekommen.
Bob: Das Lustige ist eigentlich, dass die Nummern zwar aus der Impro heraus entstanden sind, aber beim Arrangement von der CD haben wir nicht wirklich Rücksicht darauf genommen, ob das dann live so reproduzierbar ist. Was ja natürlich nicht geht, weil zu viele Sachen gleichzeitig passieren, die du zu fünft nicht machen kannst.
Tischberger: Das ist dann auch wieder ein Working Progress: Dass man schaut, wie komm ich von der Platte wieder zu dem eigenen Liveding.
Bob: Das war vielleicht eine sehr ausführliche Antwort, was war nochmal die Frage? (Lachen)
 
Das Interview endet damit, dass einer der Herren beinahe das Chelsea, ganz bestimmt aber um ein Haar sich selbst abfackelt, was aber gerade noch verhindert werden kann.

Das Album.

Wir haben hier, Sie werden es an anderer Stelle im Netz vielleicht schon gelesen haben: Ganz viel Krautrock, wilden Lärm, ruhige, psychedelische Passagen, Klangexperimente, und dadaistische Texte. Wo bei den anderen Rezensionen das Wort „Techno“ hergekommen ist, ich kann es mir nicht erklären; rhythmische Klickgeräusche bitte machen noch keinen Techno. Ganz persönlich, die Vocals sind nicht so ganz meins. Aber die Musik, unbedingt anhören, wenn nicht aus der Konserve, dann auf jeden Fall live.

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AutorInnen

Agnes Wieninger

Agnes Wieninger

Sprachterroristin, Musikjunkie.
Musikterroristin, Sprachjunkie.

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