2007-12-03 14:41:43
Die mir liebsten Klischees der 5 gezeigten Filme auf der Asian Fruits Filmnacht im Filmcasino Wien.
Tiefe Blicke gefolgt von einem verlegenen Lächeln. Eigentlich bedarf es keiner Worte mehr, aber glücklicherweise bleiben sie uns nicht erspart: „Sie sind ein außergewöhnlicher Polizist.“ – „Und Sie sind ein außergewöhnlicher Killer“. Chow Yun-Fat als Killer Jeff – besser bekannt aus Filmen wie Bulletproof Monk bzw. Anna und der König – schmachtet an und säuselt den Polizisten Li voll - gespielt von Danny Lee- und das mindestens die gesamte zweite Hälfte von The Killer. Eine gewisse Homoerotik lag in der Luft, die vom Publikum gleich begeistert absorbiert wurde.
Die etwas andere Männerfreundschaft
Die eigentliche Aufgabe der beiden Protagonisten, nämlich der blinden Jennie eine komplizierte Augenoperation zu ermöglichen und ihr Augenlicht wieder herzustellen, wird im Zuge des regen Pflegens und Hegens der neu entdeckten Männerfreundschaft von Li und Jeff, zur Freude des Publikums, recht nebensächlich. Schreiend, hilfsbedürftig und konstant in Not ist es dem Zuschauer nämlich ein Vergnügen sondergleichen das Frauenzimmer Jennie kennen gelernt zu haben.
Mein persönlicher Höhepunkt des Films ist jene Szene, in welcher auch Killer Jeff in einer Schießerei sein Augenlicht verliert. Ironischerweise hat Jeff das gleiche Schicksal ereilt, was er Jennie zuvor zugefügt hatte. Er selbst war es nämlich, der Jennie das Sehvermögen überhaupt erst wortwörtlich weggeschossen hatte. Zu vergöttern ist der Regisseur John Woo für die Komposition der darauf folgenden Szene: Der kürzlich erblindete Jeff und die immer noch blinde und hilflose Jennie robben - aus welchen Gründen auch immer - am Erdboden herum und rufen dabei panisch nacheinander. Sie verpassen sich jedoch sehr knapp, weil sie natürlich nichts sehen können, was an bitterböser Komik schwer zu übertreffen ist.
Die anderen Filme
Überraschend wenig pathetisch war hingegen der Eingangsfilm In the Mood for Love von Wong Kar-wai, der der eigentliche Liebesfilm des Abends hätte sein sollen. Eine nette Beziehungsgeschichte, die relativ gut ohne Kitsch und Klischees auskommt. Die gelungene Action-Komödie The Mission von Johnny To ist wiederum voll von gängigen Actionklischees. Die Handlung ist schnell erzählt. 4 Männer haben den Auftrag ihren Boss vor Mordanschlägen zu schützen. Unter den professionellen Beschützern sind zum einen der Schönling, der Denker, natürlich der fette Vielfraß und der unentwegt korrekte Typ Mann. Diese liefern sich komische Wortgefechte, betont blutige Schießereien und scheinen ein Faible für Rolltreppen zu haben, was ich persönlich mehr als nachvollziehen kann.
Weniger technisiert und modern geht es in A Chinese Ghost Story zu. Dieser Film setzt auf Slapstik-Humor, was oft zu sehr dümmlichen, jedoch nie zu unangenehmen oder nicht funktionierenden Witzen führt. Wie das alles bei dem trashigen und letzten Film The Heroic Trio ausgesehen hat, ist schwer zu sagen. Ich gestehe, bei den potentesten Frauen des Abends eingeschlafen zu sein.
Das Drumherum
Da die Filmnacht an sich großartig war und ich nicht unbedingt ins Schwärmen und Schmachten á la The Killer abdriften möchte („Was für ein köstliches Essen!“), sollen im Folgenden Kleinigkeiten genannt werden, die ich in der für mich neu entdeckten Passion des Paragraphenreitens peinlich genau aufzählen werde. Nicht zuletzt auf wiederholtes Ermahnen meiner Begleiterin soll an dieser Stelle angemerkt werden, dass die einleitenden Worte vor den gezeigten Filmen für so manchen und so manche ein zweifelhaftes Vergnügen darstellte. Dabei wurden erstens nicht immer, aber teilweise Inhalte vorweg genommen und zweitens drohte dem auf ihren Sitzen scharrenden, nach den Filmen gierenden Publikum der ein oder andere Nagel abzubrechen vom ganzen Festkrallen und Wutschnauben.
Weiters ist es kaum zumutbar von stundenlang audiovisuell beschallten Menschen zu verlangen, immer wieder ein Stückchen Papier so groß wie ein U-Bahnfahrschein nach jeder Pause vor Einlass zum Kinosaal vorzuweisen. Meine Bitte um Abhilfe - Alternativerkennungsmethoden, die den käuflichen Erwerb einer Eintrittskarte ebenfalls bescheinigen könnten (Stempel) - wurde freundlich, aber bestimmt abgewiesen. So blieb meiner Begleitung nichts anderes übrig, als in jeder verdammten Pause dasselbe traurige Spiel zu beobachten. Mich, beim Durchforsten sämtlicher Taschen. Abwechselnd auf der Suche nach der Eintrittskarte, meiner Geldbörse oder beidem.
Das Leben danach
Um 5:00 Uhr früh fand sich schlussendlich der letzte, harte Rest auf den ersten Bus der Linie 13A wartend wieder. Nicht müde über alle Filme zu diskutieren, zu diskutieren und zu diskutieren. Mit einem gerollten Poster in der Hand, das arbeitende Frühaufstehervolk bewundernd, wurde per öffentlichen Verkehrsmittel das Bett angesteuert und hoffentlich nicht, wie in meinem Fal,l jenes bereits nach fünfeinhalb Stunden wieder verlassen, um sich auf die Uni zu schleppen. Auf dass sie selig ruhten, die Helden und Heldinnen dieser Nacht vom 29.11.2007 und auch beim nächsten Mal wieder dabei sind.
On est toujours jaloux du métro des autres. C.G.
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