2008-09-28 15:23:44
Männer mit Schusswaffen, dazu Machismo und das Gesetz des Stärkeren: Brian Azzarello gräbt Amerikas Wurzeln aus und lässt in Loveless den Wilden Westen auferstehen.
Anfangs scheint alles ganz einfach:
Wes Cutter kommt nach längerer Abstinenz wieder nach Blackwater, um seine verschwundene Frau Ruth zu suchen und um in sein Heim zurückzukehren.
Nur ist sein Land inzwischen gar nicht mehr in seinem Besitz, sondern gehört der Union und den amerikanischen Soldaten.
There will be blood
Loveless vollführt den Sprung in die Vergangenheit und betreibt amerikanische Bewältigungsgeschichte.
Brian Azzarello erzählt von der Existenz in kritischen Schlupflöchern, die sich zwischen Alt und Neu auftun. Dabei stellt der Autor die Frage aller Fragen: Kämpfen oder aufgeben?
Für Wes Cutter ist letzteres keine Option. Die Titelfigur ist ein zynischer Antiheld, der von niemandem gemocht wird. Für seine Anliegen ist er bereit mit dem Colt einzutreten.
Ein cleverer Killer mit schelmischen Grinsen und spitzbübischem Augenzwinkern.
Durch Verkettung von Ereignissen wird Cutter schließlich auf die Seite des Gesetztes gezogen. Er wird zum neuen Sheriff, und sorgt auf seine Art für Recht und Ordnung.
Seine ehemaligen Buddys, Vigilanten und Spießgesellen sind natürlich nicht begeistert.
Heißes Eisen
Loveless ist eine ungeschönte Erzählung über Rückschläge und das Fehlen von Lösungen in einer schwierigen Zeit.
Der Amerikanische Bürgerkrieg hat seine Opfer gefordert. Die Lager sind gespalten, die politische und gesellschaftliche Situation gereizt und fragil. Beide Seiten haben Dreck am Stecken und tragen ihren Anteil dazu bei, dass die Gewalt weiter eskaliert.
Rassismus, Wortgefechte und Vergewaltigungen stehen an der Tagesordnung.
Mit Ehre und Ruhm können sich die wenigsten schmücken, denn ordinäre Mannbarkeitsriten haben vorrang. Blutströme und Gefechte zeichnen die Zivilisation in jenen Tagen aus.
Azzarellos bissige Outlaw-Geschichte im Wilden Westen nimmt mit dem ersten Band Blutrache erst Fahrt auf.
Es liegt noch eine große Menge an Konflikten in der staubigen Luft. Spannung entwickelt sich vor allem durch unvermeidbare Konfrontationen, die zum Teil vorhersehbar sind. Marcelo Frusins kantige und dynamische Zeichnungen sorgen für eine vortreffliche Bebilderung des Schauplatzes.
Es bleibt abzuwarten, welche Ziele Wes Cutter wirklich verfolgt und was die Zukunft für ihn bereithält.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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