2008-08-24 01:29:07
Ein junger Pole will in den goldenen Westen. Der Weg verschlägt ihn nach Wien und mit „Herrn Kukas Empfehlungen“ scheint der Reise ein interessanter Weg geebnet.
Bereits im Jahr 1999 konnte sich die hiesige Leserschaft an Radek Knapps Schelmenroman Herrn Kukas Empfehlungen erfreuen. Die Geschichte des halbwüchsigen Waldemar, der ohne Geld weg aus Polen möchte, und schließlich im bizarren Wien landet, eignet sich wunderbar als Filmvorlage. Unter der Regie von Dariusz Gajewski wird Waldemar Leben eingehaucht und einmal mehr bietet die goldene Hauptstadt unseres Landes eine interessante Filmkulisse.
Im Westen was Neues
Waldemar (Lukasz Garlicki) hat Lust auf einen ausgefallenen Sommer. Im post-kommunistischen Polen erscheint dies unmöglich. Den Lonley Planet-Reiseführer kennt man zur Jahrtausendwende noch nicht, aber es gibt ja noch Herrn Kuka (Andrzej Grabowski). Ein väterlicher Freund, der weit gereist scheint, schickt den Jungen nach Wien. Doch davor bekommt er noch einige Empfehlungen.
Die Antwort auf jede Frage eines Uniformierten darf nichts anderes als „Jawohl“ sein. Begegnet dir im Westen einer mit einem „How can I serve you?“ T-Shirt am besten schnell das Weite suchen und Lipizzaner sind einfach die beste Nachspeise. Als Special Feature gibt Herr Kuka Waldemar noch einen Talisman und eine gratis Busfahrt mit auf die Reise. Am Ziel angekommen ist nichts mehr, wie Herr Kuka es prophezeit hat.
Der Priester, der ihn abholen sollte, ist ein Krimineller, in Waldemars Talisman befindet sich ein Diamant. Als Herrn Kukas Schmuggler missbraucht, geht dem jungen Braven noch dazu schnell das Geld aus. Der Arbeiterstrich ruft. Doch wer im Lainzer Tiergarten einen Swimmingpool aushebt, der wird verhaftet. Gut, dass Waldemar gerade auf Beerensuche im Wald ist, als die dümmlich erscheinende Polizei auftritt.
Sind wir wirklich so stereotyp?
Unser Protagonist findet schnell Freunde. Lothar (August Diehl) ist ein klauender deutscher Bildungsflüchtling, der ihm den Besuch einer Prostituierten zum Geburtstag schenkt. Auch mit Wienern macht Waldemar Bekanntschaft. Am Bahnhofsdurchgang wird er mehrmals von Skinheads bedroht und schließlich beraubt. Die Hausbesitzern in Lothars Haus Frau Simacek (Krista Stadler) ist bekennende FPÖ-Wählerin. Für sie gibt es gute und schlechte Ausländer.
Die Idee Herrn Kukas Empfehlungen als eine Hommage an Wien anzulegen, beleidigt wahrscheinlich zwei Drittel der Einwohner Wiens. Wer vergleicht sich selbst gerne mit zwielichtigen Figuren, die stolz auf ihre politische Nähe zur FPÖ sind?
Nicht nur der Wiener wird in ein skurriles Klischee des Hauptstadtbewohners gestoßen, auch die Stadt selbst bekommt einiges ab. Waldemar wandert durch mystische Orte, sogar das Kunsthistorische Museum bekommt seinen Platz in Dariusz Gajewskis Film.
Herrn Kukas Empfehlungen ist Waldemars Sommer in Wien. Die Kamera (geführt von Wojciech Szepel) zeigt alleine die Sicht des Protagonisten auf Wien. Trotz der vielen Klischees, die aufgeworfen werden und einer Vielzahl von pathetisch-mystischen Bildern, bietet Gajewskis Film nicht wenig amüsante Stellen. Freuen Sich schon auf das Hotel Venus, meine lieben Lesenden, das beste und billigste Hotel in ganz Wien.
Filmstart in Österreich: 5. September 2008
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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