2007-04-02 00:10:43
Nachdem 2003 die steirische Landeshauptstadt Graz die "Europäische Kulturhauptstadt" war, hat nun Linz die Ehre, 2009 die Kulturhauptstadt zu stellen: Ein Interview mit dem Linzer Bürgermeister Dr. Franz Dobusch.
Im Folgenden ein Interview mit dem Medienreferenten des Linzer Bürgermeisters Dr. Franz Dobusch, Rene Hagenauer:
FM5: Wie kam es überhaupt zu der Nominierung von Linz als "Kulturhauptstadt 2009" bzw. wann begannen die ersten Überlegungen dazu?
R. Hagenauer: Im Jahr 2009 hat neben Litauen Österreich das Vorschlagsrecht, eine Stadt als Kulturhauptstadt zu nominieren. Die Bewerbung von Linz (downloadbar unter www.linz09.at) wurde Ende 2004 an die EU-Gremien übermittelt. Im April erfolgt die Präsentation vor der ExpertInnenjury in Brüssel, auf Basis deren positiven Stellungnahme die EU-Kommission eine Empfehlung an den Rat zur Ernennung von Linz als Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2009 abgeben wird. Diese offizielle Ernennung erfolgt spätestens im Herbst 2005.
FM5: Stichwort "Graz 2003": Was wird "Graz 2003" von "Linz 2009" unterscheiden bzw. wo liegen die Schwerpunkte, sofern es welche gibt, von "Linz 2009"?
R. Hagenauer: Unterscheiden werden sich beide Kulturhauptstadtprojekte vor allem dadurch, weil die Profile dieser Kulturstädte unterschiedlich ist. Die Schwerpunkte von Linz sind im Kulturentwicklungsplan mit "Kultur im öffentlichen Raum", "Neue Medien und Technologien", "Freie Szene" und "Kultur für alle". Diese Leitlinien werden sich auch im Linzer Kulturhauptstadtjahr widerspiegeln. Nicht zuletzt sind auch die Entwicklungsgeschichten beider Städte grundlegend verschieden. Linz hat sich erst in den vergangenen Jahren von einer Industriestadt zu einer Kulturstadt entwickelt. Dieser Wandlungsprozess, die Zukunftsorientierung, die Orientierung auf Technologien werden Linz 2009 prägen.
FM5: Welche Gebäude, sofern das jetzt schon zu entscheiden ist, werden für die diversen Veranstaltungen beansprucht?
R. Hagenauer: Welche Gebäude konkret einbezogen werden, kann derzeit noch nicht gesagt werden. Die wichtigsten Kultureinrichtungen, von Stadt Linz, Land Oberösterreich und der "freien Szene", sind mit Sicherheit dabei.
FM5: Wird das Ars Electronica und die Linzer (Kunst-)Universität auch in das
Projekt involviert?
R. Hagenauer: Gerade diese beide Institutionen haben den Wandel von Linz zu einer Kulturstadt sehr geprägt. Das Ars Electronica Festival ist eines der international renommiertesten Festivals für Kunst, Technologie und Gesellschaft. Forum Metall und Forum Design sind ua. wichtige Impulsprojekte für die Positionierung von Linz als Kulturstadt, die von der Kunstuniversität ausgegangen sind. Hoffentlich bringen sich beide Häuser 2009 stark ein.
FM5: Können Sie mir schon einige Veranstaltungen nennen? Welche Genres wird es geben?
R. Hagenauer: Nein. Die Entwicklung des konkreten künstlerischen Programms ist die Aufgabe der Intendanz, die spätestens im Herbst damit starten wird.
FM5: Wer wird dieses Projekt als Vorsitzender leiten?
R. Hagenauer: Zur Zeit läuft die Ausschreibung. Die Bestellung der kaufmännischen und künstlerischen Geschäftsführung der Linz 2009 Organisations-GmbH soll noch vor dem Sommer erfolgen.
FM5: Gibt es schone feste Partner (bei "Graz 2003" z.B. 3sat, ORF, ESTAG,
Austrian Airlines usw.)? Gibt es Förderungen aus dem öffentlichen Topf?
R. Hagenauer: Konkrete Vereinbarungen mit Sponsor- und Medienpartnern gibt es noch nicht, denn auch dies wird Aufgabe des Linz 2009 - Teams sein. Die Finanzierung des Projektes erfolgt zu einem großen Anteil durch die öffentliche Hand. Land, Stadt und Bund sollen sich mit je 20 Mio EUR an diesem Projekt beteiligen. Die Stadt hat den notwendigen Beschluss im Gemeinderat bereits getätigt.
FM5: Wann werden wir nähere Infos bzw. Broschüren davon erhalten?
R. Hagenauer: Vorerst sind nähere Infos unter www.linz09.at erhältlich.
FM5: Hat es Linz überhaupt notwendig, wie Graz im Jahre 2003 z.B., dass einige
infrastrukturelle Veränderungen unternommen werden? Stichwort: Murinsel,
Kunstblase.
R. Hagenauer: Zu viele Vergleiche mit Graz sind überflüssig. Linz wird ein eigenständiges Profil für 2009 erarbeiten.
FM5: Was erwartet sich die Stadt Linz bzw. das Bundesland Oberösterreich von diesem Projekt?
R. Hagenauer: - Eine nachhaltige Impulswirkung auf die Kulturstadt Linz und das Kulturland OÖ
- Eine qualitative Weiterentwicklung der kulturellen Einrichtungen und der künstlerischen Auseinandersetzung und Stärkung der lokalen Kunst- und Kulturschaffenden
- Internationale Bekanntmachung/Positionierung von Linz und OÖ als profilierte Kulturstadt/-region in Europa
- Verbesserung des Stadtimages / Stärkung des Selbstbewusstseins
- Internationalisierung der Zusammenarbeit im Kunst- und Kulturbereich (Stichwort Grenzüberschreitung, Donau-Projekte)
- Wiedererstarken der Innovationskraft und Zukunftsorientierung der Stadt
- Wirtschaftliche Impulse, gerade auch im Fremdenverkehr
FM5: Herr Hagenauer, herzlichen Dank für das Interview!
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
Newsfeed von Johannes Rausch abonnieren