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Lieben und Leben in Barcelona

2008-11-15 19:46:15

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In seinem neusten Film Vicky Cristina Barcelona versucht sich Woody Allen an einer Liebeserklärung an die Hauptstadt Kataloniens, die aber aufgrund einer banalen Reihung von Klischeebildern letztendlich zum Groschenroman verkommt.

Vicky (Rebecca Hall) und Cristina (Scarlet Johansson) - zwei US-amerikanische Freundinnen - wollen ihren Sommer in Barcelona verbringen, allerdings aus völlig unterschiedlichen Beweggründen. Die solide Vicky, die kurz vor ihrer Hochzeit steht, will Recherchen für ihre Masterarbeit tätigen, während Cristina sich dem Moment hingibt und hofft ihrem Leben dadurch einen Sinn abringen zu können. Trotz aller Gegensätze verlieben sich die beiden aber überraschenderweise in denselben Mann. Das kann doch eigentlich nicht gut gehen…

Jedem Anfang wohnt ein Ende inne


Am Ende des Sommers hat sich erstaunlicherweise in der Beziehung zwischen Vicky und Cristina, aber auch an ihrem Selbstverständnis zum Leben nichts Entscheidendes geändert. Die vielversprechende Grundkonstellation, die den Zauber des Anfangs ausmacht, verkommt dadurch zum Bollwerk geistiger Festgefahrenheit. Doch zwischen diesen säulenartigen Weltanschauungen schickt Woody Allen seine Protagonistinnen durch ein Meer an Selbstzweifeln. Die Örtlichkeit und ihre scheinbare Freiheit laden dazu ein, die bisherige Lebenseinstellung auf den Prüfstand zu stellen und unterschwellige Phantasien auszuleben, ohne daraus die Konsequenzen zu ziehen.

Der Künstler und die Frauen

So erfährt der Maler Juan Antonio (Javier Bardem) das zweifelhafte Vergnügen, gleich mit drei Frauen anbandeln zu können; nicht nur Vicky und Cristina sondern auch seine labile Ex-Frau Maria Elena (Penelope Cruz) möchten das Bett mit ihm teilen. Das darf den Zuschauer nur wenig verwundern, schließlich kann der Künstler neben gutem Aussehen und fabelhaften Gemälden auch noch mit einem Privatjet, köstlichem Essen und noch besserem Wein aufwarten. Und wo selbst das nichts hilft, wird die Angebetete in einer lauen Sommernacht kurzerhand in den nahegelegenen Park entführt, in dem ein spanischer Gitarrero mit seinen Serenaden dafür Sorge trägt, dass selbst die kaltherzigste Frau der Welt dahinschmelzen muss. Stereotypenherz was willst du mehr…

Boheme vs. Spießigkeit


Bodenständige Männer, wie etwa Vickys Verlobter Doug (Chris Messina), kommen dagegen ungleich schlechter weg. Ihnen werden neben einem fehlenden Sinn für Romantik obskure Hobbys wie Segeltörns, Golfen und die ständige Suche nach dem größten Plasmafernsehgerät unterstellt. Ohne Raum für individuelle Freiheit wird so die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft in der Biederkeit kleinbürgerlicher Enge verplant. Das Künstlerleben Juan Antonios und dessen vordergründige Freiheit sind für diese Spezies Mann nicht nachvollziehbar, ganz im Gegenteil zu den weiblichen Pendants.

Durch das Gegenüberstellen von Bohemeleben und engstirniger Spießigkeit - mit klaren Sympathien zu ersterem - zeichnet Allen ein viel zu seichtes Bild eines glückseligen Lebenswandels im alten Europa, an dem sich die neue Welt ein Beispiel nehmen sollte. Er vereinfacht bis zum Exzess und erhält dafür als Strafe nichts Geringeres als einen verfilmten Kitschroman mit all seinen ach so überraschenden Wendungen und Eifersüchteleien. Dafür sollten sich aber die großartigen Schauspieler, die diesen Film allein durch ihre Kamerapräsenz am Leben erhalten, eigentlich zu schade sein. Letztlich gibt es nur einen Gewinner: Barcelona. Die Zweitverwertung im Reisebüro wird den Erfolg an der Kinokassa sicherlich toppen.

FILMSTART: 5.12.2008

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