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Liebe, Tod und Heiterkeit

2011-11-23 18:23:21

  • mikado titipu
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Mit Der Mikado oder Die Stadt Titipu versucht sich das Ensemble des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München erneut an einer Operette des englischen Autorengespanns Gilbert & Sullivan, kann dabei aber nicht vollständig überzeugen.

Es sollte die erfolgreichste Zusammenarbeit zwischen dem Librettisten William Schwenck Gilbert und dem Komponisten Arthur Sullivan werden. 672 Aufführungen in Folge erlebte Der Mikado oder Die Stadt Titipu nach seiner Premiere am 14. März 1885 im Savoy Theatre in London. Eine stolze Bilanz. Kein Wunder also, dass es auch relativ schnell zu Gastspielen in ganz Europa kam. Fünf Gruppen, die offiziell vom Savoy-Impressario Richard D’Oyly Carte beauftragt worden waren, zogen durch die Lande. So wurde das Stück bereits am 15. Oktober 1886 erstmals im Gärtnerplatztheater in München in Originalsprache aufgeführt. Seit dem 19. November 2011 steht Der Mikado oder Die Stadt Titipu dort nun in einer deutschsprachigen Adaption erneut auf dem Programm.

Unbekannte Berühmtheiten

Im angloamerikanischen Raum ist der Erfolg der Operetten von Gilbert & Sullivan bis heute ungebrochen. Beständig stehen die 14 gemeinsamen Werke der beiden auf den Spielplänen. Auch in Film und Fernsehen finden sich immer wieder Rückgriffe auf ihr Opus. Ein recht bekanntes Beispiel hierfür ist etwa das Aufgreifen der Operette H.M.S Pinafore in der Folge "Cape Feare" der beliebten Zeichentrickserie The Simpsons. Im deutschsprachigen Raum hingegen sind Gilbert & Sullivan nur Experten ein Begriff. Dass das Staatstheater am Gärtnerplatz dem nun entgegenwirkt, ist den Verantwortlichen hoch anzurechnen. Mit den Piraten von Penzance wurde bereits im Mai 2009 ein Werk von Gilbert & Sullivan erfolgreich auf die Bühne gebracht. Der damals verantwortliche Regisseur Holger Seitz hat nun auch wieder bei Der Mikado oder Die Stadt Titipu die Inszenierung übernommen.

Britischer Humor

Wunderbar schafft er es, die Absurdität und Überspitztheit des Sujets auf der Bühne darzustellen, ohne dabei die Thematik ins Lächerliche zu ziehen. Und das erweist sich als gar nicht so einfach, wenn man die abstruse Handlung genauer unter die Lupe nimmt. Zum einen ist da Nanki-Poo (Robert Sellier), der Sohn des Kaisers und Mikado (Stefan Sevenich). Er befindet sich auf der Flucht vor dem alternden Hoffräulein Katisha (Rita Kapfhammer), das ihn unbedingt heiraten möchte. Zum anderen ist da seine große Liebe Yam-Yam (Frances Lucey), die allerdings bereits ihrem Vormund Co-Co (Gunter Sonneson) versprochen ist. Der wurde zwar wegen Flirtens zum Tode verurteilt, vor der Vollstreckung allerdings begnadigt, weil dringend ein neuer Oberscharfrichter benötigt wurde. In dieser Funktion muss er nun schnellstmöglich eine Hinrichtung vollziehen, da es ihm sonst selbst an den Kragen geht. Dumm nur, dass er kein Blut sehen kann.

Scheinbarer Exotismus

Die Handlung ist zwar in Japan angesiedelt, spiegelt aber – wie so oft bei Gilbert & Sullivan – die viktorianische Gesellschaft Großbritanniens wider. Allerdings ist die Münchner Inszenierung keineswegs auf Historismus aus. Die Gags wurden kurzerhand aktualisiert und auf die Jetztzeit übertragen. So finden sich nicht nur Anspielungen auf den ehemaligen deutschen Verteidigungsminister zu Guttenberg, sondern auch Spitzen zur aktuellen Eurokrise. Dies gelingt vor allem anhand der Figur des Pooh-Bah (Holger Ohlmann), die alle wichtigen Ministerposten und Ämter im Staat in Personalunion vereint und daraus manchen Vorteil zieht. Als mindestens ebenso amüsant erweist sich das ständige Spiel mit japanischen Klischees: Vom Harakiri über tiefe Verbeugungen bis hin zur typischen Schulmädchenuniform ist alles vertreten, was das Europäerherz begehrt. Hervorzuheben sind in dieser Hinsicht auch die fantasievollen Kostüme von Sandra Münchow.

Manko Textverständlichkeit

Auch wenn der Geist von Gilbert & Sullivan in der Inszenierung recht gut eingefangen wird, kann die Aufführung nicht vollständig überzeugen. Dies liegt in erster Linie an der mangelnden Textverständlichkeit. Vor allem die lauten Streicher aus dem Orchestergraben übertönen die Sängerinnen und Sänger ein ums andere Mal. Wirkliche stimmliche Durchschlagskraft kann lediglich die zu Recht bejubelte Rita Kapfhammer aufweisen. Es ist ein regelrechtes Aha-Erlebnis, als sie gegen Ende des ersten Aktes als Katisha die Bühne betritt. Sie dominiert nicht nur in ihrer Rolle als blutdürstige Hofdame mit Peitsche, sondern auch durch ihr musikalisches Ausdrucksvermögen. Der Rest des Ensembles kommt gegen sie nur schwer an. Lediglich Robert Sellier als Nanki-Poo hinterlässt einen durchweg positiven Gesamteindruck. Am Ende gibt es artigen Applaus für alle Beteiligten.

Der Mikado oder Die Stadt Titipu von Gilbert & Sullivan
Staatstheater am Gärtnerplatz, Gärtnerplatz 3, 80469 München
Folgetermine 2011 noch am 01., 08., 13. und 21. Dezember

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