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Liebe auf Haiti

2007-04-02 00:15:55

Laurent Cantet erzählt in seinem Film „In den Süden“ von Liebe, die keine ist und dem ewigen Clinch zwischen Jugend und Alter.

Schauplatz der Handlung von Laurent Cantets neuem Film „In den Süden“ ist Haiti, Ende der 70er Jahre. In diesem paradiesischen und zugleich politisch zerrüttetem Land, treffen drei amerikanische Touristinnen aufeinander: Ellen (Charlotte Rampling), Brenda (Karen Young) und Sue (Louise Portal). Weit weg von der gefährlichen und lauten Hauptstadt Haitis, verbringen sie ihren Urlaub in einem ruhigen Hotel am Strand, umgeben von Palmen, weißem Sand, Sonne und Meer. In dieser fast perfekten Atmosphäre fehlt nur noch eines: das Gefühl jung und schön zu sein. Doch auch hier kann Abhilfe geleistet werden. Einheimische junge Männer bieten den drei Frauen ihre sexuellen Dienste an und geben ihnen das Gefühl wieder vital und begehrenswert zu sein.

Eifersucht
Die Probleme beginnen, als sich Ellen und Brenda in denselben Mann verlieben. Legba (Ménothy Cesar), jung, attraktiv und in einem Land lebend, das von Armut und Krieg geplagt ist, hat so eine Möglichkeit gefunden sein Geld zu verdienen.

Zwischen den zwei Frauen entfacht eine wilde Eifersucht, die schon bald in ständigem Streit ausartet. Sie werden Besitz ergreifend und bieten Legba Pass, Geld und eine Existenz in den USA an.
Dass es dabei aber nicht um wahre Liebe geht, scheinen sie zu übersehen. Was sie empfinden, ist nur Nervenkitzel - Gefühle wie Euphorie und Zuneigung verwechseln sie mit Liebe und vergessen dabei, dass sie Legba weder kennen noch etwas über seine Motive wissen.

Täuschung
Geschickt verpackt Laurent Cantet einen tiefsinnigen Hintergrund in diese Tatsache. Legba lebt in Haiti, muss dort sein Dasein meistern und mit seinen Problemen kämpfen, während Ellen und Brenda Urlaub machen, somit frei und unbeschwert sein können. Eine echte Liebe zwischen ihnen und dem jungen Mann ist gar nicht möglich - die Unterschiede sind zu groß.
Es wird ein Gegensatz sichtbar, zwischen Urlaub und Alltag, der nicht der einzige im Film ist. Zwischen einem Einheimischen und einer Touristin können keine wahren Gefühle entstehen. Sie kommen aus zu konträren Kulturen. Nordamerika als Land der politischen Macht wird Haiti gegenübergestellt, einem Terrain politischer Ohnmacht.

Der gesamte Film ist voller Gegensätzlichkeiten – Hautfarbe, Politik, Wirtschaft, Alltag, Lebensstil, Alter, Kultur – all dies wird gegenübergestellt. Cantet verpackt in eine Geschichte über Liebe, Sex und Emotionen tiefsinnige Fragestellungen und wichtige gesellschaftliche Themen. Dabei geht er sehr einfach vor. Der Film ist leicht zu verdauen, erzählt eine einfache Geschichte mit simplen Bildern, bietet aber trotzdem Stoff zum Nachdenken. Eine Tatsache, die dem Regisseur hoch anzurechnen ist. Nicht oft schafft ein Filmemacher eine fast schwermütige Problematik in eine eher bescheidene und doch pointierte Erzählung einzufassen, die stellenweise auch zum Lachen bringt.

Besetzung
Die Darsteller geben dem Film den letzten Schliff. Charlotte Rampling spielt ihre Rolle in ihrer gewohnt souveränen Art, Karen Young und Louise Portal machen es ihr gekonnt nach. Auch Ménothy Cesar spielt seinen Legba überzeugend und authentisch.

„In den Süden“ ist melancholisch und humorvoll, eine Geschichte über Themen, die immer interessant bleiben werden. „Touristen sterben nie“ heißt es am Ende des Filmes, womit nicht nur die gesamte Problematik mit einem treffenden Satz beschrieben wird, sondern auch ein perfekter Abschluss für alle Kontraste, alle Probleme geboten wird.


Kinostart von "In den Süden" (OT: Vers le Sud) ist der 1. Dezember 2006

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AutorInnen

Christa Minkin

Christa Minkin

Unfähig sich selbst zu beschreiben...

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