2007-08-04 12:48:49
Die Zeitschrift für arabische Literatur, Lisan, stellt ihre neue Ausgabe vor. Dieses Mal widmet sie sich dem Thema Beirut und präsentiert libanesische Literatur.
Ein Fernseher mitten auf einer verwüsteten Straße. Im Hintergrund zerfetzte Wohnblöcke. Neben dem TV-Gerät ein Schild mit der Aufschrift „Open“. Das Zynische daran: Das audiovisuelle Medium ist wahrscheinlich das Einzige, das in dieser Gegend noch intakt zu sein scheint. Aber vielleicht will uns die aktuelle Ausgabe von Lisan, der Zeitschrift für arabische Literatur, eben genau jene These suggerieren: Der Fernseher steht für die Hoffnung, die bekanntlich zuletzt stirbt.
Bücher zwischen Bomben
„Da die libanesische Kultur und Literatur eine herausragende Rolle innerhalb der arabischen Welt spielen, haben wir beschlossen, diese Ausgabe von Lisan dem Libanon zu widmen.“ So startet der Redaktionsleiter der Baseler Literaturzeitschrift, Hassan Hammad, das Editorial der neuesten Ausgabe, Nummer 3. Kurze Rückblende: „Seit der Libanon seine 'Unabhängigkeit' erlangt hat, wurden auf dem Boden dieses Staates stets regionale und internationale Konflikte ausgetragen, deren Tragweite über das Land hinausging.“ (Der 33-Tage-Krieg, Kapitel 1, Gilbert Achcar).
So ist es beinahe unvorstellbar, dass – mit Ausschluss der Medienberichterstattung, die eben immer nur eine Seite liefert – ein von ständigen Kriegen und kriegsähnlichen Konflikten umgebenes Land wie der Libanon, so viel an qualitätsvoller Kultur, sei es im Bereich der Pop-Musik oder der Literatur, hervorbringt. Gerade in solch einer, für den Europäer ausweglos erscheinenden Situation - immerhin agiert die Hisbollah im Libanon und präsentiert tagtäglich seine Macht - und eingedenk der Tatsache, dass noch nicht einmal vor einem Jahr Krieg gegen das südliche Nachbarland Israel herrschte, ist es verwunderlich, dass die libanesische Hauptstadt Beirut, in der ganze Wohnblöcke vom Bombenhagel der israelischen Armee zerstört wurden, nicht aufgibt: Das Foto, das junge, in einem teuren roten Auto sitzende Libanesen inmitten des Chaos der Zerstörung zeigt, ging um die Welt. Aber die libanesische Gesellschaft ist es gewohnt, ständig wieder aufzustehen und nicht aufzugeben.
Paris des Nahen Osten
Chawqi Bazih, geboren 1951 in Zibqeen (Sour) im Libanon, weiß das wohl am besten: Der Lyriker studierte Arabische Sprachen an der libanesischen Universität in Beirut, arbeitete danach als Lehrer und Journalist bei diversen Radiosendern und war anschließend als Leiter im Kulturressort der Tageszeitung as-Safir in Beirut tätig. In deutscher Sprache erschien bisher sein Buch Zwischen Zauber und Zeichen (Verlag Das Arabische Buch, Berlin 2000). In der Lisan-Ausgabe sind ein Gedicht (Der kleine Spalt) und ein als Hommage an Beirut zu verstehender Text (Beirut, Hauptstadt der vertagten Hoffnungen) enthalten. Darin findet sich ein fast klischeehafter, weil so schön klingender Satz: „Denn Beirut ist ein Sammelbecken für Ethnien und Menschengruppen unterschiedlichster Art und von hochgradiger Individualität und Lebensfreude.“ So erkennt man: Auch, oder gerade das ist Beirut – oft und gerne „Paris der Nahen Osten“ genannt.
In der Ausgabe sind noch zahlreiche wundervolle Texte von den vielen libanesischen SchriftstellerInnen, die dieses magische Land zu bieten hat: Taufik Yussuf Awwad (Tamima), Nadia Tuéni (Zedern), Abbas Beydoun (Die Hände), Abduh Wazin (Lauschen), Sabah Kharrat Zouein (Weil ich, als ob ich, ich bin nicht), Suzanne Alaywan (Ein roter Planet) und viele mehr. Das Resultat ist augenscheinlich: Gerne will man mehr von der arabischen Kultur und ihrer Sprache wissen. Und Beirut besichtigen. Allzu gerne.
Lisan – Zeitschrift für arabische Literatur, kann auf der Homepage bestellt werden.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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