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Lesung oder Nicht-Lesung? Rocko gibt Antwort.

2007-11-04 00:24:16

  • rocko schamoni

„Wer ist Rocko Schamoni?", "Was ist eine Lesung?!“… Keine Sorge, liebe Leser, alle Fragen werden wie immer beantwortet.

Wenn Rocko Schamoni liest, bleibt keine Publikumspore frei von Alkohol, Rauch und Handyschall. Denn dann sind Nichtraucher aufgefordert zu rauchen, Trinker als auch Nicht-Trinker sollen tüchtig konsumieren und Mobiltelefone dürfen zur übergroßen Freude der jüngeren Generation eingeschaltet bleiben. So war’s zumindest am 9.10. 07, als sich Rocko Schamoni – geboren 1966 im norddeutschen Lütjenburg mit bürgerlichem Namen Tobias Albrecht – im Wiener WUK die Ehre gab und ausgewählte Leckerbissen seines neuesten Romans Sternstunden der Bedeutungslosigkeit präsentierte.

Mehrwert einer Lesung

Bevor auf diesen Spitzenabend näher eingegangen werden soll, jedoch ein kurzer, galant gestandener Gedankensprung zu folgendem Dilemma: Lesung oder Nicht-Lesung? Das ist hier die Frage.

Als Freundin dichotomer Weltzusammenhänge kam meine ganz persönliche Analyse zu dem wiederum dualen Ergebnis, demzufolge eine Lesung nur zweierlei Wirkung auf ihr Publikum haben kann.  Erstens besteht die Möglichkeit, durch den Lesungs-Genuss Befremdlichkeit bei den Zuhörern auszulösen. Zweitens ist die Lesungserfahrung an sich im Stande, ihr frontal nach vorne gaffendes und geiferndes, dennoch aber auf eine seltsam anmutende Weise niedlich wirkendes Publikum, in höchstem Maße zu beflügeln und zu erquicken, wie nur ganz wenige Vergnüglichkeiten des Lebens es vermögen. (Anm. d. Red.: Sex, Drugs and Rock’n’Roll)

Ein Punkt, an welchem sich die Lesegeister scheiden, betrifft die Lesestimme des vortragenden Autors. Für viele der höchste Hochgenuss, endlich die blumigen, geliebten Worte aus dem Munde des Schöpfers vernehmen zu können. Für andere das Übelste vom Übeln, eine Erfahrung, die sie sich gerne erspart hätten.  Wenn der Leserhythmus des neuen Erzählers im Ohr nämlich zu wünschen übrig lässt bzw. zu stark vom eigenen divergiert, kann der Abend höchstens eine willkommene Abwechslung zum Zuhause-Löcher- in- die Decke- starren werden.
In der Regel tritt –wie auch an jenem schönen Oktoberabend- der erfreulichere Fall von beiden ein.  Somit bewies sich einmal mehr, dass die Autorenlesung als modernisierte,  ans Erwachsenenleben angepasste Neuauflage der Gute-Nacht-Geschichte wunderbar durchgehen kann.

Sternstunden der Bedeutungslosigkeit

Ohne groß Inhalte vorwegnehmen zu wollen, sei nur kurz und knapp dahin kopuliert, was an dem Buch Sternstunden der Bedeutungslosigkeit helle Freude bereiten kann.  Alle ihr, die ihr beziehungsgeschädigt oder Singles oder in between seid, euch gerne in der Widersprüchlichkeit des Lebens und von Wünschen und Gefühlen suhlt, die alltäglichen Widerspenstigkeiten und ihre Sprache verehrt und der Liebe, Freundschaft und euch selbst kritisch bis ironisch gegenübersteht, euch sei dieses Buch ans Herz gelegt. Ihr werdet mit Hamburgs Nachtleben Bekanntschaft machen, den Cafe d’Amour trinken, dem Charme des grünen Beines von Protagonist Michael Sonntag erliegen und wieder Hoffnung schöpfen, dass jeglicher Wahnsinn ein Stück weit auch seine Berechtigung hat.

Das Erlebnis selbst…

…war das Geld spätestens wert, als Rocko die das Sichtfeld des Publikums störende Schreibtischlampe an seinem Leseplatz eliminiert hatte und als Aschenbecher zweckentfremdete.  Während Bierflaschen am Boden zerschellten, wurde so manch Tiefgründiges wie auch Lächerliches vorgelesen. Einmal - aufgrund hämischen Gelächters der Zuschauer als Reaktion auf eine etwas holprig formulierte Passage in seinem Buch -  stellte  er mit einem schelmischen Grinsen klar, dass das hier seine Lesung und sein Buch sei. Also könne er hier wohl auch machen und vorlesen, was er wollte.  Es gibt ganz selten diese Momente im Leben, die nicht - zu keiner anderen Zeit, an keinem anderen Ort- perfekter sein könnten. Das war für mich eine dieser wenig greifbaren, subjektiven Gefühlsraritäten. Mit dem obligatorischen Autogramm und einem T-Shirt im Gepäck wieder auf dem Weg zurück ins echte Leben, blieb nur noch das Resümee, dass dieser Abend kaum noch zu toppen gewesen ist. Auch nicht zu toppen ist, dass ich - vielleicht etwas unpassend, vielleicht aber auch originellerweise - diesen Monat mit einer Leihgabe von Rocko Schamonis zuletzt vorgetragenem Satz ende: „Wir ficken bis wir einschlafen, vielen Dank, Wien.“

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AutorInnen

Nadine Obermüller

Nadine Obermüller

On est toujours jaloux du métro des autres. C.G.

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Kommentare




 

05.11.2007
Johannes Rausch

@ Nadine:

Ach, Rocko! Er ist (m)ein kleiner Gott... :)

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05.11.2007
Nadine

@ Johannes:

Ich weiß soooo was du meinst :). Hoffe er kommt bald wieder.

[antworten]




 

06.11.2007
Johannes

Also

bei seiner durchaus vorbildhaften - und das meine ich so, wie es hier steht! - Arbeitshaltung, traue ich ihm das glatt zu... :)

Und das Gute bei diesem Mann: Man weiß bei ihm nie, was als Nächstes kommt: CD oder Album - oder gar beides? Genial!

[antworten]




 

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