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Lemming- ein Thriller zwischen Traum und Wirklichkeit

2007-04-02 00:15:35

Ein spannender französischer Film über den Einbruch des Irrationalen in das geordnete Leben eines Paares...

Alain Getty (Laurent Lucas) und seine Frau Bénédicte (Charlotte Gainsbourg) führen ein geordnetes Leben in trauter Zweisamkeit. Alles läuft bestens. Alain, ein begabter Ingenieur, ist erfolgreich in seinem Job, während die schöne Bénédicte sich im adretten Eigenheim am Stadtrand einzuleben versucht.
Die beiden führen eine Beziehung wie sie in einem Bilderbuch stehen könnte. Sie streiten nie, gehen höflich und liebevoll miteinander um, lieben und begehren sich noch, fühlen sich in ihrem neuen Zuschaue wohl und sehen der Zukunft gelassen entgegen. Dass dieses fast unwirklich erscheinende Bild zu perfekt ist und deshalb bald ins Wanken kommen wird, ist dem Zuschauer schnell klar, denn so eine Geschichte würde auf Dauer wohl nicht funktionieren.
Eines Abends beginnt die heile Welt schließlich wirklich aus den Fugen zu geraten. Angekündigt wird der Sturm durch ein zunächst unbedeutend erscheinendes Ereignis: Bénédicte findet im verstopften Abfluss einen Lemming. Was hat dieses mysteriöse Tier aus Skandinavien im Abfluss eines südfranzösischen Hauses bloß verloren? Der Nager kündigt das schleichende Eindringen des Irrationalen in das bisher geordnete Leben der beiden an….

 
Dunkler Einbruch
Alles beginnt sich zu verändern. Alains Chef Richard Pollock (André Dussollier) und dessen Frau Alice (Charlotte Rampling) sind bei den beiden zum Essen eingeladen. Die Stimmung ist von Anfang an geladen, Alice wirkt undurchsichtig und strahlt eine Kälte aus, die für das Paar fast bedrohlich wirkt. Die Besucher sind das genaue Gegenteil der mustergültig verliebten Gettys. Ihre Ehe wird von Hass und Verachtung bestimmt. Es herrscht eine frostige Stimmung. Man ahnt bereits das Damoklesschwert, das über ihnen schebt und weiß spätestens als die Situation eskaliert, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor. Alice beschimpft ihren Mann vor den Gastgebern, er betrüge sie mit Nutten und schleudert ihm ein Glas Wein ins Gesicht. Dieses Ereignis, dass zu Anfangs nichts mit Alain und Bénédicte zu tun zu haben scheint, wird spätestens durch die Prophezeiung von Alice, ihre Ehe werde ebenfalls bald zerrüttet sein, auch zu ihrer Sache.


Aus den Fugen
Am nächsten Tag taucht Alice plötzlich im Büro von Alain auf, wo sie ihn zu verführen versucht. Alain muss zwar mit sich kämpfen, bleibt aber wegen seiner Liebe zu Bénédicte standhaft. Alice schafft es jedoch kurz darauf, durch eine Visite bei Bénédicte, diese an der Treue ihres Mannes zweifeln zu lassen. Als sich Alice schließlich im Haus der Gettys das Leben nimmt, beginnt die Geschichte erst richtig ins Rollen zu kommen. Die Tote scheint von Bénédicte Besitz zu ergreifen oder ist die Veränderung gar nur Alains Phantasie entsprungen? Indem er nämlich die beiden Frauen miteinander verbindet, kann er beide haben, ohne sich schuldig zu füheln. Die Dinge werden immer mysteriöser und Alain weiß bald nicht mehr, wen er vor sich hat. Eine Spirale des Alptraums und des Wahnsinns beginnt sich zu bilden, die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen. Auch Alains Chef Richard beginnt sich in das mysteriöse Netz zu verwickeln. Im Sog der Schicksalsschläge verliert der gebeutelte Mustergatte schließlich die Kontrolle. Gibt es für Alain einen Ausweg?


Mysteriöser Nager
Der Lemming ist der Auslöser, der alles ins Wanken bringt, doch warum ein Lemming? Der Lemming ist eine Art Vorzeichen, er kündigt die merkwürdigen Dinge an, die geschehen werden, den Einbruch des Irrationalen ins scheinbar normale Leben. Dem Regisseur Dominik Moll geht es auch darum, dass man immer wachsam sein sollte und nichts als gegeben hinnehmen darf. Alain hält alles für selbstverständlich und gerade deswegen stürzt auch seine Welt ein.

„Meine Idee war, von einem banalen Ereignis des alltäglichen Lebens - von einem verstopften Abfluss- auszugehen, um dann ins durchsichtige Gewässer abzugleiten und sich dabei auch Abstecher ins Phantastische zu erlauben.“ (Dominik Moll, Regisseur)

Kontrollverlust
Der Film zeigt eine Person, die alles im Griff haben will, aber dessen Leben langsam aus den Fugen gerät. Der Regisseur schafft es mit einfachen Mitteln, eine unglaubliche Spannung aufzubauen. Man wird regelrecht in den Sog der Geschehnisse hineingezogen, ist mit dem Protagonisten auf der Suche nach Auswegen und weiß als Zuschauer bald selbst nicht mehr, was Wirklichkeit und was Traum ist.
Dieses geistige Fordern des Zuschauers scheint vom Regisseur durchaus beabsichtigt zu sein.

„Mir gefällt es, wenn der Zuschauer seine Erfahrungen ständig in Frage stellt. Ich will ihm Türen öffnen und einige wieder schließen um dann weitere zu öffnen.“ (Dominik Moll)

Spannender Ehethriller
Trotz der vielen Verwirrungen und Grenzüberschreitungen zwischen Rationalem und Irrationalem weist die Geschichte dennoch eine innere Logik auf, sodass man sich als Zuschauer nicht ganz verloren fühlt. Man merkt, dass unglaublich viel und präzise Arbeit hinter dem Film steckt, an dem der Regisseur drei Jahre lang getätigt hat. Man erkennt bald, dass wirklich alles, auch kleine Details wie eine Ohrfeige eines Nachbarjungens, von Bedeutung und Symbolik sein kann. Alles im Film, angefangen vom Ton über die Lichtsetzung, sowie die perfekte Besetzung der Figuren, wurde bis ins kleinste Teilstück durchdacht. Die lange und ausgetüftelte Arbeit am Film hat sich allemal bezahlt macht. Lemming hat alles was ein guter Film haben muss: Glaubwürdige Schauspieler, eine interessante und mysteriöse Geschichte, Tiefe und Aussagekraft, fesselnde Spannung und eine formal perfekte Umsetzung!

Kinostart: 3. November

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AutorInnen

Judith Drexler

Judith Drexler

Sorge dich nicht um das was kommen mag, weine nicht um das was vergeht, aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren, und weine, wenn du dahintreibst im Strome der Zeit, ohne den Himmel in dir zu tragen. (Friedrich Schleiermacher)

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