2007-04-02 00:11:08
Wer an den beiden Vorgänger-Alben "Infinite Love Songs“ und "Rose“ gefallen gefunden hat, wird das neue Album "Lady Sleep“ von Maximilian Hecker lieben.
Vorweg: Jeder Mensch hat andere Methoden/Vorlieben, um sich von den alltäglichen Stresssituationen zu erholen. Einige werfen sich vor die Glotze oder entspannen sich bei einem guten Buch, andere legen eine CD ihres Vertrauens ein und lassen sich von der ausgewählten Musik in den Traum begleiten. Jedem das Seine. Ich gehöre auf jeden Fall zu den letzteren - nennen wir sie „Musikentspannungstypen“. Diesem Typus von Mensch werde ich nun in den folgenden Zeilen eine CD ans Herz legen:
Doubts have vanished
all is clear
white, smooth, endless, outright, sheer
and I smile as I rise into heaven
(Maximilian Hecker, "Snow", Lady Sleep)
Lady Sleep
Als "Infinite Love Songs" im Herbst 2001 auf Kitty-Yo veröffentlicht wurde, standen viele Musikkritiker Kopf. Das Debüt vom einfühlsamen, traumwandlerischen und ständig zerbrechlich wirkenden "Kuschelrocker" wurde hochgehalten und im Jahr '01 als eine der besten und schönsten Veröffentlichungen im deutsprachigen Raum gehandelt. Es folgte 2003
mit "Rose" ein vergleichbar gutes Album, welches er im Gegensatz zu "Infinite Love Songs" nicht alleine in seiner Wohnung, sondern gemeinsam mit Gareth Jones (Erasure, Einstürzende Neubauten, Depeche Mode, Wire) im Studio von Guy Sternberg produzierte.
Jetzt legt Hecker mit "Lady Sleep" (Kitty-Yo) sein drittes Album vor, auf welchem er die kitschigen Synthiepop-Flächen und elektronische Momente – wie sie auf den beiden Vorgängern zu hören waren – ganz weglässt. Stattdessen beschränkt er seine Musik viel mehr aufs Essentielle.
Sein melodiöser, eingängiger Gesang wird von zarten Klaviertönen, schüchternen Gitarren und Streichern, die sich nach dem Horizont strecken, begleitet. Songs, die fast gänzlich ohne Schlagzeug auskommen, E-Musik-Ansätze besitzen und Gedanken auslösen, die voller Gefühl und Sehnsucht stecken.
Gespeist werden die elf Songs aus einer gefühlsmäßigen Aufgeladenheit, dargeboten mit nicht minderer Hingabe. Sie bauen sich langsam auf, halten in der Mitte inne, um sich den nötigen Raum zu schaffen, der daraufhin mit Liebe, Geborgenheit, Weltschmerz und Glück voll gepumpt wird. Dieser Vorgang passiert zurückhaltend, abwartend und in kleinen Dosen. Denn: Die Dosis macht das Gift. Bei "Yeah, Eventually She Goes" kommt es dann endgültig zum emotionalen Ausbruch des Wahlberliners. Dabei wird wild in die Gitarren gehauen und die Verzweiflung nur so herausgebrüllt und geraunzt – Schmerz lass nach!
Eines müssen wir uns zum Schluss aber vor Augen halten: Die Musik von Maximilian Hecker funktioniert nur, wenn man es auch zulässt.
Maximilian Hecker Live
15.02.'05 – WUK/Wien
17.02.'05 – PPC/Graz
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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