2009-03-16 17:06:17
„Gut gegen Nordwind“ hat in „Alle sieben Wellen“ eine Fortsetzung gefunden. Daniel Glattauer lässt Emmi und Leo wieder e-mailen.
Emmi Rothner und Leo Leike haben virtuell so einiges durchgemacht. Emotionen sind über die Tasten geflossen, beinahe eine Cyberliebe ist im Laufe von Daniel Glattauers Gut gegen Nordwind entstanden. Doch gefunden haben sie sich nicht. Das Ende war der LeserInnenschaft zu unbefriedigend, es hagelte Protestmails. Nun endlich ist die lang ersehnte Fortsetzung mit dem Namen Alle sieben Wellen erschienen.
E-Mail für dich
Das Tempo in Emmis und Leos Beziehung ist rasant und stagnierend zugleich. Passagenweise entwickelt sich die Geschichte im Sekundentakt weiter, während an anderen Stellen mehrere Wochen zwischen den Antworten liegen. Der Grund erscheint beinahe logisch. Emmi und Leo sind temporär mehr abwesend als anwesend, bedingt durch individuelle Beziehungsunstimmigkeiten.
Emmis Ehemann weiß mittlerweile Bescheid und die Kinder zeigen sogar Interesse an dem Internetflirt. Auch bei Leo hat sich einiges verändert. Er befindet sich mit Pamela – sein "Mitbringsel" von der Flucht nach Boston – in einer neuen Beziehung. Es wird um den heißen Brei geredet, bis schließlich das lang ersehnte Treffen zu Stande kommen kann.
Alle sieben Wellen
Trotz der vielen Möglichkeiten, die das Web 2.0 bietet, lässt Glattauer seine ProtagonistInnen schon fast altmodisch über E-mail verkehren. Kein Facebookprofil kommt zur Sprache, kein Blog zur momentanen Beziehungssituation wird ausgegraben. Genau wie Gut gegen Nordwind hält auch Alle sieben Wellen einige unerwartete Überraschungsmomente bereit.
Viel über die Persönlichkeiten seiner Figuren gibt Glattauer nicht preis, fast so, als wolle er die beiden vehement vor dem Klischee des virtuellen gläsernen Menschen schützen. Vielleicht wäre es wünschenswert mehr über Emmi und Leo zu erfahren, vielleicht ist es aber gut, nur das nötigste zu wissen. Stimmig werden die gemeinsamen Treffen in subjektive Erfahrungen gefasst, sodass man das Gefühl hat, selbst dabei gewesen zu sein. Alle sieben Wellen ist Fortsetzung und zugleich Ende einer Geschichte über eine immer moderner werdende Art Beziehungen zu führen.
Alle sieben Wellen
von Daniel Glattauer
erschienen im Deuticke Verlag
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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