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Landflucht? Stadtflucht!

2007-04-02 00:10:56

Der junge deutsche Schriftsteller George Lindt veröffentlichte vor kurzem den Hörroman von seinem jüngsten Werk „Provinzglück“, in dem wieder einmal das Dilemma rund um die leidvolle Beziehung Stadt-Land ausgemalt wird. Und kein Geringerer als der oftmals vom TV-Schirm herunterlachende Christian Ulmen leiht dem Roman seine Stimme.

„In meinem Roman Provinzglück stelle ich auch ganz stark die Frage, wie man einen Lebensabschnitt neu beginnen kann, indem man einfach sagt, wenn ich jetzt zurückgehe in meine Heimatstadt, in meine Provinz in dem Fall, ob man das als Scheitern definieren kann, ob das negativ ist, ob man das unbedingt negativ belegen muss und ob das nicht einfach der Mut ist, zu sagen: Ich probiere jetzt einfach noch mal was Neues!“ Diese auf der Zusatz-DVD zu findende Aussage stammt von dem deutschen Autor George Lindt, der vor kurzem seinen Hörroman zu dem Debüt-Buch „Provinzglück“ veröffentlichte, auf dem der famose Christian Ulmen als Sprecher fungiert, und verdeutlicht: eine Interviewanfrage zugunsten seines neuen audiovisuellen Versuches wäre obsolet, weil der in den 70er Jahren in einem deutschen, irgendwo zwischen A und B liegenden „Kaff“ aufgewachsene sympathische Autor bei den hier zu findenden Interviews alle essentiellen Fragen mit klugen Thesen beantwortet. Das Package, bestehend aus zwei CDs, die den Inhalt des Romans enthalten, und einer DVD, die als Inhalt verdiente Songs zwischen Tocotronic, Die Sterne, Adam Green und Bright Eyes und ein paar Specials wie Interviews mit dem Autor und dem Sprecher aufweisen kann, ist durchaus gelungen.

„Das ganze Leben entspricht ja nicht der Realität!“

George Lindt wohnt zurzeit – wo sonst? – in Berlin und dreht dort Dokumentarfilme, produziert Hörspiele, betreibt eine Plattenfirma namens „Lieblingslied Records“ und ist Herausgeber der Reihe „Songs & Storys“ im Krüger Verlag. Und, wie in seiner Kurzbiografie auch noch so nett erwähnt wird, er hat oft Heimweh nach Vergangenheit. Als Sprecher suchte er sich den nicht gerade unbekannten Christian Ulmen, dem der Durchbruch wohl als gleichnamiger Protagonist in dem Film „Herr Lehmann“ gelang und der uns sonst als MTV-Spaßvogel von der Mattscheibe herunterlacht, aus, der mit seiner für dieses Genre passablen Stimme zu überzeugen weiß. Ulmen meint dazu: „Ich mag generell die Stimmung des Vorlesens und ich finde es auch in Ordnung, wenn man hört, dass gelesen wird.“ Inhaltlich ist der Roman genau deshalb so spannend und unberechenbar, weil hier nämlich mal eine andere Herangehensweise an das ewige Thema „Stadt oder Land, Metropole oder Kaff?“ stattfindet: Jan lebt in Berlin und muss sich mit unterbezahlten Kreativjobs über Wasser halten. Ausgerechnet zum 30. Geburtstag bekommte er ein lukratives Angebot aus der Provinz. Nun muss er mit seiner aus Berlin stammenden Freundin darüber diskutieren und sich auch selber fragen, wozu er denn jetzt eigentlich mehr Lust hat: Stadt oder Land? Mehr sei an dieser Stelle über den Inhalt nicht verraten, lesen muss man schließlich selbst. Wert legt Lindt aber auch auf die Figur des im Mittelpunkt stehenden Jan: „Wichtig war mir auch, zu sehen, wie eine Figur funktionieren kann, die einen Freundeskreis, den sie sich in der Großstadt aufgebaut hat, verlässt und wieder auf einen alten Freundeskreis zurückgreift, und so guckt, was funktioniert da, was bedeuten alte Klassenkameraden, was bedeutet die 1. Freundin, was bedeuten die Eltern.“ Und: „Dieses plakative In-der-Provinz und das plakative In-der-Großstadt, die habe ich eigentlich gegenübergestellt und die habe ich absichtlich auch so gelassen, wie sie auch existieren in verschiedenen Facetten, das war mir sehr wichtig, das so auch zu machen.“ Die ein Jahr später – der Roman wurde ja bereits im Sommer letzten Jahres veröffentlicht – nachgeschossene DVD ist also ein Muss für jene Leser, die sich die Frage, wo man nun leben soll, auch mit ironischem Unterton vorstellen können. Aber für uns urbane Bobos gilt natürlich jenes von einer zum Thema „Berlin oder Kaff?“ befragten Person getätigte Statement: „In Berlin finde ich gut, dass alles ein bisschen egal ist.“ Schön, wat?!

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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