2007-12-30 00:47:24
Wie Emoticons ein konfliktfreies Zusammenleben ohne Missverständnisse garantieren wollen... Ein Kommentar? Eine Aufforderung!
Grausen, Aggression, Brechreiz, sogar Wunsch nach Freitod. Das plötzliche Aufkommen jener vermutlich weniger wünschenswerten Gefühlsregungen kann nur eins bedeuten: Ein geistig gesunder Mensch wurde beim Checken seiner E-Mails zum wiederholten Male dazu genötigt, nach jedem zweiten Satz folgendes vorzufinden: :-) bzw. den noch schlimmeren Verwandten: ;-). Und von ;-P wollen wir gar nicht erst sprechen. Leider erfreuen sich die sogenannten Emoticons einer viel zu großen Beliebtheit und werden uns im Gegensatz zu Trend-Eintagsfliegen wie Jojos, Tamagotchis, Plateauschuhen und diesen schrecklichen Dreieckskopftücher (ich bin ein Kind der Neunziger) noch länger erhalten bleiben. Ja, wir müssen den Tatsachen wohl ins Emoticon verseuchte Monokel blicken, denn diese seelenlosen Grinsedinger haben sich langsam, aber sicher mit fortschreitender Nachdringlichkeit in die tägliche Kommunikation unserer vernetzten Welt eingeschlichen.
I’m a smiley, baby…
Emoticons bezeichnen nach meiner Definition das nicht Fleisch, sondern Schrift gewordene Smiley, in all seinen Variationen und Erweiterungen. Ursprünglich ins Leben gerufen, um in Kreisen computergestützter Kommunikation eine schnelleres, unmissverständlicheres Vermitteln von Gefühlen via Satzzeichen zu ermöglichen. Ob Tom Hanks als Forrest Gump sich der Tragweite seiner neu aufgelegten Schöpfung des Strichi-Gesichti damals bewusst war, als er beim Marathonlaufen den ersten Smiley in ein T-Shirt schwitzte? Das ist wohl auszuschließen. Ansonsten hätte er mit Sicherheit das heilige Smiley-Shirt von Turin diesem Typen wieder entrissen und zusammen mit seiner Fan-Lauf-Gemeinde auf dessen Grundlage ein wahrhaftiges Feuer entfacht, um welches alle dann weiter drum herumgelaufen wären, bis auch jeder letzte Funken der kurzweiligen Erinnerung an das Lachgesicht verloschen gewesen wäre. Aber da nicht in dieser Weise erfolgt, gilt es anzunehmen, dass nicht einmal Tom Hanks - ein Mann von solchem Talent und Kaliber - eine derart rasant-mörderische Entwicklung der lachenden Visage samt ihren Nachwirkungen voraussehen hätte können.
… so why don’t you kill me?
Bei aller Begeisterung sind die Smiley-Anhänger und Emoticons-Verfechter dieser Welt dennoch in letzter Zeit in zunehmende Bedrängnis geraten. Zumindest wäre dies im Sinne der Verfasserin eine äußerst erstrebenswerte Entwicklung. Wäre ich eine Person von öffentlicher Wirkung und Wichtigkeit, würde ich ähnlich einer ehemaligen Bildungsministerin dieses Landes folgendes befehlen: „Weniger Emoticons und mehr Kinder in die Welt setzen, ihr jungen Leute der Nation!“. Dies ist leider nicht der Fall. Diese Gebilde aus Semikolon und Doppelpunkten verbreiten sich kontinuierlich weiter und beeinflussen unsere Leben mehr als diese konsensuellen Dauergrinsezeichen uns lieb sein sollten. So fühlen sich viele Menschen bereits nicht mehr in der Lage, smileyfreie Nachrichten in Form von E-Mails, SMS, Forenbeiträge etc. zu verfassen. Zumindest nicht, ohne noch Nächte darauf sich in Betten hin und her zu wälzen vor lauter Qualen und Ängsten, in ihren Nachrichten zu streng gewirkt oder irgendwie vielleicht doch eventuell zu fies gewesen zu sein. Es lebe daher die von Smileys unterstützte und geförderte Konfliktscheu, welche Menschen die Chance bzw. das Recht nimmt - durch das Setzen von Emoticons an jeder zwei- oder mehrdeutigen Stelle – die an sie gerichteten Botschaften selbstständig bewerten zu können und zu dürfen. Emoticonsfreie Nachrichten sind Menschenrecht.
Ich frage mich, wie es soweit kommen konnte, dass ich mich - besonders bei Mitteilungen an weniger geschätzte Personen - dem Zwang ausgesetzt fühle, einen verblödeten Smiley zu setzen, um damit etwaiger Kritik bzw. Forderungen meinerseits die Brisanz zu nehmen, obwohl eigentlich nicht anders als ursprünglich und unrelativiert gemeint. Wo bleibt das Vertrauen in unsere Mitmenschen? Jetzt erst verstehe ich den Sinn und Ursprung von solchen Liedern wie „Where is the love?“.
No Smile, No Friends
Sollte die betont kritische Leserschaft trotz ausführlicher Schilderung des Tatbestands einer zunehmenden Invasion von Emoticons – diese plakativsten aller Zeichen von Schwäche - in sämtliche Lebensbereiche nicht restlos überzeugt sein, bitte ich die werten Leser den ultimativen Selbstversuch zu wagen. In einer Situation, bei welcher direktes Feedback eine konkrete Möglichkeit darstellt (z.b. Chat), sollen dabei einige Zeilen ohne jegliches Verwenden von Emoticons an eine andere Person gerichtet werden. Allein die Erfüllung der Aufgabenstellung wird sich dabei schwieriger gestalten als erwartet, wie Sie sehen werden. Wenn sich meine These zur kollektiven Smiley-Manie bestätigt, wird die Versuchs-Chat-Person – jahrelang mit Smileys und Emoticons sozialisiert - Ihnen Unfreundlichkeit, Schmollerei oder ähnlich bitchy Eigenschaften unterstellen.
Keep on Smiling?
Den Missstand erkannt und jetzt? Was also tun als letztes, vernünftig denkendes Wesen in dieser Keep-On-Smiling-Welt? Nun, dies kann so leider auch nicht stehen bleiben. Bevor sich etliche Kommentare hier wieder finden, die mich ebenfalls als Benutzerin der Konsens-Lach-Gebilde entlarven, gestehe ich: „Auch ich habe jahrelang Unsicherheiten in Bezug auf meine Person mit Emoticons überspielt.“ Und ich befürchte weiters, dass der Einsatz von Smileys und Co. bei zukünftig anstehenden Gruppenarbeiten und ähnlich Verwerflichem in Zeiten beinahe ausschließlicher computergestützter Kommunikation immer wieder von Neuem notwendig sein wird.
Dennoch würde ich mir wünschen (und das darf jeder von Zeit zu Zeit), dass mein nach Smiley/Emoticons-Reduktion schreiender Appell wieder mehr schriftliche Aussagen, Wortmeldungen und Kommentare zufolge hätte, die in ihrer Reinnatur stehen gelassen werden. Altmodisch von Emoticons verschont und unkommentiert stünde es dem Empfänger daraufhin wieder frei, in welcher Art und Weise er jene zu interpretieren und bewerten gedenkt. Ohne dass :-), ;-) und schon gar nicht, ;-P dies zu übernehmen versuchen. In diesem Sinne: „Setzt kein Zeichen!“
On est toujours jaloux du métro des autres. C.G.
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madame,
soviel sogleich: ich küsse ihnen die füße. meine hochachtung! trotzdem werde ich mal Ihre sms an mich überprüfen müssen...harr harr.
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ich bemühe mich
hier ohne satzzeichen auszukommen
ist garnicht so leicht da ich sie liebe
und trotzdem gefällt mir der text
puh gar nicht so leicht hier keine zwei dächer zu setzen
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sehr vorbildlich
wird das hier schon umgesetzt...
^^ verwende ich nach wie vor, ist voll okay.
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