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Kochen für die Sinne

2009-09-03 15:48:07

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Kochen ist ein Wundermittel. Es bringt Abwechslung, gutes Essen, Fernseh-, Buchverträge. Und Unerhaltung, was Nora Ephrons Julie&Julia mit Meryl Streep als Küchenvirtuosin unter Beweis stellt.

Es waren einmal zwei Frauen, die in einer Lebenskrise steckten. Über fünfzig Jahre und ein Kontinent trennten sie voneinander. Eine lebte in Paris, eine im hintersten Viertel New Yorks. Die eine suchte Abwechslung vom langweiligen Diplomatenalltag, die andere brauchte Ablenkung vom emotionalen Berufsleben. Da kam das Essen ins Spiel. Denn was gegessen wird, muss gekocht werden.

Mastering the Art of French Cooking

Regisseurin Nota Ephron verknüpft in Julie & Julia die Werke zweier Frauen zu einem komplexen Plot. Julia Childs My Life in France und Julie Powells Julie&Julia werden zu zwei Handlungssträngen mit gravierenden Zeitunterschieden, aber derselben Aussage. Kochen ist Leidenschaft, Leidenschaft stärkt zwischenmenschliche Beziehungen. Mit der Auswahl der Akteurinnen bekommen Julie und Julia authentische Gesichter. Meryl Streep als 1,85m große Julia Child, Amy Adams verkörpert die fast 30jährige Julie Powell.

Julia und Paul Child verbringen die Nachkriegsjahre in Frankreich, wo Paul als Diplomat arbeitet. Das Essen inspiriert Julia auf der Suche nach einer Beschäftigung. Auf die Frage, was sie den gerne tut, weiß sie nur das Essen der butterreichen französischen Küche als Antwort. So steht dem Einschreiben in der Cordon Bleu Kochschule nichts im Weg. Auch nicht die Tatsache, dass der gehobene Kochbereich nur von Männern dominiert wird.

Die ehemalige Schriftstellerin Julie Powell sucht Ablenkung vom Alltag, den sie mit der telefonischen Beratung von 9/11 Opfern verbringt. Julia Childs Kochbuch Mastering the Art of French Cooking hatte schon in Julies Kindheit den Status eines Mythos. Mit der Idee sich durch Julias Werk zu kochen und das Ganze per Blog zu dokumentierten – 524 Gerichte in 365 Tagen – nimmt Julia Child als imaginäre Freundin immer mehr Gestalt an. Dazu gesellte sich rasch eine Schar von Bloglesenden.

Julie & Julia

Dialoge zwischen Julie und Julia mit ihren Männern fließen ineinander, was Julie beginnt wird von Julia vollendet. Getroffen haben sich die beiden Damen nie, einen pathetischen Höhepunkt des Kochspektakels vermeidet Ephron. Trotz Amy Adams begeisternder Fähigkeit eine graue Maus zu einer kochenden Akrobatin zu verwandeln, ist es Meryl Streep, die das Geschehen dominiert.

Ausstaffiert und mit klein gehaltenem Stanley Tucci als Ehemann an ihrer Seite, brilliert sie schwerfällig und plump. Negative Attribute, die in Streeps Darstellung aber durchaus positiv zu werten sind, machen Julie & Julia erst sehenswert. Ironisch, dass die Endvierzigerin in den frühen 1960er Jahren ein spannenderes Liebesleben hat, als die kuschelnde Dreißigjährige 2002. Gegönnt soll es ihr dennoch sein.

 

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AutorInnen

Lena Fürnkranz

Lena Fürnkranz

We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)

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