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Klaxons - mit Leuchtstäben in den Abgrund

2007-04-02 00:11:32

Nun ist es da, das heiß ersehnte Debütalbum der Klaxons, die zu den Anführern des New Rave-Hypes gemacht wurden. Viel Getöse um wenig.

Die Ausläufer des Wirbelsturms „NME“, der – wie könnte es auch anders sein – sich für diesen Hype namens New Rave verantwortlich zeichnet, haben zwar mit gewohnter Verspätung, jedoch noch immer mit genügend Bizeps die Alpen überquert. Einigen dürfte dieser mediale Sturm – nun ja – den Verstand geraubt haben. Denn was sich manche Leute in Bezug auf diese keineswegs neue und obendrein noch mit dem saudummen Namen betitelte Musik schön und vor allem einreden müssen, um es schlussendlich auch glauben zu können, was einem von allen Seiten vorgebetet wurde, ist schon etwas bedenklich.

Die Hauptprotagonisten, also die, um die es hier im Eigentlichen geht, sind die Klaxons. Sie sind New Rave, heißt es zumindest. Hierbei handelt es sich um ein aus England stammendes Trio, dessen Debütalbum schon lange vor der Veröffentlichung in den siebten Himmel gelobt wurde. Alles, was man zu diesem Zeitpunkt kannte, waren Singles und eben das, was einem diverse „Werbeblätter“ als das neue, große Ding verkauften. Und viele saugten es auf, als wäre es feinstes Kokain, obwohl es sich doch nur um Backpulver handelte. Aber wenn man sich eine Sache lange genug einredet, wird auch das Schlechte zum Guten und vice versa.


Die Klaxons                          Alle Foto: www.myspace.com/klaxons

Das mit „Myths Of The Near Future“ betitelte Werk bringt keine großen Überraschungen mit sich. Songs wie „Atlantis To Interzone“ oder „Gravity´s Rainbow“, die man in diversen Wiener Clubs ja schon im Vorfeld zu hören bekam, kann man als Stellvertreter für das ganze Album betrachten. Mag sein, dass hier etwas Rave der 90er Jahre mitschwingt, aber von einem New kann hier keineswegs die Rede sein.

Die Klaxons kämpfen mit Synthesizer-Sounds gegen das handelsübliche Rocker-Dasein an. Dazu wummert der Bass, heulen die Sirenen, scheppert, rumort es gewaltig und die Basedrum klopft zielstrebig im 4/4-Takt. Da lässt sich ordentlich das Tanzbein schwingen. Der Gesang erinnert an die Scissor Sisters, jedoch etwas weniger schwul. So weit so gut. Aber was daran so neu sein soll, ist und bleibt mir ein Rätsel.

Scooter, Wrestling und anderer Schwachsinn
Auch in Wien sind die Klaxons omnipräsent. Nona. Umgesetzt wird dieser Hype jedoch mit viel zu viel geistloser Effekthascherei und Selbstdarstellungskunst, die ins völlig Lächerliche abdriftet. Der Hedonismus, der dabei gehuldigt wird, erreicht eine neue Dimension: Wer hat die geilsten Leuchtstäbe, die neonfarbensten Brillen, die schrägsten Klamotten oder die dümmste Frisur. Diese Art von "essentiellen" Fragen stellen sich wohl die Damen und Herren, bevor sie in einem bestimmten Wiener Club zu den Klaxons – aber auch zu dem gachblonden und Solarium verbrannten Scooter (!!!) – völlig ausflippen. Dabei wird dann auch noch der Fasching zum Alltag gemacht und der Proletensport Wrestling als superleiwand dargestellt. Auweia!

Das Debütalbum der Klaxons ist kein schlechtes und funktioniert in Clubs hervorragend. Schade ist nur, dass man es wieder einmal geschafft hat, eine keineswegs schlechte Band, wie die Klaxons es sind, derartig zu Tode zu trampeln.

Klaxons live: 19.03.2007 – Wien/Flex

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AutorInnen

Marco Weise

Marco Weise

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