2008-06-24 12:19:08
Freundschaft und Zuneigung gehen über das rein Äußerliche hinaus. Diese Erfahrung muss das Mädchen Holly Lock machen, als sie sich mit Jack anfreundet, den die Leute meiden, weil sein Kopf deformiert ist und einem Schwein gleicht.
Eine ungewöhnliche Freundschaft entwickelt sich zwischen dem jungen Mädchen Holly, die gerade in der Pubertät steckt, sich mit ihrer alleinerziehenden Mutter herumschlagen muss und von ihrer intriganten Freundin Samantha genervt wird, und dem etwas älteren Jack, der seit seiner Geburt an einer äußerlichen Deformation leidet und deswegen einen abnormalen Kopf hat, der Ähnlichkeit mit einem Schwein besitzt.
In der ganzen Stadt wird er deswegen gemieden und von den Leuten verspottet. Seine alkoholsüchtige und gebrechliche Mutter steht ihnen in Nichts nach, sein Vater hat die Familie vor einigen Jahren wortlos verlassen. Einsam lebt Jack dahin, kümmert sich trotz aller Schikanen um seine Mutter.
Er fühlt sich für ihr Leid verantwortlich.
Liebe, Wärme und Mitgefühl bekommt er nur von seinen Schweinen, die er liebevoll hegt und pflegt. Einst hatte er sie mit seinem Vater angeschafft und im Keller des Hauses untergebracht.
Nur sein Pigtopia hält für ihn die Zuflucht bereit, die er braucht, um überleben zu können. Eines Tages wird Jack auf Holly aufmerksam. Die beiden teilen viel mehr miteinander als es zu Beginn scheint. Jack zeigt ihr sein Reich mitsamt den Schweinen, die Holly freudig willkommen heißen. Doch wie lange wird ihr Geheimnis verborgen bleiben?
Die Involvierung von Holly in Jacks Welt bringt neue Gefahren mit sich. Die einst sicheren Wände von Pigtopia beginnen langsam zu bröckeln.
Vielleicht war sie ein Fehler, diese Bekanntschaft.
Das andere Gesicht
Pigtopia ist eine liebenswürdige Geschichte, die wie eine Fabel anmutet, sich mit den Kapiteln immer mehr zuspitzt und in ihren dunklen Momenten ziemlich brutal werden kann. Kitty Fitzgerald lässt in ihrem ungewöhnlichen Roman zwei Sicht- und Erzählweisen aufeinander prallen. Jack Twist erzählt seine Perspektive in brüchiger, mit grammatikalischen Fehlern gespickter aber durchaus charmanter Sprache. Er beschreibt seine Erlebnisse, seine Gedanken, seine Ängste und Hoffnungen.
Holly Lock hingegen übt sich in jugendlicher Redeweise, ohne abgeänderte Worte und Laute, wie es bei Jack der Fall ist.
Jeder neue Abschnitt wechselt den Protagonisten.
Aus der Balance von infantil aufgebrochener Romantik, Isolation, Outsider-Drama mit tragischem Schicksal und horrorartigen Schockelementen, entwickelt das Buch einen ungewohnten und frischen Charakter. Fitzgerald schenkt der Geschichte ein versöhnliches Ende, ohne auf Tod, Schmerz und Veränderungen zu verzichten.
Im Grunde besitzt jeder sein eigenes und persönliches Pigtopia: Einen privaten Ort, zu dem man zurückkehren kann, um Ruhe und Kraft zu schöpfen oder um einfach ein kurzweiliges Buch zu lesen.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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