2008-09-28 15:27:35
Ist es tatsächlich eine Sünde Bands wie Pearl Jam und U2 zu favorisieren? Nein. Kings Of Leon bringen mit ihrem neuen Album sowohl Fans, als auch Gegner in Wallung. Eine Platte mit genügend Potential für glühende Diskussionen.
Nein, die Luft ist nicht raus.
Eine Band erlebt ihren zweiten Frühling und entdeckt traditionelleres Songwriting für sich.
Blood, Sweat & Tears
Die Dunkelheit ist ihr wirkliches Zuhause.
Nach der dezenten, aber wirksamen Neuorientierung auf Because Of The Times, läuten die Kings Of Leon nun die nächste Vollmondphase ein. Hatte der Vorgänger noch gewisses Südstaatenflair (New Orleans und Sümpfe lassen grüßen), so ist Only By The Night mehr eine aufgeweckte Stadtplatte.
Das hypnotische Closer ist die erste Ortstafel, die man auf seiner Reise hinter sich lässt, während Sänger Caleb Followill von Vampiren und den Schattenseiten des Lebens erzählt.
Dunkles Verlangen quillt aus allen Poren. Crawl macht genau da weiter. Ein öliger Groove, eine große Portion Sexyness und eine Fuzzbass-Breitseite sorgen dafür, dass sich der Song allmählich zum Hit mausert, wie die gesamte Platte, die anfangs eher verhaltene Begeisterung auslöst. Die Single Sex On Fire gerät zur beschwörenden Aufforderung mit mächtigem Refrain, die es sich auf den Betten und Matratzen bequem macht. Verraucht, verrucht, sexy.
Herzzerreisend schön sind hingegen Use Somebody und Revelry und im anschließenden Manhattan rauschen die Lichter der Großstadt an einem vorbei, vorgetragen mit erhabener Melodie. Es sind Songs über verpasste oder ungenützte Gelegenheiten, Sehnsucht, schmerzhafte Erinnerungen und natürlich Mädchen (17).
Schlafzimmerlieder für die Stadt, die niemals schläft.
Ein Stück weit neu
Nach der Verwirrung der ersten Durchläufe: Dieses Album kann was.
Only By The Night ist nie ganz entfernt vom Sound früherer Tage und doch richtet es den Blick auf Neues.
Es ist in sich stimmig und ausgewogen, es ist traurig, besänftigend und zärtlich, kann aber auch böse knuspern und reudig sein (Be Somebody, wo sich Drummer Nathan Followill hörbar austoben darf).
Die Songs kreisen um das menschliche Mit- und Gegeneinander, die Liebe hat überall ihre Finger im Spiel. Inmitten der Unbehaglichkeit der Situation entladen sich unwiderstehliche Refrains, Sex On Fire als Paradebeispiel. Die Musik ist drückend vorgetragen von Kerlen, deren Hemd weit offen steht.
Caleb Followill traut sich als Sänger mehr. Seine Stimme klingt heiser, kehlig und kratzig, als ob er unzählige Schachteln von filterlosen Zigaretten geraucht hätte, aber motiviert. Die Stimmbänder dürfen ruhig strapaziert werden und anschwellen.
Mit viel Leidenschaft und Soul haben die Gebrüder Followill + Cousin ein tolles Album hinbekommen, mit Songs, die sich zieren sofort erschlossen zu werden, die aber tight genug sind und kein Gramm Fett auf ihren Rippen haben. Die zehn Titel veranstalten kein Wettrennen in Richtung Hit, halten aber zäh zusammen wie Kaugummi.
Kings Of Leon waren früher eine Band, die sich an der aufkeimenden Retro-Welle orientierte, mittlerweile scheint die richtigere Ausrichtung gefunden worden zu sein, sitzt man doch seit dem grandiosen Vorgänger Because Of The Times sattelfest im Südstaaten-Sitz. Britisches Verständnis davon, wie man einen richtig guten Popsong schreibt, haben sie ja schon immer intus gehabt.
Doch mittlerweile ist da mehr als nur die coole LoFi- und Garagenattitüde.
Der Vergleich mit U2 wird in vielen Reviews angeführt. Bono ist bekanntlich stolz auf die Jungs, Pearl Jam sind auch angetan und Bob Dylan mag sie ebenso.
Only By The Night ist eine Platte voll schwebender Melancholie, deren Sound mit Verlauf immer versöhnlicher wird (17, Notion, die Country-Romantik in I Want You).
Hitzige Schwermut verbreitet Cold Desert, bevor die wüsten Prügelknaben (Brüder dürfen auch mal miteinander raufen) die Death Valley für dieses Mal verlassen dürfen.
Nun sollte es aber auch in ihrer Heimat mit dem Erfolg klappen.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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