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musik

Kettcar - Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen

2007-04-02 00:11:59

Zerrgitarre trifft Lagerfeuerklampfe und Stockhausen Bill Gates...

„Kettcar (zu deutsch: Kettenauto) ist der Markenname eines Tretautos für Kinder.
Der "Antrieb" solch eines Kettcars, erfolgt wie der Name schon verrät, über eine Kette.“
(Quelle: Wikipedia)
 
Vermutlich haben auch Marcus Wiebusch und seine Mitmusiker so ein Fahrzeug besessen, ehe sie es zum Namensgeber ihrer Band gemacht haben. Nun haben Kettcar ihr zweites Album mit dem hübschen Titel „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ herausgebracht.
 
Geradliniger treibender Beat, abgestoppte Gitarrenriffs... in den ersten 15 Sekunden könnte man fast glauben, man hätte versehentlich eine CD von The Strokes gestartet, bis der Hamburger Dialekt beim Stimmeinsatz von Marcus Wiebusch rasch von dieser Illusion befreit. Nach dem gelungen kraftvollen Einstieg („Deiche“) führen die Tracks zwei und drei in melancholischere Gefilde. Akustikgitarre, Klavier, Streicher und filigranes Beserl-Schlagzeug prägen das Klangbild des sehr emotionalen Songs „48 Stunden“. „Einer“ startet sehr ähnlich wie Track 1 und entpuppt sich als bissige Schuldzuweisungs-Tirade („immer auf der Suche nach, der Suche nach dem Schuldigen, einer muss es immer sein, einer muss, ganz allein, erkennen und benennen“).   
 
Der vielen Nummern innewohnenden Traurigkeit wird des Öfteren mit trockener Ironie entgegnet, so heißt es etwa in „Balu“: „vergiss Romeo und Julia, wann gibt´s Abendbrot? Willst Du wirklich tauschen, am Ende waren sie tot“. Surreal wird es in „Stockhausen, Bill Gates und ich“, wenn Wiebusch von einer mit den beiden Herren im Aufzug verbrachten Nacht erzählt und zu guter Letzt noch den „gebrochenen Daumen von Carlos Santana“ hervorholt, Kinderchor inklusive.
Einen der schönsten Songs haben sich Kettcar für den Schluss aufgespart, dessen Lyrik gepaart mit dem ausgedehnten orchestrierten Finale „Nacht“ zum Tränendrücker des Albums macht. 
 
Wiebusch´s Timbre erinnert bei den lauteren Passagen immer wieder mal an Bob Mould, dessen ehemalige Band Hüsker Dü ebenso zu den Einflüssen von Kettcar zählt, wie die frühen Blumfeld oder Element Of Crime.
 
Nicht alle Songs erreichen die Klasse von „48 Stunden“, „Deiche“ oder „Nacht“, trotzdem gelingt Kettcar ein insgesamt rundes Werk, bei dem die Zerrgitarren ebenso zum Zuge kommen wie die akustische Lagerfeuerklampfe.

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