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musik

Keane in Wien

2007-04-02 00:11:58

Keane haben am 19. März im Rahmen ihrer Europatournee einen Zwischenstopp in Wien eingelegt. FM5 war beim Konzert im Gasometer dabei.

Eröffnet wird der Abend von Rufus Wainwright, der mit einer spacigen knallroten Version eines Tirolerhuts auftritt und sein folkrockiges Liedgut mit teils traurigen, teils sarkastischen und teils ulkigen („This is a song about potatoes“) Texten präsentiert. Keane outeten sich bei der nachmittäglichen Pressekonferenz als Fans des exzentrischen Singer/Songwriters, das Publikum war geteilter Meinung.

Dass man eine Konzerthalle auch ohne Gitarren rocken kann, beweisen Keane gleich mit ihrer Eröffnungsnummer „Can´t Stop Now“. Auch wenn viele instrumentale Zutaten, wie Bass, Streicher und Elektroniksounds aus dem Computer kommen, wirkt die Musik sehr lebendig. Der Rockfaktor ist vorrangig dem akzentuierten und punktgenauen Schlagzeugspiel von Richard Hughes und dem euphorisch in die Tasten hämmernden Tim Rice-Oxley zuzuschreiben. Tom Chaplin beherrscht freilich auch die eine oder andere Rockstarpose, wenngleich er eher die Person des sensiblen Sängers repräsentiert, der dem (weiblichen) Publikum tief in die Augen blickend die bittersüßen Texte mit viel Pathos vorträgt. Chaplin´s glasklare Stimme klettert dabei oft in Höhen, als wäre er einst den Wiener Sängerknaben entsprungen.

Die Musik / das Songwriting steht für Keane im Vordergrund, so werden technische Bühneneffekte auf Scheinwerfer und stimmige Videoprojektionen reduziert. Die Songs weichen live wenig von den Plattenaufnahmen ab, wodurch überraschende und improvisierte Elemente ausgespart werden, was aber der herzerfrischenden Wirkung der Musik keinen Abbruch tut. Live überzeugen sowohl die wuchtigen Hymnen wie „Can´t Stop Now“ oder die Bahn brechende – von Radioststationen leider etwas überstrapazierte – Hitsingle „Somewhere Only We Know“ als auch die berührenden Gänsehaut-Balladen wie „We Might As Well Be Strangers“ und „She Says She Has No Time“.

Keane tragen fast alle Nummern ihres ersten (und bisher einzigen) Albums „Hope And Fears“ vor, überraschen aber mit  zwei sehr überzeugenden Neukompositionen und treiben damit die Neugier auf das Nachfolgealbum gewaltig in die Höhe. Das Nichtmitsingen fällt durch den hohen Melodiefaktor selbst beim noch unbekannten Songmaterial schwer.

Die Band ist an dem Abend sichtlich gut drauf und bietet dem tobenden Wiener Publikum eine spielerisch einwandfreie und herzerfrischende Performance, die nach Wiederholung beim nächsten Stopp in Wien schreit.

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