2007-04-02 00:11:21
Karl Larsson gastierte vor kurzem im Wiener Chelsea. Wir haben ihn nach dem Konzert ein wenig ausgefratschelt und vor allem erfahren, dass wohl niemand jemals auslernt ...
Karl Larsson mag das Chelsea. Das ist so hübsch klein und gemütlich. Und die großen Shows liegen ihm ja ohnehin eher weniger. Festivals und so. Nein nein, Chelsea fits him much better. Da sitzt er dann nach dem Gig mit seinen Leuten, trinkt was, plaudert mit den Menschen, die noch das verzauberte Leuchten der letzten 45 Minuten in den Augen haben, gibt bereitwillig Autogramme – oder eben unsereins ein Interview.
Dass Last Days Of April keine große gehypte Band ist – wie andere Landsleute, sagen wir The Hives oder Mando Diao – kratzt Karl Larsson genau genommen gar nicht. Man habe diesen Anspruch ja auch nicht. Im Vordergrund stand und steht nach wie vor der Spaß.
Letztendlich geht es darum Spaß zu haben
Der Spaß an der Sache war auch die Motivation für das Projekt „Karl Larsson“. Musik zu machen mit Leuten, die er mag und mit denen er Musik machen will. Dass diese Leute alle schon bei Last Days Of April gespielt haben oder es nach wie vor tun, ist ihm egal. Spielt ja auch keine Rolle, denn Karl Larsson ist nicht das gleiche wie Last Days Of April. Wenn man den Eindruck hat, sein Soloalbum „Pale As Milk“ knüpfe dort an, wo „If You Lose It“, die letzte LDOA-Platte, aufgehört hat, dann aus dem einfachen Grund, dass das ganz natürlich ist. Es muss dort anknüpfen, denn immerhin entstammen die Songs auf „If You Lose It“ auch Larssons Feder. So ist das nun mal. Und wenn Leute das Soloprojekt mit Last Days Of April vergleichen wollen, was laut Larsson durchaus passieren könnte und definitiv passiert – na ja, auch egal. He doesn’t care.

Karl Larsson wirft dem Publikum im Chelsea einen verträumten Blick zu.
Spontan, intuitiv und doch irgendwie perfekt
Als sie mit den Aufnahmen für das Album begannen – Karl Larsson verwendet das Wort „wir“, denn im Grunde ist „Karl Larsson“ das Projekt von ihm selbst und Drummer Carl Wikman – war noch nicht klar, was konkret dabei herauskommen würde. Sie wussten noch nicht einmal, dass daraus tatsächlich ein Album werden sollte. Und ganz im Gegensatz zu Last Days Of April, wo viel Zeit damit zugebracht wird zu überlegen, zu feilen, passierte die gesamte Produktion von „Pale As Milk“, d.h. Songwriting, Recording und Mixing, innerhalb von vier Wochen. Also vollkommen abseits der sonst so typischen Perfektion. Obwohl das vielleicht auch nicht so ganz den Nagel auf den Kopf trifft, denn immerhin spiele man ja recht gut, sagt Larsson, und sei sehr zufrieden mit dem Album. Vor allem aber habe er viel dazugelernt: Dass es gar nicht unbedingt notwendig sei, allzu viel Zeit in eine Platte zu stecken, sich ewig lang Gedanken zu machen, alles regelrecht zu zerdenken und endlos herumzuprobieren; dass es vielleicht sogar besser sei, dies nicht zu tun.
Aber im Grunde – wenn schon der offenbar unvermeidliche Vergleich mit der „If You Lose It“-Platte kommt – klingt „Pale As Milk“ gar nicht einmal weniger perfekt. Nur eben spontaner und intuitiver. Im Visions spricht man von „spontaner Perfektion“. Dem kann man sich gut und gerne anschließen.

Danach zeigte er sich im Backstageraum aufgeweckt und redselig.
Tour quer über den Globus und im Winter heim nach Schweden
Wie es mit dem Projekt „Karl Larsson“ weitergehen wird, weiß er selbst nicht genau. Scheint in etwa so unklar zu sein wie am Anfang, als er mit Carl Wikman einfach mal einen Song aufnahm, und am anderen Tag einen weiteren und so weiter und so fort – bis sich plötzlich ein Album herauskristallisierte. Vorerst möchte er die Europa-Tour abschließen, die ihn auch nach England führen wird, danach soll’s nach Japan gehen und wieder nach Australien, wo er vor kurzem schon Konzerte gespielt hat, allerdings akkustisch und wirklich solo im Wahrsten Sinne des Wortes, was ihm eher weniger liegt, wie er gesteht.
Als Wintermensch wird er den Winter daheim in Schweden verbringen, wo er an einem neuen Last Days Of April-Album arbeiten will, in das die Erkenntnisse, die er auf seinem Solopfad gewonnen hat, einfließen sollen. LDOA-Fans dürfen also mit einer neuen Platte in der ersten Hälfte des kommenden Jahres rechnen. Hat sich Karl Larsson zumindest vorgenommen.
Text: Andreas Stückler
Interview: Andreas Stückler und Marco Weise
Fotos: Marco Weise
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