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musik

Kapitalismuskritik im Solarium

2007-04-02 00:10:52

Peter Licht macht uns auf seinem neuen Album „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ deutlich, dass es – auch unter negativer Beeinträchtigung des Kapitalismus – weiter geht.

Ein auf den Klippen stehender Mann – in Sakko und Bügelfalthose adrett gekleidet – hält seine rechte Hand ausgestreckt in Richtung des vor ihm liegenden Meeres. Das opulente Bild wird mit dicken weißen Lettern zugedeckt: „Lieder vom Ende des Kapitalismus“. Dieser Umstand lässt jedoch sofort die Frage aufkommen: Dieses Bild soll Kapitalismuskritik sein? Hätte man da nicht mit der Abbildung zweier von der kapitalistischen Gesellschaft ausgeschlossener, auf einer Parkbank lungernder Arbeitsloser, die sich aus Trost schon mal die nächste Weinflasche geöffnet haben, mehr Wirkung erzielt? Oder eine der zahllosen Vorstädte der US-amerikanischen Metropolen, in denen Menschen an der Armutsgrenze leben? Man bemerkt: Peter Licht wählt einen bewusst ironisch gesetzten Zugang zu diesem Thema. Denn das Cover seines neuen Albums „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ – dessen Inhalt das anfangs geschilderte Szenario ist – suggeriert nicht wirklich ein Bild des apokalyptischen, ausbeuterischen Turbokapitalismus.


Kritik, aber subtil
Will es aber vielleicht auch gar nicht. Denn mit Verlaub, das Leben im Kapitalismus ist nicht nur eine Abfolge schrecklicher Ereignisse. Zum Schluss bleibt uns ja doch immer der Wind, den Peter Licht im nur so von Melancholie und Liebesgefühlen strotzenden Lied „Es bleibt uns der Wind“ besingt. „Vorbei, vorbei, jetzt ist er endlich vorbei“ trällert er mit voller Freude über das – natürlich fiktive – Ende des Kapitalismus und erinnert dabei ein wenig an Funny van Dannen, der bei seinem Lied „Kapitalismus“ in dieselbe Kerbe einschlägt: „Ich will den Kapitalismus lieben, aber ich schaff es einfach nicht.“ ZU seinen teilweise überspitzt formulierten Aussagen meint Licht: „Jeder Slogan hat etwas Holzschnittartiges und Stumpfes und natürlich auch etwas Ungerechtes. Es liegt in der Natur der Slogans, dass sie immer ebenso falsch sind wie sie richtig sind. Damit arbeite ich natürlich, wenn ich ein Album „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ betitele. Das ist auch ein Slogan, und mit dem gleichen Recht könnte man sagen: Aber der Kapitalismus hat ja gerade erst angefangen. Er ist ja gar nicht zu Ende.“ Von Peter Licht, der einst die wunderschöne Hymne „Sonnendeck““ schrieb, bekommt man aber nicht nur schleimende Songs, die immer ein bisschen zu viel von der perfekten Welt beinhalten, sondern ebenfalls zynisches Liedgut: „ Wer gut aussieht ist besser als jemand der nicht so gut aussieht / Der aber immer noch besser ist als jemand der überhaupt nicht aussieht / Und eigentlich ja schon tot ist / Da kann man nix machen / Wer tot ist geht auf die Nerven“ („Wettentspannen“). Das alles geschieht bei ihm jedoch immer mit dem Einbezug der Wahrheit, wie er erklärt: „Ich schreibe Lieder unter dem strengen Gesichtspunkt, dass ich die Wahrheit schreibe. Wenn ich einen Text oder auch nur eine Zeile geschrieben habe, stelle ich mir immer und immer wieder die Frage: „Ist es wirklich, wirklich wahr, was ich da gerade behauptet habe?“

Sein drittes Album beinhaltet zwar keinen herausragenden Songs, den man bis in alle Ewigkeiten vor sich hin trällern wird, besitzt aber mit „Das absolute Glück“, „Es bleibt uns der Wind“, „Gerader Weg“ und „Wir werden siegen“ einiges an wertvoller Herz-Schmerz-Poesie, die an zuletzt überzeugende „Neue-Deutsche-Welle“-Bands wie Schrottgrenze, Olli Schulz & Der Hund Marie und Hund am Strand stark erinnern. Er will uns mit seinem dritten Album sagen: „Gebt nicht auf“ Kämpft weiter!“ Denn zum Schluss bleibt uns ja eh (zumindest) der Wind…



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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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