Surreale Kreaturen, alptraumhafte Situationen und unbekannte höhere Instanzen, die den Hauptfiguren, im wahrsten Sinne des Wortes, das Leben zur Hölle machen. Das sind die Inhalte von Kafkas Werken. Derzeit läuft im Wiener Pygmalion Theater eine etwas andere Inszenierung von Kafkas "Die Verwandlung" - eine Inszenierung, die auch mal zum schmunzeln anregt ...
Surreale Kreaturen, alptraumhafte Situationen und unbekannte höhere Instanzen, die den Hauptfiguren, im wahrsten Sinne des Wortes, das Leben zur Hölle machen. Das sind die Inhalte von Kafkas Werken – nichts für schwache Nerven und nichts für Menschen, die gerne in einer Traumwelt leben. Seit den 50er Jahren sind die Werke Kafkas nicht nur eine Pflichtlektüre für alle Lesefreudigen, sondern auch nicht mehr von den Bühnen dieser Welt wegzudenken. Im Wiener Pygmalion Theater läuft derzeit eine etwas andere Inszenierung von Kafkas „Die Verwandlung“.
Die Geschichte
Die Erzählung „Die Verwandlung“ handelt von Gregor Samsa, einem jungen, pflichtbewussten Vertreter, der eines Morgens in seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung als Käfer aufwacht. Zuerst sträubt er sich noch dagegen, sein Leben als Käfer zu fristen und hält alles nur für einen bösen Traum, letztendlich ergibt er sich jedoch seinem Schicksal. Die Eltern ekeln sich vor ihrem Sohn, die Führsorglichkeit der Schwerster mündet schließlich in Teilnahmslosigkeit und Gregor, obwohl er irgendwann von der Familie toleriert wird, fristet nun ein einsames Dasein, eingesperrt in seinem Zimmer. Geplagt von Schuldgefühlen, da er nun die Verantwortung von ihm auf seine Schwester übertragen ist, beginnt sich Gregor mit seinem neuen und seinem alten Leben auseinanderzusetzen, bis er letztendlich stirbt.
Eine weitverbreitete Interpretation der Erzählung geht davon aus, dass Kafka hier Schönheit und Mitgefühl in der Gesellschaft und innerhalb der Familie thematisiert. Ein Käfer ist alles andere als schön und verdient auch kein Mitleid, dennoch ist Gregor ein Familienmitglied, dass nunmehr wie ein Käfer aussieht und sich auch so verhält. Trotzdem ist er immer noch der Sohn bzw. der Bruder. Nichtsdestotrotz wenden sich alle von ihm ab, sei es aus Ekel, Angst oder Wut, bis sein Tod schließlich von allen als eine Erlösung angesehen wird.
Schizophrenie als Thematik
Einer anderen Interpretation folgt das Wiener Pygmalion Theater, in der Alserstraße: Ip Wischin spielt einen schizophrenen Gregor Samsa. Wie die Schizophrenie ausgelöst wurde, ist unklar, doch liegt der Grund irgendwo in seinem unerfüllten Leben als Vertreter und Familienerhalter. Die etwas düstere Atmosphäre des im Hinterhof gelegenen Pygmalion Theater und das Bühnenbild versetzen den Zuschauer genau in die richtige Stimmung für das Stück: ein waagrecht an die Wand genageltes Bett, ein Paravent und Wischin, der alle Charaktere spielt, das ist alles, was man auf der Bühne sieht. Durch die gespielten Panikattacken und Zusammenbrüche sowie die teilweisen wirren Monologe stellt Winsch einen sehr überzeugenden Schizophrenen dar. Doch sollte man sich, bevor man das Stück genießt, in die Erzählung einlesen. Da Dialoge willkürlich auf Monologe folgen, ist es für jemanden, der nicht mit der Erzählung vertaut ist, sehr schwer der Handlung zu folgen.
Alles in Allem ist die Inszenierung von Geirun Tino eine sehenswerte Interpretation, die auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung in der tristen Kafka-Welt darstellt.