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Käslifondue in Zürich

2007-09-05 20:26:16

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Wer in die Schweiz fährt, muss vor allem eines haben: viel Geld. Denn sonst kann man die vielen angebotenen Köstlichkeiten nur mit den Augen genießen.

Der komfortabelste Weg nach Zürich ist eindeutig der mit dem Flugzeug. Doch wenn die Zugfahrt durch Österreich (dem Sommerticket sei Dank) nichts kostet, dann ist die Versuchung doch groß, den Zug und eine elfstündige Fahrt auf sich zu nehmen und dadurch auch nur 28,40 anstatt über 100 Euro für die Anreise zu bezahlen. Doch ist es das wirklich wert?

Der Zug, die Nacht und ich

Eine Zugfahrt über Nacht kann schon eine tolle Sache sein. Man schläft ein, wacht auf und schon ist man am Ziel seiner Reise angelangt. Fährt man jedoch in einem Zug voller lärmender Fußballfans und noch lärmenderer Kinder, dann können die neun Stunden bis zum Grenzbahnhof unerholsamer vergehen als befürchtet.

Besonders lustig wird das Ganze noch, wenn 50jährige Männer Bier und Jägermeister brauchen um einzuschlafen, begleitet wird das Gelage noch durch deutschen und US Hip Hop bis drei Uhr früh. Mit einem Mal wird mir klar in welcher Situation Bushido, Sido und Co. ihre Texte geschrieben haben, der Zug als Inspirationsquelle des Erfolges, das hat ja schon bei J. K. Rowling geklappt.

Zürich ole!

Nach bangen Stunden im Zug, einem Besuch in Vaduz - viele Berge, nichts zu sehen - erreichen wir Zürich. Ein Bahnhof voller Menschen und die erste Begegnung mit den Schweizer Franken erwarten uns. Wunderbar sind diese Franken, die Scheine ähneln Monopoly-Geld und die Preise ähneln - welch ein Wunder - auch jenen aus dem bekannten Gesellschaftsspiel.

Wer Zürich mit der Bahn besucht, bekommt gleich die Bahnstraße, die Champs Èlysee von Zürich zu sehen. Vom Reiseführer als eine der teuersten Straßen Europas deklariert, bietet sie Geschäfte für Reich und Mittelklasse.

Als Hotel wählten wir das billigste, das hotel.de hergab. Ein kleines Hotel mitten im In-Viertel um den Limmat. „Super, das Hotel liegt dort, wo das Züricher Nachtleben pulsiert.“ Doch nach einem halben Tag Zugfahrt und einem darauf folgenden halben Tag Sightseeing, verschonen wir das Züricher Nachtleben lieber durch schlafen.

Der See

Der Zürichsee lädt den Besucher mit zahlreichen Badestegen und einem großen Angebot an sportlichen Aktivitäten. Wenn der Regen allerdings nahe dran ist, ein Hochwasser zu verursachen und der Wind einem die Einkaufstüten aus der Hand weht, dann bringt auch das größte Angebot nichts.

Einsame Kanufahrer tummeln sich nahe dem Seeufer. Ein Touristenboot, das auf Grund des schlechten Wetters nur halb gefüllt ist, kreuzt den Weg der sportlichen Züricher.
Von Sport kann Dank dem bereits beschriebenen Wetter nur geträumt werden. Schade eigentlich, dass mir Kanu fahren, Tretboot fahren und von einem 10-Meter-Turm springen verwehrt blieben. Es wäre schön gewesen.

Essen - fernab von McDonalds und Co.

Mit einem Reiseführer von 1996 in eine fremde Stadt zu fahren, das kann zu einem Wagnis mit unangenehmen Folgen werden. Leider gab die Zweigstelle der städtischen Bücherei kein aktuelleres Exemplar her. Da der Reiseproviant aus weißen Drageekeksi, Pringels und einem Fläschchen Knorr Vie bestand, begann mein Magen schön langsam nach etwas Sättigendem zu verlangen.

Gut, dass der Reiseführer dafür eine Antwort parat hatte. In Kategorien eingeteilt gab er besten Rat, was wo wie, günstig zu finden wäre. Besonders ein vegetarisches Restaurant mit indischem Buffet ab 18 Uhr und mit über 60 Teesorten weckte mein Interesse. Eineinhalb Stunden haben wir uns die Füße vertreten und waren in jedem erdenklichen Geschäft. Dann folgte eine längere Suche mit Hilfe des Stadtplans, in dem nicht jede Gasse eingetragen war, bis wir endlich davor standen.

„Das schaut ja aus, wie das ärgste In-Lokal!“ Und so war es auch. Unser nettes kleines indisches Tee-Lokal hatte sich in den 11 Jahren seit Entstehen des Reiseführers zu einem In-Lokal gemausert. Gut, dass in der Pringles-Dose noch genügend Chips vorhanden waren und Drageekeksi aus unerfindlichen Gründen nicht schmelzen, so dass sie bis zur nächsten Ration Ovomaltine am Morgen dazu dienen konnten, meinen Magen zu füllen.

Resümee

Wer ohne große Erwatungen nach Zürich fährt und genügend Geld in den Taschen hat, der kann sich auf eine nette Stadt, die viel zu bieten hat, freuen. Besonders den Wetterbericht sollte man sich vor der Abfahrt gut ansehen, denn wenn die Sonne strahlt und die Temperatur
um die 25 Grad hat, dann steht einer Abkühlung im Zürichsee oder gar einem Sprung vom öffentlichen 10-Meter-Sprungturm nichts im Wege.
Umgeben von Bergen und um den Zürichsee herum, lässt die Stadt das Herz eines jeden Kurzbesuchers höher schlagen.

Und was ist mit dem Fondue?

Wer eine Hommage an das Schweizer Käsefondue erwartet hat, den muss ich enttäuschen. Aufgrund der hohen Preise der Restaurants war es mir leider nicht möglich ein Fondue zu kosten - wie gerne ich es auch getan hätte - und musste mich mit einem Schweizer Käsesandwich zufrieden geben. Die sind übrigens wärmstens zu empfehlen.

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AutorInnen

Lena Fürnkranz

Lena Fürnkranz

We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)

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