Nach Razorlight, Kasabian, The Veils und The Killers setzen nun auch die Australier Jet mit ihrem Zweitwerk zur Landung an. „Shine On“ heißt das gute Ding, und es ist garantiert nichts für Landungsklatscher.
Es scheint, als wäre mit Einzug des Herbstes auch die Zeit des berühmt-berüchtigten zweiten Albums hereingebrochen. Nach Razorlight, Kasabian, The Veils und The Killers setzen nun auch die Australier Jet mit ihrem Zweitwerk zur Landung an. „Shine On“ heißt das gute Ding, und es ist garantiert nichts für Landungsklatscher.
Es wird wohl kaum jemanden geben, der/die „Are You Gonna Be My Girl“ aus dem Debütalbum von Jet nicht kennt, ein Song, der mit seiner Wucht und Eingängigkeit vor drei Jahren jeden vom Hocker gerissen hat. Und auch das dazugehörige Album „Get Born“ hatte einiges zu bieten. Doch ob Eintagsfliege oder Wiederholungstäter, oft stellt sich erst beim 2. Album heraus, ob eine Band Potential für Beständigkeit bietet.
Eigentlich konnte man sich´s bei der Vorab-Single „Put Your Money Where Your Mouth Is“ ja schon denken, ein Hau-Drauf-Rocker, der dem erwähnten Ohrwurm aus dem Debüt nicht nur ebenbürtig ist, sondern ihn fast noch übertrifft. Nämlich spätestens dann, wenn die von Kuhglocke und Falsettstimme dominierte Strophe auf den chorgeladenen Refrain trifft und Nic Cester sich die Innereien herausbrüllt. Was uns gleich zu den Personen hinter Jet führt.
Pilot und Co-Pilot sind die Gebrüder Cester, Nic (Gitarre, Gesang) und Chris (Drums, Gesang), die nicht nur ihre Stimmen und Instrumente außerordentlich gut beherrschen, sondern auch für den Großteil des Songwritings verantwortlich sind. Ergänzt werden die beiden durch Cameron Muncey (Gitarre, Gesang) und Mark Wilson (Bass). Dass die Jungs mit Freude bei der Sache sind, hört man mit jedem Ton. Obwohl sie sich zu 100% Retrorock á la Beatles, Stones, The Who, Free oder AC/DC verschrieben haben, klingt „Shine On“ so frisch und lebendig, wie viele andere gehypte Retrorocker wohl gerne klingen würden.
Das neue Album bietet im Prinzip alles, was man von einer guten Rockplatte erwarten kann, rotzige Abrocknummern, gefühlvolle Balladen, üppige Hymnen und Mitsingrefrains en masse. Außerdem erwischen Jet genau die richtige Gefühl/Härte-Balance. Songs wie „Holiday“, „Come On Come On“ oder „Put Your Money Where Your Mouth Is“ sind herrlich knackige Rockheuler, während “Eleanor” oder das im Walzertakt swingende “Kings Horses” die kontrastierende Melancholie und Sanftheit hereinbringen, und beides ohne irgendwie aufgesetzt zu wirken. Erstaunlich ist dabei die Wandlungsfähigkeit von Nic Cester´s Stimme, die in einem Moment roh und durchdringend wie eine Kreissäge und im nächsten Moment sanft und unverbraucht wie ein junger Paul McCartney klingt. Und wenn die Chöre, eine weitere große Stärke der Band, in voller Beatles-Couleur erklingen, geht schon mal die Sonne auf - „Bring It On Back“ etwa, eine in bester „Hey Jude“-Manier langsam anwachsende Nummer oder der berührende Titeltrack „Shine On“, der gar mit gospelartigen Chören aufwartet.
Einziges Manko dieser Platte mag vielleicht sein, dass einem im Laufe der 14 Songs doch sehr häufig das „das hab ich doch schon mal wo gehört“-Gefühl überkommt. Aber vermutlich ist es gerade das, was beinahe jeden Song auf dem Album auf Anhieb hit- und mitsingtauglich erscheinen lässt – gemäß dem Motto „besser gut geklaut, als schlecht selbst fabriziert“.
Für´s Finale hat sich die Band noch ein Zuckerl aufgehoben. Für alle, die vielleicht enttäuscht waren, dass es der erste Albumtrack „L'espirit D'escalier“ nur auf knapp 25 Sekunden bringt, gibt es zum Abschluss mit „All You Have To Do“ ein erfreuliches Deja Vu. Die Vollversion des zu Beginn kurz angeteasten Songs entlarvt sich als einer der besten auf dem Album und lässt „Shine On“ – abermals mit weiblichen Gospelchören – mächtig ausklingen. Jet vereinen die Melodievielfalt der Beatles mit der Härte von AC/DC bzw. die Coolness von Oasis mit der Crazyness der Vines. Und solange man sich nicht an zahlreichen Zitaten aus der Rockgeschichte stößt, macht „Shine On“ unglaublich großen Spaß.