2007-04-02 00:11:32
Das Jeans Team erklärt in ihrem aktuellen Album "Kopf Auf" das Himmelszelt zum Dach über ihrem Kopf. Franz und Reimo vom Jeans Team über Kraftwerk, Hamburg und das Songwriting.
Das Jeans Team erklärt in ihrem aktuellen Album das Himmelszelt zum Dach über ihrem Kopf. Franz und Reimo vom Jeans Team über Kraftwerk, Hamburg und das Songwriting.
„Kein Gott, kein Staat, kein Geld / Mein zuhause ist die Welt“. Diese leicht revolutionär wirkende Textzeile stammt aus der ersten Singleauskoppelung des in diesen Tagen erschienenen Albums von Jeans Team. Im dazugehörenden Video machen sich die mittlerweile zum Trio geschrumpften Berliner (Gunther nimmt gerade eine Auszeit beim Film) auf den Weg. Wohin sie dieser bringen wird, wissen sie wohl selbst nicht so genau. So wandern sie also mit Wanderstock, Klampfe, Akkordeon und Leuchtreklamenschrift über Felder, Wiesen und durch Wälder. Das erinnert an vergangene Zeiten, wo viele Menschen noch von Ort zu Ort gezogen sind, um Arbeit zu finden.
Das Jeans Team entdeckt auf ihrem mit „Kopf Auf“ betitelten Album das Leben abseits der Clubs – die Natur wird jetzt zur Bühne gemacht. Diese Entwicklung hatte sich bereits mit ihrem Vorgängeralbum „Musik Von Oben“ abgespielt. Auf diesem haben sie mit „Oh Bauer“ das in urbanen Stätten eher als Schimpfwort ausgewiesene Wort „Bauer“ unter das hedonistische Volk gebracht. Mit „Kopf Auf“ gehen sie nun noch einen Schritt weiter und hängen die Jeans Team-Leuchtreklamenschrift auf ein Scheunentor.
Freies Magazin 5: Ist das Jeans Team nach "Ding Dong" und "Musik Von Oben" mit "Kopf Auf" musikalisch nun dort angekommen, wo es hin wollte?
Das kann man so nicht sagen. Wir haben bisher mit jeder Platte ein anderes Ziel verfolgt. Bei „Kopf Auf“ war uns wichtig, die Lieder schon im frühen Stadium zu begreifen und klarzustellen, was da wirklich gebraucht wird. Das ist also eher eine Verlagerung vom Musiker hin zur Produzentenrolle. Da wurde dann auch viel weggeschmissen und geschnitten. Das liegt aber auch daran, daß wir auf einmal viel mehr Texte hatten. Die Texte geben die Struktur zum großen Teil vor.
Aber egal: Bisher sehen wir das eher spielerisch und ich denke, unsere Arbeitsweise wird sich auch weiterhin immer wieder ändern. Da geht es nicht um Rezepte sondern um Spaß. Wir wollen nicht ankommen. Wir wollen immer weiter.
Nach „Ding Dong“ musste man ganze 5 Jahre auf ein weiteres Album von euch warten. Für „Kopf Auf“ habt ihr euch gerade einmal 1 Jahr Zeit gelassen. Warum diese doch eher kurze Zeitdauer?
Die 5 Jahre zwischen Ding Dong und Musik von Oben waren einfach zu lang. Da haben wir ja auch nicht die ganze Zeit nur die eine Platte aufgenommen. Da gab es auch noch „Gold und Silber“, die Maxi, die eher im Ausland bekannt wurde. Wir haben in der Zeit viel außerhalb von Deutschland gespielt und dann auch noch das Label gewechselt. Es gab also viele Gründe damals. Diesmal sollte es anders sein. Wir sind glücklich mit unserem Label Louisville und wollten zügig nachlegen.

Das Jeans Team ist auf dem Weg. Wohin sie dieser führen wird, bleibt abzuwarten.
Warum hat es nach Berlin („Berlin am Meer“, ein Song aus "Musik Von Oben") jetzt auch Hamburg („Du bist Hamburg“) in einen Song geschafft?
Das muss man sehen wie z.B. beim Film. Du hast eine Geschichte, in diesem Fall eine Liebesgeschichte, und die muss eben auch irgendwo spielen. Mann kann ja nicht sagen: „Ich bin Nichts – und Du der Hafen“. Dazwischen findet ja nichts statt.
So. Also diese Sache spielt in Hamburg, weil Hamburg einen Hafen hat. Und das Lied hat etwas mit Seefahrt zu tun und mit dem, was zwischen dem Land und der hohen See liegt. Und natürlich damit, dass immer alle da sind, wenn auch nur in Erinnerung oder als Ahnung.
Ist der Song „Das Zelt“ eine Aufforderung zur Sprengung seiner eigenen Grenzen respektive Fesseln, eine Kritik an die Gesellschaft oder vielleicht auch der neue Punk?
Ja klar. Das ist ein Lied über innere Befreiung und die Verneinung von Grenzen. So eine art anarchistisches Volkslied. Aber der neue Punk? Das kann ich nicht beurteilen. Punk war ja etwas ganz spezielles komplexes. Da muss man erstmal ein paar Jahre in Land streichen lassen um so was sagen zu können. Wir fänden es auf jeden Fall toll wenn das Lied irgendwann in der Mundorgel landet.

Ein kleines Päuschen am Wegesrand hat noch nie jemanden geschadet.
Textlich reitet ihr stets auf der Welle des Minimalismus in Richtung Ironie. Welche Bedeutung würdet ihr euren Texten zuschreiben?
Wir sehen uns nicht wirklich als Songwriter. Die Texte sollen eher Anstöße geben, Bilder erzeugen und dabei offen bleiben. Sie dürfen den Hörer nicht einengen, was ja sonst so oft der Fall ist. Man kann sie auf unterschiedliche Weise verstehen, denke ich, und das ist wichtig. Was hab ich denn davon jemandem eine Kassette ins Ohr zu drücken? Das ist doch beengend. Unser Humor wird oft Fälschlich als Ironie verstanden, dabei halten wir eher die Wage zwischen Witz und Ernst. Verkackeiern wollen wir aber niemanden.
In eurem Booklet zum neuen Album schleift ihr euer Equipment inkl. Leuchtreklamenschrift und Discokugel einen Feldweg entlang. Kann man dieses Bild so verstehen, dass ihr – und das ist auch auf dem neuen Album zu hören – der in Richtung Clubkultur schielenden Musik endlich den Rücken zukehrt?
Eigentlich fühlen wir uns der Clubmusik näher denn je. Kamin und Techno sind unsere derzeitigen Schlagwörter. Unter dem Pseudonym „Tracht und Prügel “ legen wir Techno auf. Bei „Oh Bauer “ lag auch der Witz darin, das Wort Bauer mit dem Text in einen Disco-Kontext zu bringen. Auch „Kopf Auf“ ist für uns im gewissen Sinne eine Dance Platte. Mit dem Bild wollen wir eher zeigen, dass wir auf der Reise sind.
Der Track „Silizium“ hat den Charakter einer Kraftwerk-Nummer. Kann man das als eine Hommage an Kraftwerk verstehen?
Na klar! Das ist eine Hommage an Kraftwerk. Es ist doch witzig, dass man immer wieder in der Nähe von Kraftwerk landet, wenn man elektronische Musik macht. Das muss dann auch so stehen bleiben.
Das Jeans Team ist am 20.01.'07 beim FM4-Geburtstagsfest live zu sehen.
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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