2008-10-27 12:14:00
Fortführung im Hause Bond: Nach geglücktem Pokerspiel und misslungenem Rettungsversuch seiner großen Liebe, schickt Marc Forster Daniel Craig auf die Suche nach einem Quantum Trost für seine geschundene Seele.
Quantum Of Solace knüpft nahtlos an die Vorgänge von Casino Royale an, und beginnt mit einer waghalsig gefilmten Verfolgungsjagd. Die bekannte Fetischisierung von Sportwägen und Hochglanzboliden taucht gleich im rasanten Auftakt auf.
Im Fokus der Geschwindigkeit
Sowohl die Gegner als auch die Schwerkraft sollen ausgetrickst werden.
Von Anfang an strebt Regisseur Marc Forster eine mit Hochdruck gefilmte Machart an.
Ein dynamischer Schnitt hier, eine halsbrecherische Kameraeinstellungen dort.
Schwindelerregend ist der Start, der in der Jagd über den Dächern von Sienna den eigentlichen Höhepunkt findet (Stichwort: Artistenseiltanz!)
Forster greift auf alle Spielarten zurück: Viele Ortswechsel und Konfrontationen zu Land, Wasser und in der Luft. Und obwohl Bond selbst keine Zeit für ausgedehntes Sightseeing hat, bekommt zumindest der Zuschauer einige Prachtkulissen aufgetischt, die immer beschriftet auf der Leinwand aufscheinen und den Ort des Geschehens geografisch verankern.
Ob Italien, Südamerika oder auch Österreich, Bond ist ein Weltbürger, der in der ganzen Welt zuhause ist, aber eigentlich kein Heim besitzt.
Die Fahne des Kapitalismus schwenken die Bösewichte um Dominic Greene (Mathieu Amalric), die als gierige Finanziers ein transnationales Machtkomplott schmieden, und zudem für den Tod von Vesper Lynd mit verantwortlich sind.
Für exorbitante Liebschaften bleibt keine Zeit, obwohl ein Quickie mit Agentin Fields (Gemma Arterton) noch drin ist.
Das rassige Bond-Girl Camille (Olga Kurylenko) wird hingegen mit einem Kuss abgespeist. Optisch ein Augenschmaus, bietet die fesche Russin auch charaktertechnisch dem Titelhelden die Stirn.
Vielleicht deshalb, weil auch sie einen Kampf zu führen hat.
M: "I thought I could trust you. You said you weren't motivated by revenge.
" Bond: "I am motivated by my duty."
Gleichzeitig lebt der Film von Misstrauen und Verrat, denn selbst unter den Agenten des MI6 gibt es schwarze Schafe.
Und gerade der so unberechenbare, mit Autoritäten eher schwer zu kämpfende Bond erweist sich als verlässlicher und gestählter Fels in der Brandung, obwohl er auf eigene Faust handelt und seine Taten in zivil-, straf- und völkerrechtlich völlig widrigen Liquidierungen gipfeln.
Schluss mit lustig
James Bond ist nicht der typische Auftragskiller, denn er besitzt die Kunstfertigkeit die Auseinandersetzung sowohl auf Distanz als auch im Nahkampf zu führen. Dabei treibt ihn nicht das Placebo Rache an, sondern die Pflicht seiner Position, wie er selbst äußert.
Gleichzeitig wird man den Eindruck nicht los, dass sich das 22. Abenteuer des Agenten von Ian Flemming an jüngere Nebenbuhler wie Matt Damon alias Jason Bourne orientiert.
Schnitt, Dynamik und Machart wirken nahezu ident.
Zwar ist Bond nicht so robust wie Bourne, trotzdem muss die Disposition von 007 der Action und dem enormen Schritttempo weichen.
Gleichzeitig lässt mich der Film überlegen, ob eine entgegengesetzte Richtung angestrebt wurde: Nach Casino Royale wurden die Macher mit Lob und Achtung wie lange nicht mehr überschüttet. Vom kernigen Daniel Craig war man angetan, der weniger stereotyp den Agenten verkörperte.
Ist es ein Gegenentwurf, Bond schneller, härter und rücksichtsloser agieren zu lassen, damit nicht jedermann damit konform geht?
Jemanden zu töten, ist schließlich harte Arbeit. Das Publikum soll die physische Anstrengung
sehen und spüren können. Es soll kein leichtes Unterfangen sein, wenn jemand seine Ziele mit einem Höchstmaß an Effizienz zur Strecke bringt.
Leider ist auch für Unglaubwürdiges Platz. So wirkt eine Verfolgungsjagd in einem riesigen Flugzeug eher unwirklich als besonders realitätsnah. Ein Spektakel ist es trotzdem.
Wer sucht, der findet
Am Ende von Ein Quantum Trost wird der Eindruck erweckt, dass der smarte James zwar nicht den Tod seiner geliebten Vesper Lynd überwunden hat, er aber dennoch gereift ist und die Geschichte selbst für ihn einen klitzekleinen Funken Hoffnung (bzw. Trost) übrig hat.
Summa summarum kein markanter Einschnitt wie der gelungene Relaunch Casino Royale, trotzdem gelungene Action, ein differenziertes Gut & Böse-Schema, eine Bedrohung auf Weltniveau und ein wenig Globalisierungskritik.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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