2007-11-01 18:12:40
Nach dem Debutalbum Ja, Panik kommt der nächste Streich. Er nennt sich The taste and the money und wurde am 26. Oktober im Wiener Flex vorgestellt.
Nach dem letzten Album Ja, Panik (Drummer und weitläufig als Frauenheld bekannt) haben sich die vier Burgenländer - Andreas Spechtl (Guitarre, Gesang), Christian Treppo (Keyboard), Sebastian Janata und Stefan Pabst (Bass) nun den Wiener Thomas Schleicher (Guitarre) dazugeholt und sich wieder ins Studio zurückgezogen. Nach Auftritten in Österreich und einer Deutschland-Tour sind sie nun mit dem neuen Album wieder da angekommen, wo sie beim Letzten aufgehört haben: Wut, Exzess und Freude (am Musizieren).
Das Album
Begrüßt wird man auf dem neuen Album von Ja,Panik mit sanften Klängen und okkultistischen "hom, hom, bom, bom"-Gesang und dem Leitmotiv des Albums "the taste is familiar and so is the sound, it burns all my money, it turns me down". Auf the taste and the money (part 1) folgt die erste Singleauskopplung Marathon, die Einem, wie ein Großteil des Albums, eine düstere Hoffnungslosigkeit entgegenschleudert.
Neben den üblich rauen Gitarrenklängen und kryptischen und gleichzeitig lyrischen Texten, stößt man in diesem Album auf einen Chor, der sich wie ein roter Faden durchs Album zieht. Weiters findet man immer wieder Anspielungen auf Alkoholüberschuss, Drogenmissbrauch und Liebeskummer, was vielleicht mit der Person Andreas Spechtl zu tun haben könnte. Vielleicht.
In Mein Lieber erfährt man autobiographische Fakten aus dem Leben des Songwriters, der sich als "overdressed und undersexed" bezeichnet. Außerdem haben Ja,Panik es sogar gewagt, Lou Reed zu covern. Das Satellite of love-Cover hat den Lou-Reed-Touch allerdings nicht verloren sondern wird um ein bisschen Ja,Panik bereichert.
Die Songs quizshows und roadmovie to verleiten in gewohnter Ja,Panik-Manier zum Tanzen und auch der Geschmack nach Dekadenz wird durch Lieder wie Thomas sagt gefördert. Das Stück Chanson a boire ist ein Meisterwerk an musikalischem Einfallsreichtum. Im nüchternen Zustand gehört, erscheint der Song etwas eintönig und -gängig; ein paar Gläschen später kann man die vielfältige Melodie raushören und Zeilen wie "ich werde trinken, ich werd' weitertrinken" mit einer allumfassenden Selbstverständlichkeit verstehen.
Spechtl widmet auch Wien eine Hymne mit dem Titel Wien, du bist ein Taschenmesser. Beendet wird das Album mit the taste and the money (part 2), einem Song, der vom the holy-as-hell-satanic-panic-choir, in dem man u. a. Thomas Hangweyrer , Peter Schachinger, "a life a song a cigarette"-Fragmente, Luise Pop,... findet, begleitet wird. Melancholische Gitarrenklänge und Zeilen wie "es sind noch drei Ubahn-Stationen [...] sind es gar sechs, bis zum nächsten Exzess" schließen dieses Album charmant ab.
"Roadmovie to..." Flex
Bei der Albumreleaseparty herrschte gute bis exzessive Stimmung und ein breites Publikum von 14- bis 40-jährigen Musikfreunden tummelte sich vor der Bühne. Der Chor, der bis zum letzten Song aus Vera Kropf, Lisa Berger (beide Louise Pop), Stefan Stanzl und Hannes Wirth (beide a life, a song, a cigarette) bestand, erinnerte durch Kostüme an Sister Act. Andreas Spechtl spielte bei Mein Lieber mit einer rosa Ukulele und schien viel Spaß bei den Zeilen "ich fühl mich overdressed und undersexed" zu haben. Auch Christiane Rösinger (Lassie Singers, Britta) ließ sich auf der Bühne blicken und gab einiges zum Besten. Im Grunde genommen war es ein netter Abend ohne große Skandale und man feierte ausgelassen bis - nicht nur sprichwörtlich - der Arzt kam (aber das ist eine andere Geschichte).
Meine Wenigkeit darf sich zur österreichischen "untergrund - literaturszene" zählen. Man kann mich auf allen möglichen Slams, Lesungen und vorallem in Wiens Nachtleben bei jeglichen Auflegereien oder Konzerten finden. Neben den eigenen Auftritten bei Poetry-Slams und Lesungen schreibe ich außerdem für die österreichische Musikplattform ink.music bin Redakteurin und Kolumnistin bei der Wiener Literaturzeitschrift "...&radieschen" und schreib jetzt auch für fm5. Aja, ich mag Zigaretten mit Kaffee.
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'chanson a boire' ist in jedem zustand die großartigste nummer, vom ganzen album. wahrscheinlich weil sie am untypischsten ist. noch bin ich ziemlich alleine mit dieser meinung. vor allem in den breiten des straight-indie-rock-gemüsebeetes. aber sie werden schon noch dahinter kommen, die leute. auch die band selber. ;)
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