2010-06-09 22:29:43
Das Abtreibungsgesetz in Spanien wurde an das der anderen EU-Länder angeglichen, aber nicht alle Spanier sind damit einverstanden. - Von Alba Pérez Barrera.
Spanien ist ein katholisches Land und es verfügte
bisher über kein bestimmtes Abtreibungsgesetz. Die Abtreibung wurde
1985 legalisiert, aber nur für drei bestimmte Fälle: Vergewaltigung, Missbildung des Fötus oder Gefährdung der
physischen und psychischen Gesundheit der Mutter. Schon damals führte
diese Legalisierung zu unterschiedlichen Reaktionen und zahlreichen
Vorwürfen von Seiten der spanischen Bevölkerung. Also hat auch wie
erwartet das vor kurzem verbschiedete Gesetz der spanischen Regierung
– das die Abtreibung in Spanien weitgehend legalisiert –
Massen-Demonstrationen in vielen spanischen Städten ausgelöst.
Viele gute Argumente
Bei diesen Demonstrationen haben sich mehr als 10.000
Personen versammelt und man kann hier fast überall den Satz "Ja
zum Leben!" lesen. Sie haben viele gute Argumente, zum Beispiel das
Recht auf Leben jedes Menschen, das in der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte steht. Demnach meinen diese Leute, dass eine Frau, die
abtreibt, einen Mord an einem Lebewesen begeht. Und wenn die
Regierung diese Tat unterstützt, handle es sich um etwas, was sich
wohl den Prinzipien der Demokratie entgegenstellt.
Eine ernste Angelegenheit
Meiner Meinung nach haben sie in mancher Hinsicht Recht
und natürlich kann man keineswegs erlauben, dass in unserem Land
Morde begangen werden. Aber wissen sie wirklich, worüber sie da
sprechen? Niemand treibt ab, als ob es sich um ein Hobby handeln
würde. Diese Leute haben normalerweise sehr gute Gründe, um eine
solche Entscheidung zu treffen.
Eine Abtreibung kann nur zwischen dem
ersten und dem dritten Monaten einer Schwangerschaft gemacht werden,
wenn es noch nichts anders als eine kleine Zelle im Bauch gibt. Ich
persönlich finde ich nicht so grausam, diese kleine Zelle bei Bedarf
beseitigen. Oder würden Sie lieber später ein verhungerndes Kind
sehen? Oder ein Kind, das zum Überleben stehlen muss. Oder ein Kind,
das in einem Heim wohnt und nicht glücklich ist. Oder warum nicht...
ein Baby, dass von seinen Eltern in einem Container verlassen worden
ist. Das ist eine Angelegenheit, über die man nachdenken sollte. Trotzdem bin ich mir auch bewusst,
dass die Leute von den Demonstrationen sich vor allem auf andere
Fälle beziehen, wie zum Beispeil wenn Jugendliche (und auch einige
Erwachsene) Geschlechtsverkehr haben und nicht an eventuelle
Konsequenzen denken, weil es ja dieses neue Abtreibungsgesetz gibt
und man auβerdem einfach die Pille danach in der Apotheke kaufen
kann.
Über Lösungsmöglichkeiten nachdenken
Meines Erachtens besteht heutzutage
ein zu großer
Aufruhr um diese Angelegenheit. Zwar protestieren viele Leute, aber
sehr wenige überlegen wirklich und denken über Lösungsmöglichkeiten
nach. Ich glaube, dass Abtreiben in Spanien erlaubt werden soll, aber
kontrolliert. Jede Frau, die abtreiben will, soll registriert werden
und ihre Situation soll sorgfältig analysiert werden: ihr Alter,
ihre Familienstand, die Anzahl ihrer früheren Abtreibungen und die
eventuellen Konsequenzen für ihre Gesundheit. Andererseits finde ich
gut, dass es die Pille danach in der Apotheken zu kaufen gibt, denn
so können Abtreibungen vermieden werden, wenn doch mal etwas schief
gegangen ist.
Demzufolge möchte ich diesen Demonstranten etwas sagen: Denkt bitte daran, dass die Regierung nur nach einer Lösung für die
Frauen sucht, die schwanger werden und wirklich kein Baby haben
wollen. Kein Kind verdient es, in einer Umgebung zu leben, in der es
nicht geliebt wird.
Muttersprache Spanisch, aber germanophil: Studierende der Universität Salamanca (Germanistik/Übersetzung) haben sich unter der Koordination der OeAD-Lektorin Romana Radlwimmer und der DAAD-Lektorin Alma Dreyer zu einer FM5-Auslandskorrespondez-Stelle zusammengeschlossen, um aus spanischer Perspektive über Aktuelles und Universelles zu berichten.
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