2008-03-04 12:17:37
Rock'n Roll, Funk und edle Schmalzballaden - die Love Revolution des Lenny Kravitz.
Das Erfreuliche gleich voran: Lenny Kravitz klingt 2008 rotzig-rockig und pur, wie schon lange nicht mehr, wie gleich die beiden Openingtracks Love Revolution und Bring It On in bester Led Zeppelin Soundästhetik beweisen. Vielleicht liegt's an Lennys Ankündigung, mit It Is Time For A Love Revolution an sein fulminantes Debütalbum Let Love Rule anknüpfen zu wollen - was ihm streckenweise tatsächlich gelungen ist. Es ist freilich Segen und Fluch zugleich, wenn man mit seinem ersten Schaffenswerk den Standard derart hochlegt, der mit allem was folgt, nur schwer zu toppen ist.
Tatsächlich klingt der Grundsound des achten Albums des New Yorker Retro-Rockers nicht wesentlich anders, als auf seinem vor fast 20 Jahren erschienen Debüt, und das klang schon wie aus den tiefsten 70er Jahren. Es wechseln sich rotzige Rock'n Roller mit gefühlvollen Schmalz-Balladen wie I'll Be Waiting ab - das alte Erfolgsrezept also, bei dem Multitalent Kravitz, angefangen beim extrem tighten und knackigen Schlagzeug über Gitarren, Bass und Gesang bis zu Streicherarrangements & Producing wieder mal alles im Alleingang in die Hand genommen hat. Einzig Langzeitpartner Craig Ross unterstützt ihn dabei gitarrentechnisch. Und auch wenn manches klingt, wie schon oftmals gehört, haben die Songs mehr Klasse und Tiefgang als bei den vorangegangenen Alben.
„Don't need no Television,... don't need no Private Island,… don't need no Helicopter, … don't need no Ecstasy,…” (Love Love Love)
Wie der Albumtitel nahe legt, regiert auf Love Revolution über weite Strecken die Liebe. Im knochentrockenen Funkrocker Love Love Love etwa predigt Kravitz eine Liste von Dingen herunter, auf die er gut und gerne verzichten kann, solange er die Liebe hat. Gut, mit vollen Hosen ist leicht stinken, dennoch: eine schöne Ode an die Liebe. Und funkier als Will You Marry Me kann ein Heiratsantrag nicht sein, eine Nummer, bei der James Brown aus jeder Pore tropft. Nicht vor dem Funk-Großmeister verneigt sich Lenny ungeniert, auch Einflüsse von Jimi Hendrix, Led Zeppelin und den Beatles (Good Morning) sind nicht zu überhören. Oder er zitiert sich gerne auch selbst, wie es im äußerst gelungenen If You Want It der Fall ist, ein Song im Stile seines alten Klassikers Rosemary, der sich eindrucksvoll von der sanften Akustik-Strophe bis zur finalen Gitarrensolo-Orgie aufbaut - positive Message inklusive: „If you want it, you can change your world today, if you want it, just break free and walk away”.
Es dreht sich aber nicht alles nur um Friede, Freude, Eierkuchen. In A Long And Sad Goodbye verarbeitet er die tragische Vergangenheit mit seinem Vater in einer wahrlich unter die Haut gehenden Ballade - der stärkste und berührendste Titel des Albums. Lediglich im letzten Viertel geht Kravitz kurz ein wenig die Puste aus, bevor er mit I Want To Go Home schließlich doch noch einen würdevollen Ziellauf hinlegt.
Ob das Album nun eine Revolution der Liebe auslösen wird, sei dahingestellt, und wer sich Innovationen erwartet, ist (und war es sowieso immer) bei Lenny Kravitz an der falschen Adresse. Wer allerdings auf gut gemachten Rock'n Roll, Funkrock und edle Gänsehautballaden im Retro-Gewand steht, ist bei It Is Time For A Love Revolution goldrichtig.
Livetipp: Lenny Kravitz ist als Fixstarter - und vermutlicher Höhepunkt - beim heurigen NUKE-Festival (18. bis 19. Juli) in St.Pölten dabei!