2010-04-02 14:30:05
FM5 fragt bei Ernährungsexpertin Ingrid Kiefer über die Sinnhaftigkeit von Fasten oder einer Anpassung des BMI nach und ob man es auch übertreiben kann mit der gesunden Ernährung.
Feiertage gelten als Zeit der Völlerei, gerade zu Ostern ist der Tisch oft prall mit Leckereien gefüllt. Kaum eine Familie, in der nicht schon Tage vor dem Fest darüber gesprochen wird, was es zu Essen geben wird. Ob das mit der alten Tradition des Fastens zu tun hat, sei dahingestellt, gibt es doch nur mehr wenige Menschen die diesen Brauch praktizieren. Und doch verzichtet so mancher 40 Tage auf Fleisch, Süßigkeiten, Zigaretten oder Alkohol. Ob einer dabei ganz öffentlich leidet wie ein verwundetes Tier oder immer wieder beteuert, wie gut es sich anfühlt die Kraft zu finden, es durch zu ziehen, eines ist oft gleich: Die Freude aufs Ende. Schon vom ersten Tag an wird darüber nachgedacht, wie man sich belohnt, ist die Zeit des Fastens erst vorbei. Der Ostersonntag ist nicht selten der Startschuss zum Ziel "Essen bis der Bauch platzt" oder auf gut deutsch: Fressen wie ein Drescher.
Fasten und Fressen?
Nun stellt sich folgende Frage: Aus welchen Gründen man auch immer fasten mag (Ziel ist es nicht hier eine religiöse Sinnesfrage zu starten), ist das ganze überhaupt gesund, wenn man sich danach zelebrierenderweise den Bauch vollschlägt? Oder hat man sich nach der ganzen Pein eine "kleine" Völlerei verdient? Antwort auf die Sinnhaftigkeit gibt Ernährungsexpertin Ingrid Kiefer, von AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit: "Nein, das hat keinen Sinn. Richtig fasten tut ja beinahe keiner mehr, das sind lediglich Einschränkungen. Fasten ist aber eine gute Möglichkeit zum Einstieg in eine gesunde Ernährung das ganze Jahr über. Natürlich ist es schwer, denn gerade Ostern ist ein traditionelles Fest der Köstlichkeiten. Einmalige 'Sündentage', kann man aber gut mit Bewegung kompensieren."
Kann man's eigentlich auch übertreiben?
Wer sich in unserer Zeit nicht zumindest Gedanken über seine Nahrungszufuhr macht, wird schnell als verantwortungslos abgestempelt, doch sind nicht gerade die, die sich keine Gedanken darüber machen oft beneidenswert? Zumindest solange sich ihr Körper in einem normalen Zustand befindet? Hat jemand, der sich gesund ernähren will und deswegen jeden Bissen den er tätigt in einen Tages- oder Wochenplan einbaut schon eine Essstörung oder ist das über Nährwerte Bescheidwissenmüssen eh normal? "Wenn man alles Essen zwanghaft kontrollieren muss, nennt man das eine subklinische Form einer Essstörung. Eine zwar noch nicht anerkannte, aber oft in der Literatur erwähnte Art ist die Orthorexia nervosa, der Zwang sich möglichst gesund zu ernähren. Erstes Anzeichen ist der Verlust von Genuss", weiß die Expertin. Dem entgegenzuwirken rät Kiefer, sich durchaus Gedanken über seine Ernährung zu machen. Ein bisschen Kontrolle ist gut, unmäßig Essen ist schlecht, das Mittelmaß finden ist ideal. Das oft gehörte Zauberwort lautet nach wie vor: Bewusst. Bewusst essen und vor allem bewusst einkaufen. Wer in seiner Ernährung auf Obst, Gemüse und Getreideprodukte setzt und mit Fett und Zucker spart, dazu langsam isst, befindet sich auf der sicheren Seite. "Verbieten soll man sich aber auch nichts, das führt nur zu Heißhungerattacken. Schlägt man doch einmal über die Strenge muss man kein schlechtes Gewissen haben, sondern einfach ein bisserl mehr sporteln. Bewegung ist sowieso das Um und Auf."
Für eine schöne Statistik?
Bekannt dürfte aber sein, dass die Leute, die sich krankhaft gesund ernähren in der Minderzahl sind, denn immer mehr Menschen der westlichen Welt leiden an Übergewicht oder Fettsucht. Eine immer öfter geforderte Maßnahme ist deswegen die Änderung der Norm. Das Anpassen des Body-Mass-Index (BMI) hält Kiefer aber für wenig sinnvoll: "Das kann ja keine Lösung des Problems sein. Der BMI ist sowieso nicht das Maß aller Dinge. Er sagt nichts über den Fettanteil im Körper aus, so würden beispielsweise Bodybuilder laut BMI schon als fettsüchtig gelten, was natürlich Schwachsinn ist. Eine Anpassung wäre zwar für die Statistik schön, es würde aber nichts an der Tatsache ändern, wie die Leute gebaut sind. Der BMI sollte lediglich eine Richtlinie sein, viel wichtiger ist es allerdings auf Fettanteil und -verlagerung zu achten. Der für Frauen typische Hüftspeck ist z.B. weniger gefährlich, als ein hoher Fettanteil beim Bauch." Die Konklusion ist also: Versuchen wieder mehr auf seinen Bauch zu hören und vor allem Hirn einschalten! Die meisten wissen ohnehin, wie's geht.
...Ich wollte immer eine Prinzessin sein, leider war nur mehr der Part der bösen Hexe frei....
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