2008-02-12 12:11:08
Sean Penn enträtselt mit 'Into The Wild' das Mysterium um Chris McCandless' Ableben weiter. Unglücklich mit der modernen Gesellschaft, die ihm nicht das bieten konnte, was er suchte, bebildert Penn seine letzten Spuren mit einer angemessenen Arbeit.
Ganze zehn Jahre versuchte Sean Penn die Rechte an der Verfilmung von Christopher McCandless abenteuerreichen und tragischen Geschichte zu bekommen. Die Eltern waren unsicher. Wollten sie die Geschichte ihres Sohnes in die Hände eines Kerls aus Hollywood geben? Schließlich gelang es Penn doch noch.
Into The Wild wurde im letzten Jahr realisiert und sogar für den ein oder anderen Oscar nominiert. Hierzulande war der Film Anfang des Jahres in ausgesuchten Kinos zu sehen.
Der über Jahre anhaltende Streit der Eltern, überraschend familiäre Geheimnisse, die ans Licht drangen, ständige Konfrontationen mit seinem Vater und ein anderes Verständnis, wie man sein Leben führt - Chris war es Leid, sein Handeln und seine schwärmerischen, von Schriftstellern und Literatur beeinflussten Gedanken stets erklären zu müssen. Er verließ seine Heimat und machte sich auf nach Alaska.
Auf seinem Weg, der zwei Jahre andauerte, bliebt er an verschiedenen Orten stehen und traf viele Menschen, die seine besondere Aura und sein herzliches Charisma spürten. Ob ein älteres verliebtes Hippie-Pärchen (Catherine Keener, Brian Dierker), ein fleißiger aber ruchloser Farmer (Vince Vaughn), oder ein alter Herr, der ein einsames Leben führt (Hal Halbrook). Alle wollten dem Jungen helfen, doch das ließ er nicht zu. Bestimmend und abweisend, aber nicht unfreundlich, wollte er sich nicht von seinem Weg abbringen lassen.
"Will man richtig leben, muss man sich immer vergegenwärtigen,
dass wir nicht stehen, sondern uns bewegen, und darf sich nicht an das klammern, was wir hinter uns lassen."
(Leo Tolstoi, russischer Schriftsteller)
Sean Penn richtet die Kamera auf wunderschöne Landschaften, einsame Wege, verlassene Straßen aber auch sommerliche Felder, die McCandless in seiner
persönlichen Odyssee durchwandert hat.
Stets auf der Suche - wonach eigentlich? Freiheit, Frieden, Wahrheit?
Recht nah hält sich der Regisseur an die Erzählung von Autor Jon Krakauer. Dabei geht er wenig chronologisch vor, sondern beginnt gleich mit der letzten Station von McCandless' Reise: Alaska.
Dann arbeitet sich Penn mit Flashbacks hin und her und lässt die Stimme von Carine (Jena Malone) durch den Film leiten.
Bildgewaltig ist die formale Gestaltung des Films, sind die üppigen Eislandschaften und die entlegenen Orte. Wir lernen Menschen kennen, die abseits der konventionellen Pfade ihr Leben führen. Emile Hirsch zeigt die beste Leistung seiner noch jungen Karriere und porträtiert Christopher McCandless außerordentlich gut.
Ein Blick in diese großen glasigen Augen reicht aus, um ihm den Durst nach Freiheit abzukaufen. Dazu die Folksongs von Eddie Vedder, und das Puzzle, das an wenigen Stellen etwas zu sehr die Länge sucht (Laufzeit 140 Minuten!) ist nahezu perfekt.
Into The Wild ist ein Film, der die eigenen Wertvorstellungen des Zuschauers hinterfragt und ein facettenreiches Natur-Abenteuer zeigt.
Am tragischen Ende von Chris McCandless ändert es jedoch reichlich wenig.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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