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musik

Interview: Petsch Moser - Reforma

2007-04-02 00:15:59

Petsch Moser tourte im Herbst/Winter durch die österreichischen Hallen, um ihre neue CD Reforma vorzustellen. Ob der Titel wirklich Programm ist, wie sie mit dem Ausstieg von Andreas umgehen und warum es schwierig ist, Cortez the Killer zu covern; das alles und noch viel mehr, wollten wir von ihnen wissen.

FM5: Ihr seid als Band vor allem über eure fröhlichen Songs wie „Schöner Ort“ oder „Sexy Song“ bekannt geworden. „Reforma“, die neue CD, verspricht Veränderung, verspricht mehr Vielfalt. Worin liegen die tiefgreifenden Reformen?

Christian: Textlich ändert sich eigentlich gar nicht viel. Die Veränderungen sind musikalischer Art. Das ist einfach ein Versuch hin zu größerer musikalischer Vielfalt, mit dem Bemühen, dass das für mehr Qualität steht, aber wie gesagt, das ist halt immer ein Versuch.
Lukas: Ich glaube, das wird ein bisschen überbetont. Das Album heißt zwar „Reforma“, das bedeutet aber nicht, dass alles neu, alles anders ist. Es ist einfach so, dass jetzt die Hälfte der Platte mehr Bläser, oder Streicher oder mehr Klavier dabei hat.
Christian: Also der Titel „Reforma“ soll jetzt nicht völlig programmatisch verstanden werden. Im Prinzip haben wir nur das versucht, was jede Band machen sollte: Versuchen, sich nicht zu wiederholen. Wir wollen auf jeden Fall nicht mit unserer Vergangenheit brechen.

FM5: Umso verwunderter ist man dann, wenn man auf der Homepage eures Plattenlabels liest: Es geht „weg vom Deutsch-Pop“.

Christian: Konkret dieses Statement war nicht akkordiert mit uns, aber es stört uns nicht und ist für uns von Seiten des Labels nachvollziehbar. Das Label, wo wir jetzt erscheinen, die hätten wahrscheinlich unsere beiden ersten Platten nicht verlegt und die sehen es schon als den richtigen Schritt, die neue Platte nicht mehr durchgängig so zu arrangieren, wie es bei den beiden ersten gemacht worden war.
Lukas: Wenn man Deutsch-Pop hört, dann hat das immer diesen Beigeschmack, dass es als einfach gilt; insofern ist das „weg vom Deutsch-Pop“ nicht so gemeint, dass wir jetzt nicht mehr spontane, fröhliche Texte machen, sondern dass wir auch einmal eine Klavierballade wagen, das ist vielleicht eher die Neuerung.

FM5: Hitqualität auf „Reforma“ hat sicherlich Gustav K. Diese abgehackten Gitarrenakkorde erinnern an Tomte. Ist das Zufall, abgekupfert oder ist das subjektive Interpretation?

Lukas: Wenn ich Bass spiele und Piotre Gitarre, dann klingt das immer automatisch so. Das klingt auch bei „Bastard“ so. Das ist einfach unsere Art, zusammen zu spielen. Wenn wir also wieder mal eine Nummer spielen, wo ich Bass mache und Piotre Gitarre, müssen wir uns was überlegen, damit es nicht mehr nach Tomte klingt. (lacht)

FM5: Warum wurde Gustav K als Singleauskopplung gewählt?

Piotre: Das war die gemeinsame Entscheidung von uns und dem Label. Jeder von uns hat gesagt, was er nehmen würde und die Mehrheit war dann für den Song. Das war einfach der gemeinsame Nenner.
Christian: Das kristallisiert sich innerhalb der 14 Tage, in denen man im Studio ist, schon auch immer schnell heraus, welche Nummern das sein könnten, die man als Single wählt. Jeder von uns hat sicher ein Lied auf der Platte drauf, das ihm besser gefällt, aber darum geht’s ja bei der Singleauskopplung nicht.
Lukas: Als kleine Band ist es wichtig, dass der Song im Radio gespielt wird, denn sonst spielst du deine Konzerte in halbleeren Hallen.

FM5: Und die Idee den Song als Cowboyvideo zu drehen?

Christian: Das war die Idee von dem, der das Video gemacht hat.
Lukas: Na ja, die Idee beim Schreiben des Textes war schon, die Geschichte eines Cowboys zu erzählen, nur haben wir das dann textlich nicht ganz so hingekriegt.

FM5: Und wie fühlt man sich im Kostümvideo?

Lukas: Ur geil, ur sexy!
Piotre: Also das war eines der schönsten Videos, die ich je mit dir gedreht habe, Lukas.

FM5: Bei „Bettinas Messer“ geht es um ein Mädchen, das ritzt. Spielt ihr das auf Konzerten und es das nicht eigenartig, wenn die Leute dann zu so einem Text abrocken?

Christian: Wir haben’s bisher noch nicht gespielt, weil das wirklich ein Song komplett vom Andreas ist. Es gibt so ein paar Nummern, da trauen wir uns noch nicht so ganz ran. Wir haben andere Lieder wie „Fehler“, die sind vom Text her noch heftiger. Die spielen wir schon und ich glaub, dass uns die Leute auch gerade wegen solcher Songs lieben, weil wir eben nicht nur happy-pop Lieder spielen.

FM5: Was ist aus eurem Projekt, „Cortez the Killer“ von Neil Young covern zu wollen, geworden?

Christian: Schon passiert, das haben wir bei unseren letzten beiden Konzerten schon gespielt. Aber es ist schwieriger als wir gedacht hatten, wir wissen noch nicht, in welchem Tempo wir es spielen sollen. Er (Lukas) will’s sehr langsam spielen und ich ein bisschen schneller. Als ich „Cortez the Killer“ das erste mal gehört hab, hab ich nämlich aus Versehen auf einem Longplayer 45 eingestellt und hab mir gedacht, das ist echt eine leiwande Nummer und hab’s dann erst, als die Stimme dazukam, gemerkt. (lacht)

FM5: Deutscher Indierock gilt gemeinhin als unpolitisch. Wie seht ihr das?

Lukas: Ich denke, dass oftmals sogenannte Politische Bands wie z. B. „Ton, Steine, Scherben“ erst durch den politisch zeitlichen Kontext als politische Bands rezipiert werden. Es hängt immer von den Umständen ab. Man könnte sich ja durchaus vorstellen, dass ein Text wie „Schöner Ort“ in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort auch durchaus politisch aufgefasst werden könnte. So als schöner Ort, wo man gerne sein möchte, wo man gerne hin möchte, aber eben bedingt durch die politischen Umstände nicht hin kann. Dann wäre das plötzlich ein politischer Song.
Christian: Ja, und manchmal ist das auch so etwas wie eine Ausrede, dass der Text nicht so gut sein muss. So nach dem Motto: Es reimt sich zwar nicht wirklich gut, aber es ist politisch. (lacht) Generell kenn ich nur wenige Bands, die das wirklich gut machen.

FM5: „Reforma“ jetzt auf den Konzerten zu präsentieren, heißt nun auch endgültig den Abschied von Andreas zu vollziehen. Wie schwierig war/ist das?

Christian: Es war schon schwierig. Es war schwer, weil sich auch viel geändert hat. Es haben sich auch Spielpositionen geändert, es kam ein neuer Bassist hinzu. Keyboard ist auch neu dabei. Es hat länger gedauert, sich darauf einzustellen, als wir gedacht hatten, aber bei den letzten Konzerten hat es schon gut funktioniert.

Fm5: Auf der offiziellen Homepage gab’s gar kein Statement zum Ausstieg von Andreas, auf der Fanhomepage auch erst relativ spät, erst als sich dort schon die Gerüchte häuften. War eure Strategie im nachhinein betrachtet wirklich klug?

Christian: Das war wohl überlegt und wir würden es wieder so machen. Denn das wichtigste Ereignis auch im Sinne von Andreas war, dass „Reforma“ rauskommt. Wenn wir das vorher publik gemacht hätten, dann wäre da so ein Drama entstanden und dann wär die Platte dabei ganz untergegangen.
Lukas: Das war auch mit dem Andreas so besprochen.
Piotre: Ich denk, man darf uns da auch keinen Vorwurf machen, weil diese Situation ja auch für uns ganz überraschend und neu war; das ist so wie das erste Mal mit einer Freundin Schluss machen, da weiß man auch nicht, wie man richtig reagieren soll. Und wir haben uns dann dafür entschieden, kein großes Tamtam darum zu machen.

FM5: Und die Gründe für seinen Ausstieg?

Christian: Wenn jemand aus einer Band aussteigt, hat das meist zu vielschichtige Gründe, als dass man das in ein Statement verpacken könnte. Das können letztlich nur die wirklich verstehen, die da voll involviert sind. Wenn man versuchen würde, das in einem Statement unterzubringen, wird man einfach der Sache gar nicht gerecht. Wenn wir gesagt hätten „aufgrund künstlerischer Differenzen“, was es letztendlich war, dann wäre das aber auch zu knapp. Gerüchte hätte es trotzdem gegeben.
Piotre: Was wir alle vereinbart haben ist, jeder, der uns danach fragt, kriegt eine ehrliche Antwort. Wir drängen uns aber mit dem Thema nicht auf.

FM5: Wie sehen eure weiteren Pläne aus?

Christian: Wir hatten uns vorgenommen, „Reforma“ flächendeckend in Österreich zu präsentieren. Da ist mit dem Konzert im WUK (Anm. d. Red.:15. 12. 06) dann der Endpunkt gesetzt. Im Jänner spielen wir dann noch ein paar weitere Gigs und im Sommer sicher auf ein paar Festivals.

FM5: Und über 2007 hinaus? Wo seht ihr euch in drei bis vier Jahren?

Christian: Keine Expansionspläne. (lacht)
Piotre: Wir werden mehr Bowling spielen gehen. (lacht)
Christian: In drei, vier Jahren sehe ich uns voll aktiv im Proberaum.

FM5: Wie steht ihr alle das zeitlich durch? Ihr habt ja daneben eure Berufe oder studiert.

Piotre: Also ich sehe das immer gar nicht so, dass ich in Petsch Moser Zeit investieren muss; ich denke immer, das ist das schönste was es gibt, mit seinen Freunden gemeinsam Musik machen zu können. Ich hab noch nie das Gefühl gehabt, dass Petsch Moser mir Zeit raubt. Petsch Moser ist einfach mein allerschönstes Hobby.
Lukas: Ja, und Konzerte am Wochenende, das ist wie Weggehen mit guten alten Freunden.

FM5: Vielen Dank für das Interview!

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