Erst mit dem zweiten Versuch hatte ich das Interview im Kasten, doch die Jungs von W$K waren so freundlich und geduldig mir nach den anfänglichen Schwierigkeiten noch ein Interview zu geben. Musik - das ist Geschmackssache, aber menschlich haben sie mich zu 100% überzeugt.
"Jugendstil" veranstaltete eine so genannte "Miniaturtour im Herbst". Für diesen Anlass wurden "The Wohlstandskinder" (D) als Support an Land gezogen. FM5 ließ sich das natürlich nicht entgehen und traf somit im Avalon auf die vier Jungs mit den Künstlernamen: Honolulu Silver (Gesang/Gitarre), Don Cardeneo (Schlagzeug), Raki (Bass) und Türk Travolta (Gitarre).
FM5: Hey Wohlstandskinder! Kommt irgendwer von euch aus einer Wohlstandsfamilie? Warum gerade der Name?
W$K: Fass dich doch einmal selber an der Nase! Wir leben hier einfach in einer wohlständigen Welt, wir verhungern nicht einfach auf der Straße, bekommen alle eine gute Ausbildung, müssen uns keine wirklichen Sorgen machen, sondern haben eher das Problem, dass wir uns irgendetwas von den hundertausend Möglichkeiten, die wir haben, aussuchen müssen. Jeder von uns hat das Abitur, unsere Eltern haben Einfamilienhäuser und an einem Zweitwagen mangelt es auch nicht. Das ist jetzt das, was uns betrifft, doch so geht es vielen anderen auch. Um den Bandnamen nicht nur auf uns zu reduzieren, haben wir uns THE und nicht DIE Wohlstandskinder genannt.
FM5: Wie kam es zu euren Künstlernamen? Gehen die euch gar nie auf die Nerven?
W$K: Während unserer dritten Platte "Delikatessen 500 SL" beschlossen wir, dass man als Künstler nicht mehr z.B. "Thomas Müller" heißen kann. Wir waren aber ziemlich einfallsreich, weshalb wir unsere Namen auch heute noch hören können. Z.B. "Honolulu Silver" klingt ja total abwegig. Orte in Künstlernamen sind immer gut und "Silver" ist einfach der Inbegriff des Glamours.
FM5: Ihr tourt sehr viel, gibt es irgendein Plätzchen im deutschsprachigen Raum, wo ihr besonders gerne seid?
W$K: Wir spielen eigentlich überall gerne und da jede Stadt so seine Anreize hat, in der einen gibt es tolle Sehenswürdigkeiten, in der anderen nette Fortgehmöglichkeiten etc., lässt sich das schwer über einen Kamm scheren.
FM5: Wie gefällt es euch in Österreich? Ihr wart ja heuer in Wiesen. Wart ihr zufrieden?
W$K: Österreich ist super! Da passt das Sprichwort: "Hier werden Zwerge zu Riesen." Da hat man einfach den Auslandsbonus und die Leute behandeln uns sehr gut. In Wiesen war es wahnsinnig lustig, wir waren drei Tage dort, obwohl wir erst am letzten Tag spielten. Die ganze Zeit war Party angesagt.
Caddy: Am Festival in Wiesen trafen wir auch die Jungs von Ex Guns N' Roses (jetzt "Velvet Revolver") und als ich noch jünger war, war das eine meiner absoluten Lieblingsbands. Ich habe mich dann lange nicht getraut, sie anzusprechen. Am dritten Tag bin ich dann doch endlich hingegangen und habe sie um ein Autogramm gebeten. Sie sahen mich an und fragten, für wen das Autogramm denn bestimmt sei. "Für Caddy!" Als ich danach draufschaute, stand dort "Für Cathie!"...Na ja, jetzt bin ich halt ein Mädchen.
FM5: Ihr habt euch in den Jahren sehr verändert - was auch gut ist, da sich ja jeder weiterentwickeln muss. Seid ihr mit eurer Entwicklung zufrieden? Gibt es Songs, auf die ihr heute nicht mehr so stolz seid oder die ihr überhaupt nicht mehr spielen möchtet?
W$K: Ja, aber die Weiterentwicklung war nicht beabsichtigt, wir wussten natürlich damals nicht, wo wir heute stehen und wir wissen auch nicht, wie wir uns in den nächsten Jahren entwickeln werden. Genau das ist das Schöne an einer Entwicklung und so wie sich jeder individuell weiterentwickelt, passiert das auch mit der Band. Wir sind - wenn man zurückblickt, auf jeden Fall froh, wie wir uns verändert haben. Natürlich gibt es Songs, die wir damals mochten, aber heute nicht mehr, aber es war eine verdammt geile Zeit, die wir nicht missen wollen.
FM5: Wo und wann schreibt ihr eure Texte? Was beeinflusst oder motiviert euch gewisse Sachen zu schreiben?
Honolulu Silver: Ich habe immer einen Block und einen Stift dabei, auch wenn ich auf Tour bin, um mir eventuelle Inspirationen sofort notieren zu können. Eigentlich ist es so, dass nicht du zum Text kommst, sondern der Text macht sich auf die Suche nach dir. Natürlich hat man manchmal auch kreative Pausen. Man kann ganz sicher nicht sagen: "Heute setze ich mich acht Stunden ins Büro, um Songtexte zu schreiben."
FM5: Dann liest du sicher auch sehr viel, oder?
Honolulu Silver: Ehrlich gesagt, eher nicht. Raki ist der, der bei uns ziemlich viel liest - muss er ja auch, weil er nebenbei Germanistik studiert. Ich bin eher der kreative Typ, der möglichst viel aus seinem Hirn herausquetscht, als dass er da so viel aufnimmt. Bei mir ist das Schreiben absolute Bauchsache.
FM5: Habt ihr trotz eures dichtgedrängten Programms überhaupt noch Zeit, dass ihr euch auf andere Dinge konzentriert?
Raki: Ich versuche nebenbei noch möglichst viel Sport zu betreiben, würde gerne einmal bei einem Triathlon mitmachen, doch die Zeit zum Trainieren fehlt mir. Heute (Anm. der Redaktion: 23.10.2004) am Nachmittag war ich Skateboarden und ich bin verdammt stolz, dass ich die Tricks, die ich vor zehn Jahren gestanden bin, auch heute noch stehe. Während wir tourten, bin ich anfangs noch joggen gegangen, aber es macht nicht so viel Spaß irgendwo herumzurennen, wo man sich nicht auskennt.
FM5: Wie nehmt ihr euch eine Auszeit von Musik, oder ist das nicht nötig? Wann wart ihr das letzte Mal auf Urlaub? Würdet ihr gerne einmal wieder verreisen?
W$K: Musik gehört zu unserem Leben und deshalb brauchen wir keine Auszeit. Dadurch dass wir viel unterwegs sind, betrachten wir es auch als Urlaub, wenn wir einmal wieder zu Hause sind, alte Freunde besuchen und dort fortgehen. Der letzte richtige Urlaub ist sicher schon sechs Jahre her, natürlich würden wir gerne einmal wieder wegfahren. Und man ist logischerweise froh, wenn man die restlichen Bandmitglieder für eine bestimmte Zeit lang nicht sieht. Die Band ist ja fast wie eine Famlie, von der man ab und zu eine Auszeit braucht, weil wir wenn wir touren, ständig beieinander sind.
FM5: Seid ihr eigentlich total verschiedene Typen?
W$K: Absolut! Total verschiedene Typen! Es funktioniert deshalb so gut, weil wir uns super ergänzen, die Welt wird ja auch durch Feuer, Wasser, Erde, Luft zusammengehalten und so ähnlich läuft das bei uns auch.
FM5: Letzte Frage: Was sagt ihr zu den Wahlausgängen in Brandenburg und Sachsen? Es heißt besonders junge Wähler wählten die rechtsextremen Parteien. Woran liegt das, dass besonders junge Leute, die eigentlich offen und unvoreingenommen sein müssten, sich an solchen Parteien orientieren?
Raki: Ich habe kurz vor der Wahl einen beruhigenden Artikel gelesen, der den Wahleinzug vorangekündigt hat und der hat festgestellt, dass solche Parteien inzwischen 14 Mal in Landtagen eingezogen, aber auch 14 Mal wieder rausgeflogen sind, weil die überhaupt nicht in der Lage sind, Politik zu betreiben, zu irgendeinem Konsens zu kommen. Sie zerstreiten sich meistens dann auch noch untereinander. Die paar Lichtgestalten, die dort auftreten, haben auch keine Unterstützung von irgendwem, sondern das sind alles nur irgendwelche Einzelgänger und Wortführer, die nicht geschaffen dafür sind, in der Gruppe und miteinander zu arbeiten. Aufgrund dessen flogen sie schnell wieder aus dem Landtag. Ich hoffe, dass es dieses Mal nicht anders sein wird, obwohl die Vereinigung von NPD und DVU schon etwas unheimlich ist, aber ich hoffe wirklich, dass die einfach an ihrer eigenen Unfähigkeit scheitern. Junge Wähler wählen aus purem Protest solche Parteien, da keiner auf die konventionellen Parteien Bock hat, weil dort niemand etwas Interessantes anbietet.
M usikfanatikerin
A ndersdenkende Abenteurerin
R ichtig Rechthaberische Rotznase
I deenreiche Improvisierende Individualistin
O rgiastische Optimistin
N achtschwärmerin
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