2007-04-02 00:11:21
Frequency 2005: FM5 nahm dies zum Anlass, die Band "The Coral" ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen. Mit Ian Skelly sprachen wir über Inspirationsquellen, das Ende der Jugend, oder Fashion im Musikbusiness.

Ian Skelly
Ein Felsbrock, der ins Rollen gebracht werden muss
In freudiger Erwartung kam die erste Frage: Was ist mit den anderen? Gibt’s Probleme? Die Antwort war so banal und langweilig, dass er sie zwei Mal wiederholen musste, bis wir sie verstanden: „Es gibt keine Probleme. Die anderen schauen Fußball, sie wollten nicht kommen, ich hab mich halt gemeldet." Oder geopfert, wie mans nimmt. Anfangs war es sehr schwierig mit ihm ins Gespräch zu kommen, weil er auf unsere Fragen ca. in der Länge unserer Fragen antwortete:
FM5: Magst du es auf Festivals zu fahren?
Ian: Ja, manchmal, es kommt drauf an, was ich die Nacht davor getrunken habe.
FM5: Eure Band besteht aus sieben Mitgliedern, wie fällt ihr Entscheidungen?
Ian: Zuerst wird diskutiert und danach demokratisch abgestimmt.
FM5: Wie geht ihr mit dem Druck im Musikbusiness um?
Ian: Druck gehört zu unserem Job und du musst einfach damit fertig werden.

Vom Suchen und Finden von Ideen
Auch das letzte Album „The Invisible Invasion" wurde an einem abgelegenen Ort in einem alten, spukenden Haus aufgenommen, trotzdem ist es viel poppiger und massentauglicher geworden. Spürten die Jungs doch den Druck des Musikbusiness, oder beschwerte sich am Ende gar ihr Label bei ihnen? „Nein, unser Label lässt uns das tun, was wir wollen. Wir haben die Kontrolle über alles. In gewisser Weise wollten wir ein populäreres Album machen, weil wir wieder mehr Menschen ansprechen wollten." Der Druck kam also von innen und anscheinend haben die Jungs demokratisch beschlossen, dass sie jetzt wieder ein massenkompatibleres Album machen müssen.
Wo nehmen die Hauptschreiberlinge James, Ians Bruder, und Nick eigentlich ihre Ideen her? „Das ist völlig verschieden, viele Dinge siehst du einfach auf der Straße, die dich berühren. Das Lied „She Sings The Mourning" zum Beispiel handelt von Inzest. Wir kommen aus einem kleinen Dorf, und in jedem kleinen Dorf kommt es ab und an vor, dass ein Geschwisterpaar sich liebt, du siehst das dann bei den Leuten, wenn ein Auge heroben und ein Auge in der Nähe vom Mund ist." Ian schneidet eine Grimasse und bringt uns ziemlich zum Lachen. Inzest? In jedem kleinen Dorf? Haben die Skelly-Brüder etwa Schwestern? Läuft im westenglischen Küstenstädtchen Hoylake, wo sie herkommen, etwa was schief, oder passt Ian´s Geplapper einfach perfekt zu ihrer psychedelischen Musik? Ian wird wieder ernst und fährt fort: „Du kannst deine Ideen aber auch aus Büchern, oder guten Filmen haben. Wir würden irrsinnig gerne einmal Filmmusik machen. Ich liebe Filmmusik, der Großteil der Musik, den ich höre, ist instrumental, exotisch, 50ies Musik, britische Folkmusik und oft ist es auch so, dass man ein Lied aus einem anderen Genre hört und es dann umschreibt, sich also auch von anderer Musik inspirieren lässt."

Bassist Paul Duffy Foto: (c) Stephan Brückler

Sänger James Skelly Foto: (c) Stephan Brückler
Die Bühne verwandelt jedes hässliche Entlein in einen Schwan
Wenn wir ehrlich sind, ist es auch egal, ob die Jungs gut aussehen oder nicht, so lange sie uns mit ihrer Musik befriedigen können. Wenn die Sehkraft bis zur Bühne reicht und man sieben lässige Gestalten auf ihr sieht, empfinden wir so gut wie alle, die ein Instrument zwischen ihren Fingerchen halten, als schön und attraktiv. Von der Sicht des Publikums aus auf die Bühne, ist es egal, ob die Frisur modisch ein Auge verdeckt, oder die knackigen Ärsche in hautenge Jeans gequetscht sind. Übrigens, der Leadgitarrist Lee Southall wurde kurz vor dem Auftritt wegen Verdacht auf Blinddarmdurchbruch ins Krankenhaus eingeliefert – soviel zum Thema: Es gibt keine Probleme, es wurde eh nur gemütlich Fußball geschaut…
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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