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Integration durch Musik

2007-04-02 00:11:29

Der multikulturelle Haufen namens „Family Bizz“ mit dem Hauptsitz Wien, veröffentlichte mit „Trust Me“ nach vier Jahren „Hardcore-HipHop“ seine erste EP – und das – für den Anfang gleich einmal – auf einem Major Label.

Integration durch Musik
Der multikulturelle Haufen namens „Family Bizz“ mit dem Hauptsitz Wien, veröffentlichte mit „Trust Me“ nach vier Jahren „Hardcore-HipHop“ seine erste EP – und das – für den Anfang gleich einmal – auf einem Major Label.

Nachdem uns der im Jahre 2004 vom Mainstream-Radiosender Ö3 ins Leben gerufene Soundcheck im Vorjahr eine Band namens Shiver bescherte, wurden im heurigen Jahr SheSays zu den Gewinnern gekürt. Nun schöpft man aus dem Vollen: auch andere Teilnehmer werden mit einem Plattenvertrag ausgestattet. Zum einen wäre da der zweitplazierte, aus Graz stammende Leo, der mit seinem Langweiler-Album „Sterne“ vor kurzem debütierte, zum anderen veröffentlichten Family Bizz ihre erste Single „Trust Me“. Dabei handelt es sich um eine aus verschiedenen Ländern stammende und in Wien ansässige Formation, die sich dem Genre HipHop bereits seit 4 Jahren widmet. Aber Entwarnung: Sie besitzen keine schweren Goldketten und fahren auch in keiner fetten Stretch-Limousine vor. Das überlassen sie anderen – und das ist gut so.

Am Tag der Veröffentlichung traf ich Joshi aka da Logic Professor und R.A.F aka Rien A Foutre, zwei Mitglieder von Family Bizz, in den Räumen der EMI zum Interview.

Könnt ihr euch noch erinnern: Wann hattet ihr den ersten Kontakt mit dem Genre HipHop?
Joshi: Ich bin mit meinen zwei Cousins aufgewachsen und die haben mich im Alter von 10 Jahren mit HipHop konfrontiert. Das waren vor allem Wu-Tang Clan und Grandmaster Flash.

R.A.F: Bevor ich zu HipHop gekommen bin, habe ich eher härtere Sachen gehört – Rock Musik. Als ich dann 12, 13 Jahre alt war, bin ich auf Cypress Hill gestoßen. Dadurch ist es dann losgegangen mit HipHop.

Der Titelsong dieser Auskoppelung trägt den Namen „Trust Me“ und ist ein in Richtung R'n'B der heutigen MTV-Generation getrimmtes Stück Musik für laue Sommernächte, welches durch die schwülstig klingende Gitarre und den minimalistisch gehaltenen Beats auf den Massenkonsum zugeschnitten wurde. R.A.F: Stimmt, „Trust Me“ ist ein R'n'B-Track für den Sommer. Diesen eher smoothen Song, haben wir einfach gebraucht, um nach vier Jahren Hardcore-HipHop endlich eine Nummer zu releasen. Damit wir aber nicht ganz unsere Wurzeln verlieren, haben wir „Drop“ als zweiten Track auf der Veröffentlichung gewählt. Damit repräsentieren wir unseren Style.

Wo wird sich euer erstes Album ansiedeln? Wird es in Richtung R'n'B oder in Richtung „Drop“ gehen?
Joshi: Unser erstes Album wird in keine von den beiden Richtungen gehen. Es werden immer Songs dabei sein, die sich anders anhören werden, als die anderen. Wir versuchen aber dennoch einen roten Faden durch das Album zu ziehen.

Wie seht ihr die HipHop-Szene in Österreich?
R.A.F: Es gibt zum einen die Underground-Szene, in der viel in Mundart gerappt wird. Dabei geht es um Authentizität und die meisten, die das machen, sind österreichischer Abstammung. Wir sind nicht mit dieser Sprache aufgewachsen und somit würde es sich bei uns sehr blöd anhören, wenn wir in Mundart rappen würden. Zum anderen ist da noch die Club-Szene. Wir versuchen diese beiden Welten zu vereinen.

Joshi: Wenn man Mundart rappt, setzt man sich eigene musikalische Grenzen und damit beschränkt man sich nur auf Österreich. Wir probieren einfach, wenn alles super läuft, auch im Ausland bekannt zu werden.

Gibt es bestimmte Themen, zum Bespiel politische, die ihr mit eurer Musik transportieren möchtet?
Joshi: Ich interessiere mich nicht besonders für Politik und kenne mich somit auch nicht wirklich damit aus. Deshalb beinhalten unsere Songs keine rein politischen Themen. Wir schreiben eher Texte über unsere Bezirke, in denen wir aufgewachsen sind.

R.A.F: Wir erwähnen in unseren Songs schon, dass es in Österreich Bezirke wie den 15. und den 10. gibt, wo der Ausländeranteil sehr hoch ist. Dort leben viele Leute, die aus Kriegsgebieten kommen und die schon andere Sachen miterlebt haben, wie zum Beispiel Leute aus dem 1. oder 6. Bezirk.

HipHop, allen voran der amerikanische (Stichwort: 50 Cent), vermittelt immer öfter den schalen Beigeschmack des Kapitalismus. Wie seht ihr diese ständig fortschreitende  Entwicklung im HipHop?
R.A.F: Für mich gibt es guten und schlechten HipHop. 50 Cent ist für mich ein guter Rapper. Es gab auch einmal eine Zeit, wo Wu-Tang reinster Mainstream war und somit hat jeder seinen extremen Hype. In Amerika leben die Leute in einem anderen Film. Für einen Europäer sieht die Sache anders aus, wie für einen Amerikaner. Wenn sich ein Europäer jetzt so aufspielen würde wie 50 Cent wäre das völlig unrealistisch. In Amerika ist es so: Wer die meisten Frauen, Geld etc. hat, ist der größte Gangster. Und nun machen eben die Medien 50 Cent zum größten Gangster. Mir ist das egal. Für mich ist er einfach ein Rapper mit guten Skills.

Zu guter letzt noch die obligatorische Schlussfrage: Wie sieht die Zukunft aus? Wann darf man mit einem Debütalbum von Family Bizz rechnen?
R.A.F: Wir sind im Moment sehr viel am Arbeiten und haben auch schon rund 40 Songs, aus denen wir dann auswählen können. Dann müssen wir noch abwarten, wie es mit „Trust Me“ läuft und dann würden wir im September das Album releasen. Dieses wird dann in die Club-Schiene gehen. Im Sommer werden wir viel an unserem ersten Album Arbeiten, dass wir das auch wirklich gut machen. Wir machen alles selber (Beats, Texte) und dadurch haben wir gar keine Zeit, etwas nebenbei zu machen. Zurzeit konzentrieren wir uns nur darauf, dass das Album so bald wie möglich kommt.

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AutorInnen

Marco Weise

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