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musik

Innovativ anders

2008-02-06 22:23:48

  • Gorillaz D-Sides
  • 02 Gorillaz D-Sides
  • 03 Gorillaz D-Sides
  • 01 Lichtenberg Ahoi

Kurze Rückschau: Ende 2007 haben zwei Pop-Granden Retrospektive mit kleinen Erweiterungen veröffentlicht: Gorillaz („D-Sides“) und Lichtenberg („As happy as I can“).

2D, Murdoc Niccals, Noodle und Russell Hobbs: Sie bewegen sich wie eine Karikatur ihrer selbst. Eine Figur wirkt verstörender als die andere. Alles in allem ergibt dieses anarchische und chaotische Quartett aber eine durchaus sympathische Mischung. Die Rede ist von den aus London stammenden, bereits seit zehn Jahren existierenden Gorillaz, jene verrückte Erfindung von Jamie Hewlett und Damon Albarn. Ersterer ist für das geniale Artwork in Form von ausgeflippten Comic-Strips und Videoanimationen zuständig, zweiterer für den Gesang, aber auch für andere musikalische Strukturen. Um es auf den Punkt zu bringen: Affig wird hier groß geschrieben! Nebst der großartigen Tatsache, dass dieses sämtliche Regeln umgehende Projekt viel Wert auf Ästhetik legt – Pop-Experten kennen das ja bereits von Daft Punk & Co. - , hat es auch noch musikalisch viel auf der Habenseite zu bieten: Feel Good Inc., Dare oder Kids With Guns sind nur einige der fantastischen Tracks, die aus dem tonalen Mehr schöpfen. Der Plan geht natürlich auf und man bekommt zu spüren, was guter Pop sein kann. Wenn Pop, diese bunte hybride Bildung, bedeutungsvoll wirken mag, dann hat er eine Symbiose aus Musik und Video-Clips, Comics und ästhetisch anspruchsvollem Live-Konzept (also known as Visuals) zu sein. We are talking about Pop-Art, Baby!

Planet of the Apes

Ende letzten Jahres brachten die zwei kreativen und für dieses Affentheater verantwortlichen Köpfe, Hewlett und Albarn, eine Art musikalische Retrospektive auf den Markt, D-Sides. Eine Retrospektive deswegen, weil – und dieser Schritt unterstreicht nur die scheinbar grenzenlose schöpferische Kraft und Genialität – einige darauf enthaltenen Tracks einer zweiten Betrachtung unterzogen worden sind und eben als Remix-Versionen erscheinen. Wie zum Beispiel der gelungene DFA-Remix von Dare oder ein grooviger Stanton Warriors-Remix von Feel Good Inc.. Die erste CD enthält die Single Rockit und sehr hörenswerte Neulinge (Hongkongaton, 68 State, Bill Murray), die zweite nur Remixes. Alle Nummern sind mit dem dankbaren Motto versehen: Man trifft sich unter der Disco-Kugel! Also: Wenn es gewisse Definitionsprobleme mit dem Wort Pop gibt, D-Sides macht sie wett.

„In der Musik passiert immer etwas“

Gut, dass er seinen ursprünglichen Beruf, den des Uhrmachers, aufgegeben hat: Der oberösterreichische, jetzt in Wien lebende Musiker Franz Reisecker, der bereits seit dem Jahr 1997 mit dem musikalischen Alter Ego Lichtenberg tätig  ist und auch vorher bei Formationen wie Orchester 33 1/3 und Mastalsky mitgewirkt hat. 2007 war ein sehr produktives Jahr für ihn, schließlich veröffentlichte er zuerst das Album „Don `t let them down“ und Ende des Jahres auch noch eine Werkschau bereits erschienener Songs - mit einer Ausnahme, As happy as I can – beide auf seinem netten kleinen Label Schiff Ahoi* Schallplatten. Nun einmal davon abgesehen, dass es sich auch in diesem Fall um zwar verändertes, aber doch schon erschienenes Material handelt, präsentiert Lichtenberg mit jenem opulenten Album seine überdeutlichen Fähigkeiten. Auffallend dabei: Der Opener Am Fluss wird von den beiden Humor-Haudegen Christoph Grissemann und Dirk Stermann gesungen, was jedoch eher mit den landesüblichen Worten „Nutzt `s nix, schodt `s nix“ kommentiert werden muss. Das einzig neue Stück, Lost, ein überzeugender Instrumentaltrack, sowie auch die anderen (Utopic, Rigoletto 2, The Monkey) bestechen mit ihrem innovativen Moment. Im Pressetext zu diesem Werk merkt der Protagonist an: „In der Musik passiert immer etwas, Dinge, Zugänge verändern sich, auch in „nur“ einem halben Jahr.“ Vor allem ist es schön zu bemerken, dass so etwas auch in Österreich erfolgen kann.


Lichtenberg live:



15.2.2008 Premysl (Vöcklamarkt)
16.2.2008 Röda (Steyr)
18.2.2008 Chelsea (Wien)

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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