Französische Filme warten gerne mit Liebe, Eifersucht und Melodramatik auf. Warum sollte es in Claude Chabrols „Die zweigeteilte Frau“ anders sein?
Ein Zauberer verneigt sich vor seinem applaudierenden Publikum. Der Applaus beginnt abzuschwellen und die Spannung auf den finalen spektakulären Trick steigt. Die attraktive Assistentin des Künstlers (Ludivine Sagnier) betritt die Bühne. Mit einer gekonnten Handbewegung versetzt der Magier sie in einen Trancezustand. Die junge Frau legt sich auf eine Holzmatte über der eine Säge hängt. Immer schneller rotieren die Blätter dieser und die Frau wird in der Mitte geteilt. Tränen rinnen über ihr Gesicht.
Die Kreativität eines Altmeisters
Claude Chabrol macht seit 1958 Filme. Bereits während seines Studiums war er Stammgast des Cineasten-Zirkels Cafè de la Comèdie. Ein größeres Erbe seiner Frau ermöglichte Chabrol bald eigene Filme zu drehen. Zwischen seinem ersten Film Die Enttäuschten und seinem neuesten Film Die zweigeteilte Frau liegen fast fünfzig Jahre. Heute und damals findet sich ein Hauptanliegen Chabrols in seinen Filmen wieder: die Gewalt der Klassenverhältnisse.
Die zweigeteilte Frau hat einen historischen Hintergrund. Der amerikanische Architekt Stanford White lebte Ende des 19. Jahrhunderts und war ein berüchtigter Verführer. Im Jahr 1906 wurde er in der Öffentlichkeit von dem Ehemann seiner ehemaligen Geliebten ermordet. Diese war eine kleine Music-Hall Schauspielerin.
Schein und Täuschung
Die junge Gabrielle Deneige (Ludivine Sagnier) arbeitet als Moderatorin für das tägliche Wetter. Bei einer Buchpräsentation lernt sie den alternden Schriftsteller Charles Saint-Denis (Francois Berléand) kennen. Dieser findet schnell Gefallen an der reizenden jungen Frau. Gabrielle, die vaterlos aufwuchs, schafft es Charles zu umgarnen und wird schnell seine Geliebte. Treffpunkt der beiden ist die Stadtwohnung des Autors, auf deren Klingel der Name „Paradies“ steht.
Doch Gabrielle hat nicht nur einen Verehrer. Der Erbe eines Kosmetikkonzerns, Paul Gaudens (Benoît Magimel), wirbt um Gabrielles Gunst. Nach einer angedeutet stürmischen Nacht in einem High Society Swingerclub verlässt Charles Gabrielle, um für längere Zeit auf eine Auslandsreise zu gehen. Paul nimmt seine Chance war, rettet die verletzte junge Frau aus ihrem Trübsinn und heiratet sie. Was sie nicht weiß, Pauls Bruder ist mit vier Jahren bei einem Unfall in der Badewanne ertrunken, während der dreijährige Paul daneben saß.
Der Einsatz von Magie
Obwohl die Bildsprache in Chabrols Film mehr als aussagekräftig ist, zeigt der Regisseur in seiner letzten Einstellung bildlich die Zweiteilung Gabrielles. Ludivine Sagnier haucht dieser fragilen Figur Leben ein. Die Schauspielerin begeisterte bereits 2001 in François Ozons Acht Frauen in der Rolle der unschuldigen Catherine das Publikum. Auch Chabrol sieht in Sagnier eine Schauspielerin, die gekonnt das naive kleine Mädchen darstellt.
Mit Benoît Magimel drehte Claude Chabrol bereits Die Blumen des Bösen und Die Brautjungfer. Der Charakter, den Magimel darstellt, wird von Chabrol als der verrückteste aller Figuren bezeichnet. „Er ist ein echter Schizophrener, hin und her gerissen von Schuld und Unschuld“, so der Regisseur.
Die zweigeteilte Frau führt uns in eine Welt des Scheins, in der Täuschung von Wahrheit nicht unterscheidbar sind. Der Regisseur übt mit diesem Film vehement Kritik an den Medien. Die Welt des Fernsehens wird in ihrer Realität gezeigt, so wie es hinter den Kulissen zugeht. In dieser Scheinwelt entwickeln sich die Figuren. Schlussendlich finden sich alle Charaktere in einem diffusen Durcheinander von Realität und Fiktion wieder. Somit ist es kaum verwunderlich, dass schlussendlich doch etwas Magie im Spiel sein muss.
Filmstart in Österreich: 11. Januar 2008
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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